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O.
Das zweite Glied des Compositums wird in seiner Bedeutung kaum noch empfunden.
Wenn man jetzt in gröſserem Umfange als früher der Annahme zuneigt, dals die Suffixe nicht bloſs Pronominalwurzeln sind, sondern Compositionsglieder, welche in ihrem aufserordent- lich engen Zusammenhange mit einem anderen Redeteile die eigene Bedeutung insofern aufgaben, als sie jetzt nur zur Modification des eigentlichen Begriffes des ersten, vorherrschenden Wort- stammes dienen, so ist damit auch schon die Berechtigung des Sprachgebrauchs, der hier behandelt werden soll, begründet. Handelt es sich doch zum Unterschiede von jenen hier nur um zweite Glieder, welche wir nach dem herrschenden Sprachgebrauche noch in ihrer eigen- artigen Bedeutung empfinden zu sollen glauben, während sie von dem Dichter offenbar anknüpfend an vorhandene Analogieen nur gebildet sind, um an Stelle der gewöhnlichen Ad- jectivsuffixe ein an Form und Begriff vollgewichtigeres Wort zu setzen. Auf dieser Absicht beruhen sicher Verbindungen wie υσοσπ gegenüber ιυσeφεεε, dνοειια gegenüber eιεέιφets. Was bei den einfachen Adjectiven immerhin nur Wahrscheinlichkeit ist, dals nämlich ihre Suffixe aus selbständigen Redeteilen entstanden sind, das sehen wir bei solchen Compositen sich vor unsern Augen entwickeln; denn bei diesen sind die zweiten Glieder offenbar auf dem Wege zu Suffixen zu werden. Auch liegt es nahe, hier die Abblassungen der zweiten Compositionsglieder in den deutschen Adjectiven auf haft, bar, lich, sam, oder auch das romanische-mente zum Vergleich heranzuziehen. Ursprünglich waren ja diese Glieder sicher durchaus so vollwertig, wie sie es der Form nach meist noch sind, der Gebrauch aber degradierte sie zur blossen Staffage des ersten Gliedes*)..
Bei Homer dürften wohl zu den verbreitetsten Zusammensetzungen dieser Art, wenn man den ungemein häufigen Gebrauch berücksichtigt, die Adjectiva auf-hoꝝ gehören. Es ist be- zeichnend, daſs Aeschylus, der kühne Wortbildner, es so gut wie verschmäht hat, in Homer ähnlicher Weise einen häufigen Gebrauch von diesen Compositen zu machen. Denn während man dort noch in fast allen Fällen den Gedanken an ein gefüge wenigstens ertragen kann, ist solches bei Aeschylus in der Regel zurückzuweisen. Hier ist fast überall, wo Composita auf-’O„ε stehen, das zweite Glied nichts weiter als eine freie Art von Adjectivsuffix. Man vergleiche nur: xιι υνιιο πςειmις die ebenen Wege Pers. 564.— Xerxes ruft klagend ib. 1027: xd ο σꝙ△ηνεεον αιςεε εανα r/olga= Jevri.— els dmaxvra 1loν εσο für alle Ewigkeit Eum. 753.— GrS2OS ο⁶ν Ag. 862, von Enger Ausg.* S. 126 ganz richtig so erklürt, daſs der zweite Bestandteil bedeutungslos geworden sei, also der Pfeiler, der den Fuls bildet; ebenso rà xo⁶νον ib. 1565 die Fulsstüche.— xiνᷣς̈ mαοωο1οGð"ſnr pechige Qualm Ch. 260**). Dagegen 6xos raxuioνε Suppl. 32, das J. Schmidt a. a. O. S. 66 ebenfalls hierherzieht, heiſst schnell- rudernd, vgl. aιο, uασmηε. Curtius gr. Et.4, 345.—
*) Vgl. Lobeck zu Soph. Ai. v. 955.— Justi a. a. O. S. 3. 4.— J. Schmidt a. a. O. namentlich p. 64 bis Schluſs. Ich ziehe übrigens viele Composita hierher, die jener anders erklärt, so besonders die auf-ον.— Clemm de comp. gr. p. 169— 172.— Tobler a. a. O. S. 5. 6 und sonst.—
**) Vgl. auch καεέν m5⁴ο⁶νοοσ S. 13.


