Jahrgang 
1883
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(Als Beilage zum Programm des Groſsherzoglichen Gymnasiums in Gieſsen 1882/83.)

Ueber den

freieren Gebrauch der zusammengesetzten Adjectiva bei Aeschylus.

Von Dr. Peter Dettweiler.

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2. Teil.

Composita beruhen auf dem Streben nach Wortfülle.

Bevor wir im Einzelnen die aeschylischen Wortgebilde, welche unseres Erachtens aus dem bewulsten Bestreben nach Fülle des Ausdrucks an Stelle einfacher Adjective gesetzt sind, nach den verschiedenartigen Kategorieen ihres Gebrauches ins Auge fassen, müssen wir einige Worte vorausschicken, um uns von vornherein einen bestimmten Standpunkt zu wahren und einem etwaigen Vorurteile zu begegnen. Wir meinen nämlich den sicher berechtigten Einwand, ein Compositum vertrete niemals schlechthin ein Simplex, wenn es vielleicht auch in praxi so erscheine, sondern bringe dem einfachen Worte gegenüber stets ein Plus von Begriffsvorstellung in den sprachlichen Ausdruck. Dies ist vollständig richtig. Denn es läſst sich einmal nicht leugnen, daſs auch bei solchen zusammengesetzten Adjectiven, wo der eine Teil für unser Gefühl nur mehr noch den Wert eines Suffixes hat, wie bei denen auf-5⅛, ursprünglich d. h. zur Zeit wo die beiden verschiedenen Begriffe zu einer Einheit zusammenschmolzen, beide nebeneinander, wenn auch als zusammengehörig, gefühlt werden muſsten. Andererseits dienten viele, welche in einem ihrer Glieder eine Vorstellung in den Gesamtbegriff tragen, die in der schmuckloseren Diction keine Stelle gefunden haben würde, ihrem innersten Wesen nach auf unabsehbare Zeit hin dazu, der Phantasie des Wortbildenden Ausdruck, dem Verstande des Lesers und Hörers Nahrung zu geben. Es ist also durchaus nicht dasselbe, ob das Heer 1Gααεαs oder, wie dies be- kanntlich sehr häufig der Fall ist, A0læroyevns genannt wird. Denn das Compositum fügt zu

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