Jahrgang 
1883
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der einfachen Bezeichnung des Landes noch den heimatlicheren des Geborenseins. Lesen wir ferner von einem 1eςε επαάσι α ⁵πdοοrν1, so wollen diese Epitheta gegenüber den im einfachen Stil genügenden aaαάe und xεεαα doch offenbar in gemütlicher Breite die ver- schiedenen Momente recht deutlich veranschaulichen. Die zweiten Glieder haben uns sofort das Rennen der Pferde, das Marschieren des Fuſsvolks in lebendigster Weise vor Augen gestellt. Die Zahl der Parzen wird nicht schlechthin angegeben, sondern Aeschylus spricht von Moloat roluαοορςο: Streben nach Veredlung des nüchternen Zahlbegriffs sowie nach plastischer Ver- anschaulichung wird darin nicht zu verkennen sein. Wenn der Dichter aber endlich den Sinn nicht nur einen ehernen, sondern auch αeν nennt, oder gar dem Herzen, statt es schwarz zu nennen, was ja immerhin schon einen hohen Grad von metaphorischer Ausdrucks- weise in sich bergen würde, ein schwarzes Gewand(ueαmννεεμοαιν σονπ) beilegt, so wird man in solchen Fällen gewiſs zugeben, daſs derartigen Bildungen vor allem eine rege Phantasie zu Grunde liegt, welche den einfachen Begriff, um ihm ein höheres poetisches Gepräge zu geben, in wahrhaft künstlerischer Weise zu beleben versteht. Denn statt nüchterner Vorstellungen haben wir plötzlich plastische Bilder vor uns. Und wie sollte das auch anders gewesen sein bei einem Volke, dem wir die erhabensten Muster der Schönheit in Wort und Bild zu verdanken haben? Gerade diesem Umstande dürfen wir es wohl nicht zum geringsten Teile zuschreiben, wenn die griechischen Dichter ganz besonders befähigt scheinen, dem einfachen Worte, das für das Verständnis völlig ausreichte, dort wo es sich um den hochgetragenen Stil der alten Tra- gödie mit ihren tiefernsten, würdigen Stoffen handelt, als Synonyma im weiteren Sinne mehr oder weniger veranschaulichende, belebende und schmückende, vielleicht auch bisweilen zer- streuende Zusammensetzungen zur Seite zu stellen.

Aber eben diese Synonyma unter der GesamtrubrikWortfülle zu behandeln, wird man schon nach den angeführten Beispielen nicht für ungerechtfertigt erklären können. Es kommt hinzu, dals die Analogie besonders häufig gebrauchter Composita sich in der Weise wirksam gezeigt hat, daſs wir in manchen Fällen ein absolutes Verschwinden des einen Gliedes in der Zusammensetzung constatieren müssen. Ich erinnere nur an das bekannte Iaxναυοα οννο- 160vro F 221, das wir neben zahlreichen ähnlich gebrauchten Compositen auch bei dem Tra- giker wiederunden werden.

Demnach hätten wir unter diesem Rahmen alle diejenigen Composita zu behandeln, welehe ifsofern in freierer Weise gebraucht sind, als ent- weder ein Glied gar nicht mehr inseiner Ursprünglichkeit empfunden wird, oder nur beigesetzt ist, um der Rede ein höheres, deshalb natürlich auch oft schwieriger verständliches Gepräge zu verleihen.

Aufser den Schriften, welche zum 1. Teile dieser Abhandlung auf S. 2 und 3 citiert sind, nenne ich für diese Sonderfragen noch: Lobeck, de figura etymologica(in Parerga ad Phry- nichum p. 501 538). Derselbe zu Soph. Ai. v. 324. Von der sprachphilosophischen Seite, also natürlich ohne das sprachliche Material irgendwie genügend behandelt zu haben, spricht über unseren Gegenstand an mehreren Stellen Ludwig Tobler, Uber die Wortzusammen- setzung, Berlin 1868.