Jahrgang 
1883
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Das eine Glied des Compositums enthält nur die Wiederholung eines schon aufserhalb desselben in dem zungehörigen Substantiv(seltener Verbum) enthaltenen Begriffs.

a) Das Compositum hat substantivische Form.

Die bedeutendsten Sprachforscher konnten qurch triftige Gründe gestützt den Satz auf stellen, daſs die Composita die ältesten sprachlichen Urkunden sind, die wir besitzen*). Zu solchen uralten Gebilden rechne ich mehrere höchst eigentümliche Wortverbindungen, der Form halber, weil sie meist ohne ein Adjectivsuffix anzunehmen noch die eines Substantivs be- wahrt haben, der Bedeutung wegen, weil sie alle ungezwungen nur als karmadhäraya- Composita genommen werden können, welche ja ohne Zweifel der frühesten Zeit angehören. Diese stehen ursprünglich zu ihrem Substantivum nur in dem loseren Bande der Apposition, aus welchem sich dann allmählich für das Sprachbewuſstsein das der Attribution entwickelte**). Nun kommen bei Aeschylus eine Anzahl von Verbindungen vor, wo neben einem Substantivum statt des nach unserem Sprachgefühl zu erwartenden Adjectivums nicht dieses allein steht, sondern ein Compositum, das in seinem zweiten, selten im ersten Gliede entweder das zugehörige Substantivum selbst wiederholt oder einen stammverwandten Begriff aufweist. Wenn wir z. B. in der berühmten Eumenidenstelle von den Amazonen, welche den Areshügel befestigten, lesen:

œαν παπν ν˙εοαστου

rij uiꝓlavyov drenuyαοαασνν◻τdτε.. so heilst dies nach modernen Anschauungen nur: sie errichteten als Gegenwehr diese neue, hochtúrmige Stadt hier. Aber vemrτοlis heilst nichts anderes als Neustadt, demnach wörtlich: diese Stadt als eine Neustadt, Hochturm. Dies höchst interessante Beispiel Eum. 677 ist ein ebenso eklatanter Beweis von der Richtigkeit jenes Osthofl'schen Gedankens, als er uns eine Reihe von analogen Fällen erklären hilft. So heiſst das lange Leben αοο⁵οτος aνν Pers. 261 und Aααραων εοςα Fr. 281, das gute Leben 9008 erααν Pers. 702, also eigentlich das Leben, ein Schönleben, ein Langleben, nicht, wie man gemeiniglich annimmt, langes, schönes Leben habend. Ihr wollt den Feinden dieses fruchtbare Land düberlassen? rdν αρ oοeꝝðoQoåm»vſcv frägt der Chor Sept. 289. Schol. olov, riw etνειον ravντν radeigpcvres els riva Iοere; Zum Ausdruck vergleiche man 8απιν 2αααν Pr. 65, und das homerische οQι ονe0οQĩ***).

*) Curtius, Z. Chr. p. 69. 70. Scherer, Z. Gesch. d. deutsch. Spr.* p. 477. **) Vgl. oben S. 8 nebst Anm. **n) Ueber Homerismen des Aeschylus vgl. Max Lechner, de Aeschyli studio Homerico. Progr. d. kgl. Studien- anstalt zu Erlangen 1862.

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