Jahrgang 
1864
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17 franz. zu émeraude und rückwärts ſpan. zu esmeralda, italien. smeralda. Diez nahm noch unmittel⸗. baren Uebergang von zu l an, was unſtatthaft iſt, obgleich er an Baum aus bagms erinnert. In bagms haben wir die bagv, die zum Infinitiv bagvan= bauan wird; vgl. Grimm im W. B. s. v., ſowie daſelbſt unterFlaum= vermuthetem got. flagms. Bei der Erweichung der Labiale p in u iſt entweder erſt Wechſel mit Gutturalis anzunehmen, oder Uebergang in b= v= u, z. B. ſpan. cautivo= lat. captivus.

Die Neigung der Liquide l zu dem Vocal u iſt im Niederländiſchen etwas ſehr bekanntes, oude = alt, hout= holt, Holz u. a. m. ſchottiſch gowd= gold; im Plural der franzöſiſchen Wörter auf al, wie cheval, chevaux, oder in der Conjugation valoir, vaux, falloir, faut, was wohl ein nieder⸗ fränkiſcher Einfluß iſt(?). Ebenſo iſt das Vocaliſieren des l zu u im Serbiſchen zu Hauſe, G. d. S. I, 320. Daher der gangbare Wechſel in der Verbindung sl: sv; und für Grimm werden in G. d. S. I, 322 unſere Suevi, Schwaben zu Slaven, während er noch Diphth. 51 sv= sl für unerhört hielt.

Vocaliſation der Gutturalen zu i iſt wohl aus der Vertretung des v durch j, dhr. u= i, entſtanden; denn Vocaliſation iſt es gewiß, wenigſtens ſprechen dafür die altfrieſ. Formen: dei, mei u. a. Das däniſche jeg in der Ausſprache neben ſchwed. jag iſt wohl grade ſo entſtanden, wie franz. faire aus facere; truite aus tructa; saye aus sagum; engliſche Formen slay= ſchlagen, lay= liegen; may= magan; fly= fliegen; ley= Lauge, way= Weg; für romaniſche Grundlage deny= denegare; apply= applicare; affy= affigere; allay= allegare u. a.; nicht ſo tail= Zagel; nail= Nagel; hail= Hagel ꝛc., wie die Deutſchen: Hain, Maid, Reinhard u. ſ. f., welche Grimmjüngere Diphthonge nennt, und die durch Ausfall eines Conſonanten aneinander gerückt ſind, Diphth. 56. Schon Diez fragt in R. G. I, 203, ob Ausfall oder Erweichung, d. i. Vocaliſation, ſtattfinde? Der Diphthong in den meiſten Fällen ſpräche für Ausfall, verglichen mit den italieniſchen Formen dire= dicere, fare= facere; wie verhalten ſich aber die engliſchen Formen dazu? Auch das! neigt zu i, wie im Schwediſchen und Italieniſchen erſichtlich wird. Dort und hier verſchwindet das l ſogar im Anlaut; ſchwed. ljus, ljuf; italien. fore= flor(-e), fiamma= flamma. In Tirol und Südbaiern ganz gewöhnlich: hajs= Hals; gestojt= Geſtalt; kojt= kalt; a hojbe= eine halbe u. v. a. D. M. A. III, 98; 171. Die Slaven haben ihr I. und die Spanier monillieren Il auch im Anlaute.

Wie iſt's ferner mit der Vocaliſation der Dentalen zu i? Gehört das in das Kapitel von dem paraſitiſchen d vor j und der nahen Verwandtſchaft des j zu d überhaupt? Vgl. G. g. E. II, 202 ff. z. B. griech. neben lat. jam, ahd. ju; lat. vehendus neben ſanskr. vahanjas, ibid. 231. Im Franzöſiſchen ward cleta, clida zu claye, radius zu rayon; ſind ſo auch paire, maire aus pater, mater entſtanden, oder wie maid, voit? Steht es ſo mit engl. betray= tradere? Wie überhaupt im Germaniſchen? Das Tiroliſche zeigt wirklich d für j in bliedn= mhd. blüejen, D. M. A. III, 105. Schon Buttmann ſtellte ahd. jagoôn zu griech. 16ναο was Curtius, G. g. E. II, 227, nicht billigt.

Gutturalen ſcheinen alſo in dem bei Conſonantenverbindungen entſtandenen Wechſel die älteſten zu ſein, aus denen ſich Labialen und Dentalen entwickeln. Die einmal nebeneinander aufgeſproßte Erſcheinung erzeugte weiteren Wechſel von Labialen und Dentalen. Nahe Verwandtſchaft des Organs erzeugte den Wechſel der Naſalen und der Liquiden, ſowie der Spiranten untereinander, und ſo zeigt ſich auf dem feſten Grunde des Geſetzes dennoch wie in dem Reiche der Natur eine bunte, wechſelvolle Geſtaltung der einzelnen Erſcheinungen als Varietäten.

Hoc non pro me loquor; ego enim in alto vitiorum omnium sum.

In den Herbſtferien 1863. Seneca.