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Neben altn. egg muthmaßt Grimm ein got. addi, G. d. S. I, 351; II, 1023; Diphth. a. m. St., wie beggja neben beide ſteht und bagms neben badmr(badmr), griech. 20:eey neben s0„». Sollte das niederöſterreichiſche äderl, Diminutiv von 4= Ei, das alte d bewahrt haben? D. M. A. V, 512; Grimm, Diphth. 39 führt das krimmiſche ada an.— In Weſtpreußen kommt aed= Egge vor, Herrig, a. a. O. XIII, 11; doch könnte das auch ſynkopiert ſein aus aegede, wie mhd. egede, egde vorkommt; in Siebenbürgen ebenfalls éd, D. M. A. V, 367. Schleſiſch ſoll jädern für jägern ſtehen, D. D. 85. Der von Grimm angenommene Ausfall von d vor v kann alſo wohl d, nicht aber g als ſolches erzeugen, wenn nicht Wechſel zwiſchen dem dentalen d und dem gutturalen g vorher ſtattgefunden hat, wie die (Diphth. 42) aufgeführten Formen scadvjan, scuwo, scuginna neben einander beweiſen; ebenſo scouwôn neben scoda(scoda) und cavere(= cadvere), dazu ſchauchen.(Trotzdem aber ſteht ſchauen zu ſpähen und berührt ſich mit dem unter„Labialismus“ erwähnten sagax, G. d. S. I, 233]; Diphth. 16 ſtellt Grimm hauen= hagvan zu caedo.
Im Griechiſchen, Sanskrit und Deutſchen berührt ſich Dentalismus wiederum mit Labialismus: ſanskr. gharma, ahd. waram, griech. 940½⁴, was Grimm, G. d. S. II, 799,= xKαες nimmt. Lat. quatuor bietet die älteſte Geſtalt dar; hieran ſchließt ſich, durch Labialismus entſtanden, das er⸗ wähnte äol. 16 6G 8% εε; durch das palatiſierte ſanskr. tschatväras gelangt man zum gemeingriechiſchen 18000 g.
Schon Lorenz Diefenbach(a. a. O.) ſpricht ſich über dieſen Conſonantenwechſel aus und ſagt S. 52: „.... ſondern auch der Wechſel der Gutturale(und Palatine), Labiale und Dentale in reſpectiver Ordnung, wornach z. B., wenn wir nach einzelnen Wörtern urtheilen wollen, Sanskrita, Zend, Latein, Litthauiſch⸗Slaviſch, Galiſch antiker erſcheinen als Oskiſch, Britiſch, Germaniſch.... ſo finden ſich doch auch unzweifelhafte Fälle, wo z. B. die Gutturale aus früheren Dentalen erwuchſen.— S. 89 f. Eine im Gegenſatz zur urſprünglichen Aſpiration als Lautſchwächung daſtehende Erſcheinung iſt die Mouillierung der Conſonanten, die Erweichung derſelben durch den Zuſatz eines dem Halbvocale y gleichen oder ähn⸗ lichen Lautes oder eines Ziſchers, vorzugsweiſe durch einen folgenden hellen Vocal, beſonders i begünſtigt; in beiden Fällen wandeln ſich die Gutturale häufig in Dentale.— Anmerk. S. 90: Der Uebergang von gh in dh iſt ſchwerlich unmittelbar erfolgt, ſondern durch eine Art von Moulllierung vorbereitet worden.“ Er ſtimmt hierin ganz mit der neueren, vortrefflichen Unterſuchung von G. Curtius überein.
III. Labialen und Dentalen. bh= dh; f, b= griech. 9. Yſeudodentalismus.
Wie aus qvintrus durch Fallenlaſſen der Gutturalen wintar, ſo entſteht aus dvellum(duellum) auf ähnliche Weiſe vellum, verhärtet bellum; galliſches dula entſpricht daher fol-ium(bla-t mit Wur⸗ zelerweiterung?). Im Gebiete des Germaniſchen ſcheint der Wechſel nur zwiſchen dem Gotiſchen und eigentlich Deutſchen, beſonders in der Conſonantenverbindung fl, fr vorzukommen; z. B. thlaihan: ahd. flehan, thliuhan: ahd. fliohan, wie got. thlaqus: lat. flaccus ſich verhält. Sanskr. rudhira, griech. 209 0˙„ wird lat. ruber und rufus, aber deutſch rôt; zu griech. o69 ſtellt ſich deutſch Euter, aber


