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fenszen(weſtfrieſ. finsen)= fangen; genszen(veſtfrieſ. ginsen)= gangen; gansze= gänge; thenzja= thanka; ditsa, aggerem struere von dik= Deich. Auch alemanniſch schlenzen neben ſchlenkern und wieder ſchlendern, D. M. A. VI, 121. Dahin rechnet Grimm, G. d. S. II, 692 das langobardiſche x in: thinx= Ding. Man halte das fleaze des Leſachthales zu flach, D. M. A. II, 342.— Solche Veränderungen ſind meiſt durch den Einfluß eines nachfolgenden j entſtanden, vermittelſt palatalen Uebergangs, wie die Ausſprache des italieniſchen ce, ci, des italieniſchen und engliſchen ge, gi. Wie nahe das liegt, ſieht man am Engliſchen, wo orchard aus ortyard entſteht, und italien. giorno aus diurnus. Die Griechen entwickeln hier Zetacismus. Ueber den Uebergang unſeres k(c, ch, h) in tsch im Meraniſchen Dialect D. M. A. II, 8.— Das umgekehrte Verhältniß waltet in den oben berührten dialectiſchen Formen des„mittleren“ Deutſchlands, von Rheinfranken durch Nordheſſen und Thüringen bis nach Schleſien(und Siebenbürgen): kenger= Kinder; hinge= hinten; gebungen= gebunden; flingg in Tirol= Flinte; gefungen= gefunden, D. M. A. III, 100; 272; hennebergiſch vänk= vollends; bei Salzungen ange= unten, D. M. A. II, 287, vgl. daſelbſt II, 275 und 400; IV, 262; 284; 285; V, 521. In der Provinz Weſtpreußen der Plural hinj(= g) von händ; hünj von hund; kinje von kind; linje = Linde; binje= binden; winje= winden, Herrig a. a. O. XIV, 4. Man betrachte hochdeutſch ſchlingen ſtatt ſchlinden, davon Schlund, D. D. 69. Curtius, G. g. E. II, 275, ſchreibt den Uebergang von zu d dem Einfluß des Dentalen» zu in dem kretiſchen d06„= dyv und d»οꝓog nach homeriſchem droꝓεοεν neben ſonſtigem„„οꝓꝓς. Vgl. D. M. A. II, 545.— Andere Formen ſind dweer= quer, Pr. W. s. v., ndd. quatsch, ndländ. dwaas; daher braucht man nicht mit Tobler D. M. A. VI, 415 bei den Saaner Formen gastere und dastere an zwei verſchiedene Wurzeln zu denken, an lat. castra und deutſch darre; neben quer kommt ebenſo zwerch vor, ahd. duerah, got. thvairhs; Grimm ver⸗ gleicht G. d. S. II, 1028 iriſch darah mit lat. quercus= dvercus; mhd. dwalm iſt nhd. Qualm; das mundart. quetsche neben Zwetſche; zu Käfer ſtellt ſich wohl ziefer in: Ungeziefer. Preußiſch grükke= Grütze(Pr. W. s. v.); unſer Bätze ſtellt ſich zu altn. bikkja, agſ. bicce, engl. bitch; ſo erklärt ſich ferner mhd. swarc, swargen= dickbewölkt ſein, altſ. suercan, agſ. sveorcan= ſich verfinſtern neben unſerem ſchwarz. So wechſeln mundartlich: Schweigerei und Schweizerei, mhd. swaige; wälgern und wälzen; Frangen und Franzen, Range und Ranze, G. D. S. 1, 37.[Die Verwandtſchaft von blinken und blinzen, blicken und blitzen iſt keine unmittelbare auf Uebergang von Gutt. zu Dent. beruhend; ahd. plicch, bei Notker plig, blig, mhd. blic, blick; davon durch die Endung azen abgeleitet: ahd. plécchazen, mhd. bléckezen, älter nhd. blixen, auch ſchon blitzgen, ndd. blix. Vgl. Weigand, Syn. Nr. 2264; ſo auch bei Schmack und ſchmatzen, ibid. Nr. 1138.) Auch im griech. 54400= Aizj ein Guttural, Curtius, Sprchogl. B. 142; und ſo ſtellt ſich durch den Dentalismus got. kukjan zu deutſch küſſen, altſ. kussian, agſ. cyssan, wie ſich in umge⸗ kehrter Weiſe die Conſonantenverhältniſſe von russus und rouge(das wieder neben ruber ſteht) berühren. Kölniſch zick= Zeit, bruck= Braut; ſiebenb.⸗ſächſ. breokt= Braut; kreokt= Kraut; heokt= Haut; zeklich= zeitlich, D. M. A. IV, 261; 281; in Iglau wird fankel= Fantel, ein aufgewecktes Kind, in Oberbaiern Fabrik zu tabritt, D. M. A. V, 214; 223 z der Viertelſtüber heißt in Nordfriesland örtje, im Oſten örken, D. M. A. V, 144; in der Mark iſt piwik eine Nebenform von piwit, engl. pewit= Kibitz, V, 280; 365; plattd. ülk= Iltis, altfrieſ. elzke, ulke, D. M. A. II, 319; III, 378; holländ. klonter, klontje= Klunker, V, 526; VI, 279; ſchon mhd. strüt und strùk; wetterauiſch blouk= Blüthe; broukbien= Brutbiene; lankwuhr= Landwehr; molkworf= Moldwurf. So dürfte ſich auch das märkiſche rück mit ahd. hriot berühren, trotz engl. reak, vgl. D. M. A. IV, 268. Darf man bei altn. briota, brot wirklich an brechen, Bruch denken? Neben Norw egen kommt Nor⸗ weden vor G. d. S. II, 750; ſteht Lohe unmittelbar zu lodern? 2*


