Jahrgang 
1864
Einzelbild herunterladen

10

niſche dieſelbe Erſcheinung wie bei dem erwähnten niederdeutſchen Wechſel: copt= coctus, lapte= lact-, doftor= doctor, lefticé= lectica, R. G. I, 204. Man halte dazu das oskiſche pitpit= quidquid, das griech. 8 0à1 ̈ sequor; im lat. ſelbſt vivo zu pf. vixi= vic-si, deutſch queck; lat. nix, nivis zu dem mundartlichen ſchneigen, ningo,»ioↄ, snigh, G. g. E. Nr. 440, lit. snegas, got. snaivs. Eigenthümlich iſt das umgekehrte Verhältniß der italieniſchen Formen: schiantare neben lat. explantare, schiena neben lat. spina, R. G. I, 180. Ein wunderbarer Uebergang in Conſonantenverbindung iſt der von anlautendem pf zu gf in der Mundart von Iglau: gfanne= Pfanne, gfau= Pfau, D. M. A. V, 212. Als ſabiniſch wird nach Varro angeführt: fircus neben hircus. So entwickelt das Spaniſche (ob durch germaniſchen Einfluß)? ſtets h aus f: haba= faba, hacer= facere, haz= facies u. v. Beiſpiele in R. G. I, 184; G. D. S. I, 381. Griech. X lνα⁴e†ς ſchließt ſich lat. ferrum an. Grimm nimmt für den Wechſel afa: aha Ausfall eines labialen b an, Diphth. 48 ff. Es iſt wohl urſprünglich Wechſel des v mit b nach p und f hin, nachdem die Gutturale in der Conſonantenverbindung gy aus⸗ gefallen war. Aus stabva entſteht ihm staua, wie aus tagvi: taui wegen der Verwandtſchaft mit stabs, stibna(stimma). So einigt er Bohne und faba(51), und allerdings ſcheinen für viele Formen guttu⸗ rale Verbindungen nicht annehmbar. Doch wenn ebbe zu aequor zu ſtellen iſt, ſcheints wieder unſicher (52), da die labialen Beiſpiele nicht zahlreich genug; doch gibt er(55) den Wechſel ſelbſt zu.

Indem eine Lautverbindung kv, gy zu Grunde lag, die ſchon für das älteſte Sanskrit angenommen werden muß(G. g. E. II, 41), entwickelte ſich einerſeits daraus bloßer Kehllaut k, g, andrerſeits bloßer Lippenlaut v, w, verhärtet b, p, f(Diphth. 3. Hahn, a. a. O. 12). Curtius, G. g. E. II, 225, nennt das Hervortreten eines g aus der Verbindung gy dieaufſteigende Weiſe, das eines v dieabſteigende. Ob aber aller Wechſel zwiſchen Gutturalen und Labialen auf dieſer Verbindung beruht, beſonders im Anlaute, iſt doch noch ſehr die Frage.(Diphth. 36 ff.; 57.)

II. Dentalen neben Gutturalen. k= t, tz(engl. ch tsch); g= d. Dentalismus*).

Wie eben durch v Labialismus, ſo entwickelte ſich durch den Einfluß eines j in der Verbindung k palataler Laut, der allmählich= tſch wurde; und ſo ſehen wir auch in germaniſchen Mundarten Dentalismus aus Gutturalverhältniſſen, nicht nur im Anlaut, ſondern auch im In⸗ und Auslaute ſich entwickeln, wie denn j eine entſchiedene Verwandtſchaft zu den Dentalen zeigt, ebenſo wie v zu Gutturalen. (G. g. E. II, 225). Schon früh entſtand im Lat. neben nuncius ein nuntius, wie griech. 16008G neben quatuor,(wo andere Sprachen Labialismus entwickeln). So haben wir frieſ. tz für k: tzilik= kilik, calix; tziurke= ahd. chirihha; von Rieger a. a. O. ts geſchrieben, anderweitig sz oder sth: sthereke= Kirche; szin= kin; szetel und sthetel= got. katils; tzirl und tzerl= ahd charal. Die Media g wird zu dz: sedza= altſ. seggjan; ledza= liggjan; liadze ä= liage; widzja= wigge, lectica; vgl. Heyne a. a. O. 131. G. d. S. I, 388. So kommt lerk in Baiern neben lerz vor, G. d. S. II, 991; vgl. ahd. sluzil mit altn. lykill. Weiter wird die Verbindung des gutturalen Naſals mit der Media g frieſ. zu nsz, wie mit der Tenuis k zu nz: brensza= branga, afferre;

*) Siehe die Note zu I.