Jahrgang 
1915
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Tätigkeit an der hiesigen höheren Bürgerschule, späteren Realschule begonnen hatte, und dessen Leben jahresbe- richt 1895/96 mit der Geschichte der Schule mannig- faeh verknüpft ist, wurde auf sein Nachsuchen mit Wir- kung vom 1. Februar an in den Ruhestand versetzt. Es wurde ihm hierbei unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen Dienste die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen. Grossh. Hless. Regierungsblatt 1915, Beilage Nr. 1.

Herrn Prof. Freund wurde am 15. Januar ein Erho-

lungsurlaub bis Ostern bewilligt, er trat ihn am 25. ja- nuar an. Am 4. Mai 1914 übernahm Herr Lehramtsassessor Bischoff die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Oberrealschule zu Offenbach a. M. Nach Kriegsausbruch rückte er als Leut- nant ins Feld, kam aber anfangs September wegen ge- schwächter Gesundheit nach Gernsheim zurück.

Herr Lehramtsassessor Schnauber war nach seiner vor- zeitigen Entlassung aus dem Militärdienst am 4. Mai 1914 an unsere Schule zurückgekehrt und verblieb hier, bis ihm am 21. Seplember die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Realschule und dem Progymnasium zu Dieburg über- tragen wurde.

Für Herrn Reallehrer Böhm erhielten wir am 14. Februar Herrn Lehramtsassessor Gundermann.

Als Rechner erhielten wir für Herrn Steuereinnehmer Simon, der am 31. März 1914 nach Bingen versetzt wurde, Herrn Steuereinnehmer Lautz. Mit Beginn des Krieges wurde dieser als Lazarett-Inspektor in Mainz verwandt; seine hiesige Stelle versieht Herr Finanz-Aspirant Bieber.

2. Besichtigungen.

Herr Geheimer Oberschulrat Block beehrte die Schule mit seinem Besuche am Dienstag, den 9. Februar.

Herr Prof. Dr. Adolf Hedler, der im Auftrag der Ham- burgischen Regierung im Sommer 1914 eine Studienreise in Preussen, Württemberg, Baden und Hessen unternahm, um die für die staatsbürgerliche Bildung getroffenen Ein- richtungen kennen zu lernen, suchte am 8. Juli auch die hiesige Realschule auf. Der Unterzeichnete behandelte im Geschichtsunterricht in einer zweistündigen Lehrprobe die Reformtätigkeit des Freiherrn von Stein.

3. Schulfeierlichkeiten.

Der Entlassungfeier der abgehenden Schüler am Sams- tag, den 28. Màrz 1914 lag als Leitlinie zu Grunde die Strophe aus Webers Dreizehnlinden:

Erst gehörst du deinem Gotte, Ihm zunächst der Heimaterde.

Bist du stark, sei froh; am stärksten lst der Mann am eignen Herde

Die erläuternde Festrede hielt der Direktor.

Die diesjährige Entlassungsfeier, am Samstag, den 20. März wird darlegen Lehren des Krieges für den Nähr- stand, Wehrstand, Lehrstand.

Grossherzogs- und Kaisers Geburtstag feierten wir als vaterländische Vortrags-Abende zum Besten des Roten Kreuzes. Es wurden Eintrittskarten zu 50 Pfg. ausgegeben und durch Schüler vertrieben. An Grossherzogs Geburts- tag gingen 110 Mk., an dem Sr. Majestät des Kaisers 101 Mlk. 50 Pfg. ein, die der Bürgermeisterei Gernsheim als Sammelstelle des Roten Kreuzes überwiesen wurden. Am Geburtsfeste Sr. Kgl. Hoheit sprach der Direktor über unser Bündnis mit Oesterreich auf der Frankfurter Nationalver-

sammlung 1848/49; an dem des Kaisers hielt Herr Real- lehrer Kayser einen Experimentalvortrag über abgestimmte Funkentelegraphie, dem auch das Offizierkorps des zurzeit hier einquartierten Ersatz-Bataillons des Reserve-Inf.-Regts. No. 94 zahlreich beiwohnte.

4. Wanderungen u. a.

In den Wald und Flurgang nach Maria Einsiedel am Mittwoch, den 20. Mai. Unsern Tagesausflug unternahmen wir am Donnerstag, den 18. juni. Die Wanderziele waren:

VI und V zu Schiff nach Oppenheim, mit der Bahn nach Eich, zu Fuss nach Gernsheim.

IV Ab Börrstadt durch das Wildensteiner Tal auf den Donnersberg.

IIIb Zu Fuss nach Hähnlein, von da mit der Bahn nach Weinheim, von da Wanderung über den Hirschkopf und die Juhöhe nach Heppenheim.

IIIa Frankfurt a. M. Besichtigung der städtischen Markt- halle, des Völkermuseums, Zoolog. Gartens u. s. w.

IIb Dornberg, Klein-Gerau, Forsthaus Wiesental, Niko- lauspforte, Mönchbruch, Gross-Gerau-Dornberg.

IIa Mainz, Biebrich, Wiesbaden. Neroberg.

Der Jugendwehr traten sämtliche Obersekundaner bei, aus anderen Klassen 4 Schüler.

Von Schau- u. Wetturnen u. a. wurde Abstand genom- men, ebenso von einem eigenen Spielnachmittag.

Der Hitze wegen fiel der Unterricht am Dienstag, den 30. Juni nachmittags, am Mittwoch, den l. Juli und Diens- tag, den 14. Juli nach der 4. Stunde aus; ebenso am Donnerstag, den 13. u. Freitag, den 14. August.

5. Einquartierung und äussere Einwirkung des Krieges auf den ÜUnterricht.

Vom Tage der Mobilmachung an bis zum 7. September wurde der Realschulturm, der eigentlich als Sternwarte ge- dacht ist, als militärischer Beobachtungsturm benutzt. Die Wachtmannschaft, 2 Unteroffiziere u. 6 Mann, quartierte sich im Arbeitszimmer des Obergeschosses ein. Vom 9. Jan. ab hatte Gernsheim durchschnittlich 800 1000 Mann des Er- satz-Bataillons des Thüringer Res.-Inf.-Reg. Nr. 94 als Ein- quartierung. Die Schule stellte der Zahlmeisterei lI, der Bataillonsschreiberei 2 Zimmer im Erdgeschoss zur Ver- fügung, von den Räumen im Untergeschoss wurden 2 den Militärnandwerkern, Schuhmachern und Schneidern, über- lassen. 2 Mann wurden im Garderobezimmer untergebracht.

Da im Sommer der Bahnverkehr unterbrochen oder un- regelmässig war, wurden die auswärtigen Schüler ange- wiesen, mit dem Rade oder zu Fusse zu kommen. Bei schlechtem Wetter gab es dann einige Störungen,

Der Winterfahrplan gestaltete sich dagegen für die Schule ganz günstig, was wir in einem Schreiben an die Eisen- bahn-Direktion Mainz vom 10. November dankbar aner- kannten..

Als am 31. August und am 17. September vormittags nach Beginn des Unterrichtes feierliches Glockengeläute die

grossen Siege an den Masurischen Seen verkündeten, wurde

der Freude freien Lauf gelassen und der Unterricht abge- brochen. 6. Kriegsfürsorge der Schüler.

Nach den erbstferien wurden für die Mädchen wäh- rend der Turnstunden der Knaben freie Strickstunden für's Rote Kreuz eingeführt. Eine Aufsicht wurde dabei nicht geführt, für jede Gabe aber, die an den Direktor abgelie- fert wurde, erhielt die Schülerin eine hübscheFleisskarte mit Empfangsbescheinigung als Andenken.