Es strickten und lieferten ab fürs Rote Kreuz, Ortsaus- schuss Gernsheim:
Elly Adler, Kl. VI: 2 Paar Stauchen u. 1 Paar Schiesshandschuhe. Emma Becker IIIb: 1 Paar Stauchen u. 1 Paar Ohrwärmer. Elise Falkenstein VI: 1 Paar Stauchen.
Marie Hacker IV: 1 Paar Beinlängen u. 1 Paar Fusslängen. Lilly Hoffmann IIla: 1 Leibbinde u. 2 Paar Schiesshandschuhe. Emmy Jockel VI: 1 Paar Kniewärmer.
Ottilie Jung V: 1 Paar Puls- u. 2 Paar Ohrwärmer.
Marie Litters VI: 1 Paar Strümpfe.
Anna Oberndorf V: 1 Strumpfkappe.
Maria Oberndorf VI: 1 Paar Schiesshandschuhe.
Annemarie Petith IV: 1 Paar Stauchen u. 1 Paar Ohrwärmer. Anna Poppenburg IIb: 1 Paar Schiesshandschuhe.
Elisabeth Vettel IIb: 2 Paar Stauchen.
Ilse Wartensleben VI: 2 Paar Stauchen.
Doch stellt dies nicht die Summe der Liebesgaben dar, da einige Schülerinnen auch direkt für eigene Angehörige, die im Felde standen, strickten oder an Vereinigungen ihrer Heimatgemeinde ablieferten.
Die meisten Gaben waren hübsch mit Bändchen um- wunden, zu Weihnachten auch mit kleinen Tannenzweigen geschmückt; manche trugen Widmungen mit der Adresse der Absenderin. Da diese Widmungen immerhin geschicht- liche Zeugnisse dafür sind, mit welchen Gefühlen die Kinder am Kriege Anteil nahmen, lassen wir sie hier folgen.
Den braven tapferen Soldaten, welche draussen für unser geliebtes Vaterland kämpfen, überreiche ich diese Pulswärmer— Stauchen u. a.
(findet sich 4mal.)
Unseren tapferen Soldaten mit einem Gruss!(2mal.)
Wir Kinder spielen nicht mehr, Sondern stricken fürs deutsche Heer, Und beten täglich um den Sieg, Dass bald zu Ende wär' der Krieg.
Eure Arme warm zu halten
Bei dem Winter jetzt, dem kalten, Strickt' ich Euch diese Gabe.
Tragt gesund sie!
Und dass bald'ger Friede komme, Bet ich jetzt jeden Abend.
Gott erhöre meine Wünsche!
Ihr ja dann kommt bald nach Haus.
Es grüsst.... Dass in dieser kalten Zeit Dein Arm stets bleibe kampfbereit Strickt' ich diese Handschuh hier, Heil und Segen sei mit Dir!
Nun ist von Frost der Boden hart,
Voll Eiseszapfen die Tanne starrt,
Und mancher der tapferen Soldaten
Wollt gern etwas Warmes haben.
Drum strickt' ich die Stauchen für einen von Euch, O kämpfet tapfer fürs deutsche Reich
Und machet, dass Ihr werdet siegen
Und wir Kinder oftmals„schulfrei“ kriegen.
Am 1. September erschien am Klassenzimmer der Ober- sekunda folgender Anschlag: Es haben sich die Unterzeich-
neten verpflichtet, bei Klassenarbeiten folgende Beträge zu- gunsten des Roten Kreuzes zu entrichten:
Bei Note I: 50, II: 25, III: 15, IV: 10, V: 5 pfg. Unterschrieben waren sämtliche 6 Obersekundaner.
Als der Direktor diesen Anschlag gewahrte, stutzte er im ersten Augenblick, ob eine solche eigenmächtige Bekannt- machung an der Türe des Klassenzimmers statthaft und ob das ganze Einschätzungs- und Einzugsverfahren pädagogisch einwandfrei sei. Dann aber lächelte er über diese eigenartige Einrichtung und liess der Sache ihren Lauf. Die Quarta erliess bald darauf eine ähnliche Bekanntmachung. Wie er jetzt aus den ihm zur Verfügung gestellten Aufzeichnungen beider Klassen ersieht, lieferte IIa 13.17 Mk. u. IV 9.00 Mk. an das Rote Kreuz ab, eine Sammlung der IIIa ergab 2.83 Mk. Die abgehenden Schüler der IIb überwiesen dem Roten Kreuz 18.— Mk. und schickten dem Schuldiener ein Kistchen Zigarren ins Feld.
Walter Vogel aus Ila und Walter Wollweber aus IV vertrieben in der Schule die Zeitschrift„Weltkrieg“, heraus-
gegeben vom Hilfsverein deutscher Frauen, an 35 Abon- nenten.
7. Ehrentafel der Gefallenen und der mit dem eisernen Kreuze und ähnlichen Orden Ausgezeichneten.
A. Der Gefallenen.
I. der früheren Lenrer:
1. Beno Rohrheimer, israel. Religionslehrer der Schule vom 20. Mai bis 20. Sept. 1913, zugleich früherer Schüler von O. 1895 bis O. 1900, abgegangen mit E.-B., gefallen in den Kämpfen bei Servon vom 22.— 29. Sept. 1914 als. Wehrmann des Res.-Inf.-Reg. Nr. 116.(Amtl. Verlustliste Nr. 135.)
Kurz nur war seine Lehrtätigkeit an hiesiger Schule und. doch erfolgreich und herzgewinnend durch sein offenes, freundlich-frisches Wesen.
2. Dr. Wilhelm Stroh, Lehramtsassessor, von O. 1913. bis O. 1914 zur Fortsetzung seines Vorbereitungsdienstes. hier tätig, gefallen am 3. Okt. als Einjährig-Freiwilliger im Inf.-Reg. Nr. 118.
Bei seinen reichen Gaben und seinem regen Streben— eine kleine Probe hiervon bietet die wissenschaftliche Bei- lage zum Jahresbericht unsrer Schule O. 1914— versprach er eine Zierde unseres Standes zu werden. Seine Doktor- dissertation behandelt die englische Politik im Anfang des. 19. Jahrhunderts, nun fiel er selbst, ein Opfer dieser Poli- tik im Anfang des 20. Jahrhunderts.
II. der früheren Schüler:
1. Adler Frz. Joseph, Lehrer in Biblis(Gernsheim Nr. 15*), gefallen auf Frankreichs Erde Sept. 1914 als Unteroffizier der I. Komp. des Inf.-Reg. Nr. 115.
*) Ort u. Nr. beziehen sich auf das Familien- und Gemeinde- buch der Realschule Gernsheim von 1911, worin die weiteren Personalien zu finden sind.


