— 13— II. Die bei der Anſtalt beſtehenden Stiftungen.
Bei unſerer Anſtalt beſtehen zum Vortheil ihrer ſelbſt oder ihrer Zöglinge verſchiedene Veranſtaltungen, welche wir in der Bezeichnung „Stiftungen“ zuſammenfaſſen und über welche wir in dem Nach⸗ folgenden nach der Reihenfolge, wie ſie entſtanden ſind, kurze Mittheilung machen wolleg.
1. Die Taubſtummen⸗Unterſtützungs⸗Kaſſe.
Die Erwägung,„daß es zur Selbſtändigmachung der, beſonders ärmeren, Taubſtummen weſentlich beitragen würde, wenn ſie ſich in irgend einem Handwerk tüchtig gemacht hätten, vermitteelſt deſſen ſie ſich ſpäter ernähren könnten“ und daß es aus verſchiedenen Gründen wünſchenswerth wäre,„daß die Taubſtummen an dem Anſtaltsort ſelbſt in die Lehre träten und ſo während ihrer Lehrzeit noch unter den Augen ihrer Lehrer und mit ihnen in fortgeſetztem Verkehr blieben“, gab ſchon gleich nach der Verlegung der Anſtalt von Worms nach Friedberg(1837) dem damaligen Direktor derſelben, Prof. Dr. Roller, den Gedanken ein, eine eigene Kaſſe zu gründen, um arme Taubſt. nach ihrer Entlaſſung aus der Anſtalt bei Erlernung eines Geſchäfftes und bei ihrer ſpäteren bürgerlichen Niederlaſſung unterſtützen zu können. Zu dieſem Behufe wurden zuerſt die kleinen Geſchenke, welche bei Be⸗ ſuchen in der Taubſt.⸗Schule gegeben wurden, aufgeſammelt und ſo ein, wenn zunächſt auch ſehr unbedeutendes, Stammkapital gebildet. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt daſſelbe, als die bei der erſten im Jahre 1838 dahier ſtattgehabten Taubſt.⸗Confirmation von dem confirmirenden Geiſtlichen, Prof. Dr. Sell, gehaltenen Predigt und Reden zum Beſten deſſelben in den Druck gegeben wurden und gleich⸗ zeitig auch Se. K. H. der Großherzog Ludwig II. ihm eine reiche Spende zu bewilligen geruhten, ſo daß es, als im Jahr 1840 die Taubſt.⸗ Anſtalt in Bensheim von der unſrigen abzweigte, ſchon fl. 646. 5 kr. betrug, welche Summe dann zwiſchen beiden Anſtalten gleichmäßig vertheilt wurde.
Im Jahre 1841 wurde von den oberſten Behörden auf ge⸗ ziemendes an ſie gerichtetes Erſuchen geſtattet, daß in allen ev. und kath. Kirchen am 12. p. Tr. reſp. 11. Sonntag nach Pfingſten und in allen Synagogen(wobei die Provinz Oberheſſen und die rheinh. Kreiſe Alzey und Worms nach Friedberg, die Prov. Starkenburg aber und die Synagogen der Kreiſe Bingen und Mainz nach Bensheim getheilt wurden) für die Taubſt.⸗Unterſt.⸗Kaſſe Kollekten erhoben, zugleich aber auch im ganzen Lande Beiträge von 30 kr. und mehr geſammelt wurden, und durch beide Veranſtaltungen ſind, nachdem noch beſondere Aufrufe Roller's und des Schreibers, ſowie auch des Rabbiners Dr. Levi zu Gießen im Lande verbreitet worden waren, ſehr reiche Gaben eingekommen.


