durch Referendar Wallschmidt vertreten werden. Pfarrkurat Erker wurde durch Kaplan Frei- herrn Gedult von Jungenfeld ersetzt. 1912 trat Assessor Dr. Riedel an Stelle von Assessor Finck und Lehrer Kreutzer an Stelle des Dr. Lotz. Den ev. Religionsunterricht übernahm seit 1913 Pfarrer Ritter. Frl. Arendt wurde 1908 und 1912 zu längerem Studienaufenthalt in Frankreich beurlaubt und das einemal 2 Monate, vom Kollegium, das andremal 6 Monate von Frl. Mathilde Naumann aus Darmstadt vertreten Das Kollegium vertrat auch 1910 Frl. Birnbaum während eines 5wöchentlichen Studienaufenthalts in der französischen Schweiz und Herrn Kreutzer 1913 wegen Teilnahme an einem Zeichenkursus in Alzey. Die Assessoren Schlörb und Riedel wurden wegen militärischer Uebungen, ersterer durch Frl. Ender, letzterer durch Assessor UIl- mann 1912, durch Assessor Stein 1913 vertreten.
Neben die Schularbeit traten kleinere und grössere Spaziergänge, Wanderungen nach Wandervogelart und 1913 auch einmal eine viertägige Reise der ersten Klasse in den Schwarzwald, ferner Spiele oder im Winter Eislauf auf der Seewiese, Besichtigungen benachbarter Kunst- stätten und Fabrikbetriebe sowie grössere Schulfestlichkeiten, letziere besonders am Schluss des Schuljahrs bei Entlassung der Schülerinnen der obersten Klasse. Es kamen dabei zur Auf- führung 1906»Der Lenz in Sang und Klang-, 1907»Dornröschen-, 1908 Stücke aus der Kantate »Alpenreise⸗ von Rudolf Krenger, 1900»Waldmeister und Rebenblütes, nach Roquettes Werk in Musik gesetzt von Klughardt, 1911»Die Zwerge im Hübichenstein« von Klages, 1912-König Drosselbart« von demselben. Die Schlussfeier 1910 war dem Gedächtnis Schillers, die 1913 der Erinnerung an die Befreiungskriege gewidmet. Bei der Feier des 25 jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers beteiligte sich die Schillerschule an den allgemeinen Weittspielen auf der Seewiese und gewann 47 Preise. Die Klassen I—IV führten bei dieser Gelegenheit einen grossen Reigen auf,
Wie durch die Wanderungen und Spiele und durch die Einführung des Milchfrühstücks wurde auch durch andere Massnahmen, durch Kontrolle der Arbeitszeiten und durch hygienische Belehrungen auf die Gesundheit der Schülerinnen Bedacht genommen. Die 1912 von Professor Dr. Brüning-Giessen vorgenommene Untersuchung ergab für Rückgratverkrümmungen in unserer Schule günstige, unter dem Durchschnitt stehende Ziffern(8,9% gegen 9,9% ganze und 4% gegen 5,4% seitliche Verbiegungen).
Zur Bekämpfung der Schundliteratur diente die Austeilung von Verzeichnissen emp- fehlenswerter Jugendschriftten und die regelmässig weiter ausgebaute Schülerinnenbibliothek. Zur Blumenpflege wurde seiteus des Obst- und Gartenbauvereins angeregt, der Blumensetzlinge verteilte und die bestgepflegten Stöcke im Herbst mit Preisen auszeichnete.
So ist unsre Anstalt seit ihrer Gründung gewachsen an Zahl der Lehrkräfte und der Schülerinnen, der Aufgaben und der Räumlichkeiten. Sie ist hineingewachsen in die Anschauungen einer neuen Zeit, die der Mädchen- und Frauenbildung ein vertiefteres Interesse entgegenbringt. Mitten in solchem Wachstum traf sie das Kriegsjahr 1914. Der Sommer verlief zunächst noch in der gewohnten Ordnung des Friedens. Im Mai beteiligten sich die Schülerinnen an der grossen Sammlung für das rote Kreuz, zu dessen Ausschuss auch Professor Weissgerber gehörte. Für den Herbst erwartete man das Kaisermanver in unserer Gegend. Niemand ahnte, dass aus jener Vor- bereitung des roten Kreuzes und aus diesem Manöver sobald blutiger Ernst werden sollte. Die Mobilmachung fiel in den Schluss der Sommerferien, die infolgedessen noch bis zum 8. August aus- gedehnt werden mussten. Die Assessoren Riedel und Schlörb wurden sofort zur Fahne einbe- rufen, ersterer als Leutnant im Res.-Inf-Reg. 116, mit welchem er die Schlachten in der Gegend von Sedan mitmachte, letzterer als Leutnant im Res.-Inf.-Reg. 242 mit dem er vor Geluvelt bei Vpern kämpfte. Er wurde verwundet, kehrte eine Zeitlang nach Deutschland ins Lazarett und in den Gar- nisondienst zurück, um dann im Februar 1915 zum zweiten Mal ins Feld zu ziehen. Auch der für Dr. Riedel zum Vertreter bestellte Assessor Schmidt wurde sogleich eingezogen. Am 28. August trat Frl. Huth als Ersatz für Assessor Schlörb ein, am 4. Nov. Assessor Dr. Stichel für Dr. Riedel, aber auch er wurde am 5. Dez. eingezogen. Herr Weckerling-Friedberg half einmal 14 Tage, der Bruder von Frl. Huth, Lehramtsreferendar Dr Huth 6 Wochen unentgeltlich aus. Auch der letztgenannte trat dann in's Heer ein Frl. Naumann tat als Pflegerin im Lazarett Dienst und wurde durch Frl. Schäfer bis Weihnachten vertreten. Unglücklicherweise erkrankte in dieser Zeit auch der Leiter der Anstalt und so konnte der Schulbetrieb zeitweise nur notdürftig aufrecht


