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IV. Das erste Jahrzehnt der Schillerschule.
Es ist eben keine Zeit zum jubiläenfeiern, aber ein abgeschlossenes Jahrzehnt drängt doch wohl zu einem kurzen Rückblick wie zu einer Art Rechenschaft und wie zu einer Willensstärkung für die Zukunft. Das Schillerjahr 1905 gab unserer Schule Leben und Namen. Die allgemeine Schillerfeier auf dem Burgplatz war zugleich die Einweihungsfeier für sie. Unter Leitung des. Musikdirektors Schmidt trugen die vereinigten Männerchöre und der Seminaristenchor Kompositionen Schillerscher Werke vor. Behörden und Bürger, Schulen und Vereine hatten sich zusammenge- funden. Der Leiter der neugegründeten Anstalt, Rektor Balseri), hielt die Festrede, und die Schülerinnen Emy Georgi und Ferdinande Staus bekränzten die Schillerbüste. Mit 161 Schülerinnen- wurde dann die Arbeit begonnen Die Zahl stieg inzwischen auf über 200. Dem Lehrerkollegium gehörten ausser dem Leiter an: Lehrer Reinheimerꝰ), die Lehrerinnen Frl. Frank, Frl. Nau- mann²), Frl. Feder²), Frl. Feller²) und für den Religionsunterricht Pfarrer Kleberger, Pfarr- kurat Erker und Lehrer Ehrmann. Schuldienerin wurde Frau Wwe. Spiess. Der Lehrplan war der der ausgebauten höheren Mädchenschule mit Anschluss an die Viktoriaschule in Darmstadt und die höhere Mädchenschule in Mainz. Für die äussere Verwaltung der Schule wurde ein Kura- torium aus dem Bürgermeister der Stadt, dem Leiter der Anstalt und 5 gewählten Mitgliedern bestellt.
In einem der alten Burgmannenhäuser unmittelbar neben dem mächtigen Adolfsturm fand die neue Schule ihr Heim. Zwischen dem Hause und der eupheuüberwachsenen Burgmauer liegt der Schulhof. Ueber die Mauer hinüber blicken die Fenster des oberen Stockwerks an der Nord- seite weit ins Land hinaus über die fruchtbaren Felder der Wetterau zu den waldigen Hängen des Taunus nach Bad Nauheim hinüber. Vor der sonnigen Südseite, zwischen Burgkirche und Wasser- turm, breitet sich der Burgplatz mit seiner malerischen Umrahmung aus.
Schon gleich im ersten Jahre riss der Tod in das Lehrerkollegium eine Lücke, Frl. Frank. erlag am 10. August einem Nierenleiden. Ihre Nachfolgerin, Frl. Wörrishofer, schied krankheits- halber mit dem Ende des Jahres aus dem Schuldienst aus. An ihre Stelle trat Frl. Aren dtzH).
1906 trat der Lehrer Wilh. Bock ⁴4) zu den vorigen hinzu, wodurch die teilweise Trennung der Klassen IIla und IIlb ermöglicht wurde. Die völlige Trennung, sowie die Trennung von lla und IIb und die Vermehrung der Unterrichtsstunden im Deutschen(in VI um 2, V und IV um je eine Stunde) und im Französischen(in IIIb um eine Stunde) erfolgte im Jahr 1908, als Referendar Laufersweiler mit der Verwaltung einer akademischen Lehrerstelle beauftragt wurde. In dem gleichen Jahre trat an Stelle des bisherigen Leiters, der die höhere Mädchenschule in Alzey über- nahm, der jetzige Leiter, Professor Weissgerber. An Frl. Feders Stelle trat Frl. Birnbaum.
Im Schulgebäude und dem einstöckigen Nebengebäude am Schulhof wurden Bauarbeiten unternommen, um hier einen Versammlungssaal, dort 4 Schulräume und eine Erweiterung des Physiksaals zu gewinnen. Auch die Verabreichung eines warmen Milchfrühstücks wurde dadurch, ermöglicht, an welchem sich namentlich im Winter mehr wie die Hälfte der Schülerinnen beteiligten. Im Oktober 1910 trat Referendar Schlörb an Stelle des Herrn Laufersweiler.
Das folgende Jahr brachte die Einführung der Mädchenschulreform. Zu diesem Zweck wurde unser Kollegium noch um den Assessor Finck vermehrt. Nun konnte der Rechenunter- richt in VI bis IV von 3 auf 5 Stunden erhöht und der Mathematikunterricht in IIla und IIIb ein- geführt werden. Der naturkundliche Unterricht in letzteren beiden Klassen wurde um je 1 Stunde vermehrt. Der Unterricht in Nadelarbeiten wurde für die oberen Klassen wahlfrei, von den Schü- lerinnen aber trotzdem eifrig benutat.
Wieder forderte der Tod ein Mitglied des Kollegiums ab. Herr Wilhelm Bock erlag am 25. November 1911 einem Schlaganfall, nachdem der 5 1jährige noch am Tage zuvor in gewohnter Weise seinen Unterricht gehalten hatte. Seine Stelle wurde bis zum Schluss des Schuljahres von Lehramtsaspiranten Dr. Lotz verwaltet. Assessor Schlörb musste eine zeitlang krankheitshalber-
¹) Personalien s. Jahresbericht 1905 S. 3.
2²) Personalien ebenda S. 4.
³) Personalien ebenda S. 5.
¹) Personalien s. Jahresbericht 1906 S. 3 /. Jahresbericht 1911 S. 4.


