Jahrgang 
1912
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IIIb von 30 auf 33, in IIla von 31 auf 34 und in IIb und Ila von 32 auf 33 Stunden. Die auf die Nachmittage entfallenden Stunden waren lediglich Turn- und Singstunden und 1 Nadelarbeit. Durch diese und einige andere Massnahmen glauben wir der Gefahr einer allzustarken Belastung der Schülerinnen vorgebeugt zu haben.

Vor Weihnachten wurde zur Erleichterung für die Eltern, die ihre Kinder mit einem guten Buche beschenken wollten, jeder Schülerin der Klassen VI-IIb dasVerzeichnis empfehlens- werter Jugendschriften, zusammengestellt von den deutschen Prüfungsausschüssen, ausge- händigt und an dessen Hand eine grössere Anzahl von Jugendschriften namhaft gemacht.

Das Milchfrühstück musste im Sommer infolge des allgemeinen Milchmangels ausge setzt werden, im Winter nahmen etwas über 100 Schülerinnen daran teil.

2. Personalangelegenheiten. Die Erteilung des katholischen Religionsunterrichts übernahm mit Beginn des Schuljahres anstelle des zuerst ernannten Herrn Kaplan Krämer Herr Kaplan Freiherr Gedult von Jungenfeld. Die neugeschaffene Lehrerstelle wurde durch Verfügung vom 28. September Herrn Lehramtsassessor Fritz Finck aus Giessen übertragen. Am l. Oktober wurde Herr Lehramtsreferendar Schlörb zum Lehramtsassessor ernannt. Einen schweren Ver- lust erlitt die Schule im abgelaufenen Jahre durch den Tod des Herrn Lehrers Wilhelm Bock, der allen unerwartet im besten Mannesalter am Nachmittag des 5. November, nachdem er noch am Tage vorher in gewohnter Weise unterrichtet hatte, einem Schlaganfall erlag. Nachdem er 7 Jahre an der Musterschule in Friedberg tätig gewesen war, war er am 27. April 1906 in das Lehrerkollegium der Schillerschule eingetreten. Ausgestattet mit reichem Wissen und grossem Lehrgeschick widmete er seine ganze Arbeitskraft dem Dienste der Schule. Mit grosser Gewissenhaftigkeit und peinlicher Genauigkeit, aber auch mit Freudigkeit und Liebe hat er stets seines Amtes gewaltet. Dem tüch- tigen Lehrer, dem Manne mit dem lauteren Charakter und dem goldenen Herzen, dem treuen, immer hilfsbereiten Freunde wird die Schule ein dankbares Gedächinis allezeit bewahren! Dem Heim- gegangenen, der früher geäussertem Wunsche entsprechend in der Heimat die letzte Ruhestätte ſinden sollte, gaben wir mit vielen anderen am Vormittag des 8. November vom Trauerhause bis zu unserer Schule das Geleite, wo der Unterzeichnete in einer Ansprache der Trauer der Schule Ausdruck gab und ein Bild von dem gesegneten Wirken des Verstorbenen entwarf. An der Bei- setzung, die am Nachmittag desselben Tages in Münzenberg stattfand und die Zeugnis ablegte von der hohen Wertschätzung, die der Verstorbene auch in weiteren Kreisen der Bevölkerung genoss, nahmen das Lehrerkollegium und Abordnungen aller Klassen der Schule teil. Mit der Verwaltung der durch diesen Todesfall erledigten Stelle wurde bis zum Schlusse des Schuljahrs Herr Lehramts- aspirant Dr. Lotz aus Langen durch Verfügung vom 10. November beauftragt. Vor den Weih- nachtsferien musste leider Herr Lehramtsassessor Schlörb zur Wiederherstellung seiner Gesund- heit bis zum Schlusse des Schuljahrs beurlaubt werden. Zum Vertreter für diese Zeit wurde durch Verfügung vom 22. Dezember Herr Lehramtsreferendar Wallschmitt aus Heppenheim ernannt. Zu unserem Bedauern wird Herr Lehramtsassessor Finck am 1. April uns verlassen, um eine Oberlehrerstelle an der Realschule zu Nordenham in Oldenburg zu übernehmen. Herr Dr. Lotz, den wir ebenso ungern scheiden sehen, wird am 1. April eine Oberlehrerstelle am Lyzeum in Bochum übernehmen.

3. Gesundheitliches. Einen Ueberblick über die Zahl und die Art der Erkrankungen bei den Schülerinnen gibt die nachstehende, in dankenswerter Weise von Herrn Lehrer Rein- heimer bearbeitete Tabelle. Danach erstreckte sich über die Hälfte aller Versäumnisse nicht über 1 Woche und 84,2%(im Vorjahr nur 80,6) aller Erkrankungen waren leichterer Art. Erkrankungen infektiöser Art kamen nur 9 gegenüber 21 im Vorjahr vor.