Jahrgang 
1912
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A. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Allgemeines. Zu Beginn des Schuljahres wurden 26 Schülerinnen, davon 21 in Sexta (gegen 34 im Vorjahr) neu aufgenommen. Der Bestand am Antfang wies 195 Schülerinnen(gegen 200 im Vorjahr) auf. Im Laufe des Schuljahres traten 2 Schülerinnen ein, sodass eine Gesamt- zahl von 197 erreicht wurde, gegenüber 212 im Vorjahr. Der Bestand am Schlusse des Schul- jahres ist 191(gegen 200 im vorausgegangenen Schuljahr).

Das Schuljahr wurde am 24. April mit einer kurzen Feier eröffnet.

In den ersten Wochen des Schuljahres wurde uns eine Schülerin durch den Tod entrissen, Luise Wallmann aus Bad-Nauheim, die nach langem Krankenlager im kaum begonnenen 11. Lebens- jahr am 4. Juni, am 1. Pfingsttage, an den Nachwirkungen einer Masernerkrankung verschied. Da der Feiertage wegen die Benachrichtigung zu spät eintraf, konnte die Schule leider an der Bei- setzung der Schülerin, die sich stets durch musterhaften Fleiss und gutes Betragen ausgezeichnet hatte, nicht teilnehmen. Am 13. Juni legte die Quinta, der sie angehört hatte, mit ihrem Klassen- führer Herrn Bock einen Kranz an ihrem Grabe auf dem Friedhof in Bad-Nauheim nieder.

Unsere im letzten Jahresbericht ausgesprochene Hoffnung, dass bald an unserer Schule durch Anstellung eines akademischen Lehrers für Mathematik und Naturwissenschaften der reformierte Lehrplan der höheren Mädchenschulen eingeführt und sie dadurch den 5 höheren Mädchenschulen Hessens gleichgestellt werden mõöchte, wurde noch in diesem Schuljahr erfüllt. Nachdem sich das Kuratorium am 3. Juli für die Einführung der Reform bereits vom Winterhalbjahr 1911 ab ent- schieden hatte, wurde von der Stadtverwaltung am 6. Juli die Errichtung einer weiteren akademischen Lehrerstelle beschlossen und von der obersten Schul- behörde genehmigt. Die Schaffung der neuen Stelle hatte allerdings eine Erhöhung des Schul- geldes zur Folge, bezw. zur Voraussetzung, in dem Umfange, dass die Kosten der Stelle dadurch ungefähr aufgebracht werden. Eine grundsätzliche Erhöhung erschien gerechtfertigt, weil die meisten Schulen schon längst höhere Sätze eingeführt haben und durch die Einführung der Reform eine erhöhte Leistung der Schule geboten wird.

Aus dem neuen Lehr- und Stundenplan, der nach den Herbstferien in Kraft trat und durch Verfügung Grossh. Ministerialabteilung vom 1. November genehmigt wurde, seien folgende wesent- lichen Punkte hervorgehoben: Der Rechenunterricht, der in Kl. VI-IV bisher 3 Stunden umfasste, wurde für diese Klassen auf 5 Stunden erhöht; er soll künftig in Kl. IV im wesentlichen abgeschlossen sein. Die Mathematik wurde nicht nur in Kl. IIIb, sondern gleichzeitig auch in Kl. IIIa eingeführt und mit Rücksicht darauf, dass der Unterricht erst im Winterhalbjahr begann, statt der im Reformlehrplan geforderten 4 Stunden für den gesamten mathematischen Unterricht (Rechnen, Geometrie, Algebra) 5 Stunden angesetzt. In Kl. IIb und Kl. Ila konnte naturgemäss der mathematische Unterricht nicht mehr eingeführt werden, es wurde nur 1 Stunde Geometrie zu- gefügt. Der naturkundliche Unterricht wurde in den Klassen IIlb und IIla um je 1 Stunde vermehrt(3 statt 2). Durch die Schaffung der neuen Stelle konnten ferner 2 Klassen im Singen und die Klassen Ila und IIb in Zeichnen und Nadelarbeit getrennt werden. Der Unterricht in Nadelarbeiten blieb im Winterhalbjahr noch verbindlich, vom nächsten Schuljahr ab wird er wahlfrei. Die wöchentliche Stundenzahl erhöhte sich in Kl. V und IV von 30 auf 31, in