Jahrgang 
1926
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Die Feier der 75 jährigen Wiederkehr der Neubegründung der Anſtalt.

Am 17. Oktober 1850 wurde die Friedberger Realſchule begründet, aus der ſich die gegen⸗ wärtige große Doppelanſtalt entwickelt hat. Die in der Reformationszeit(1543) unter Mit⸗ wirkung Philipp Melanchthons begründete Tateinſchule hatte unter wechſelnden Schickſalen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fortbeſtanden. Hier hatte ſie aber einen ſolchen Tiefſtand erreicht, daß ſie im Jahre 1839 mit der Volksſchule zu der gemeinſamenMuſterſchule, alſo einer vollkommenen Einheitsſchule vereinigt wurde, die Volksſchul⸗ und höhere Bildung zuſammen vermitteln ſollte. Das erwies ſich aber bald als eine Unmöglichkeit und führte zur Toslöſung und Wiederbegründung der alten Tateinſchule in der Geſtalt einer Realſchule, an der aber auch TCateiniſch und Griechiſch unterrichtet wurde. Sie wurde die Mutteranſtalt der beiden Vollanſtalten, aus denen die Auguſtinerſchule gegenwärtig beſteht. Aus der alten Realſchule entwickelte ſich zu⸗ nächſt eine neue ohne altſprachlichen Unterricht und ein Progymnaſium, das letztere baute ſich Oſtern 1899 zum Gymnaſium, die erſtere 1923 zur Oberrealſchule aus.

Zur Feier der 75 jährigen Wiederkehr der Neubegründung der Anſtalt fand am 17. Oktober 1925 eine öffentliche Schulfeier ſtatt, in der nach der Begrüßung und nach dem Vortrag eines ſelbſtgedichteten Prologes durch den Realunterprimaner Erich Milius für die Stadt Frieoberg der Beigeoronete Geheimer Juſtizrat Dr. Windecker, im Namen der Frieoͤberger Schulen Oberſtudiendirektor Philipps, beide ehemalige Schüler der Anſtalt, ſprachen. Die Feſt⸗ rede hielt Studienrat Prof. Dr. Blecher, der einen Ueberblick über die Entwicklung der Schule ſeit ihren erſten Anfängen gab. Sie wurde durch denOberheſſiſchen Anzeiger abgedruckt, der in der gleichen Nummer einen AufſatzSchulerinnerungen aus der Gründungszeit der Real⸗ ſchule vom Geheimen Medizinalrat Dr. H. Weckerling, einem der älteſten unſerer

Ehemaligen, veröffentlichte. Auch hier war die Feier durch Darbietungen der Inſtrumental⸗ klaſſe umrahmt.

Die Yereinigung ehemaliger Auguſtinerſchüler, aus deren Vorſtand die Anregung zur Be⸗ gehung des Tages ergangen war, feierte das Ereignis gleichfalls durch Veranſtaltung eines öffentlichen Feſtabendès, der eine Begrüßungsanſprache des Vorſitzenden der Vereinigung, muſi⸗ kaliſche Darbietungen und die von Tehrer Heinrich Bitſch in Szene geſetzte Aufführung eines Fulda'ſchen Luſtſpieles brachte.

Kunſtpflege, Schulfeiern, Vorträge, Beſuch von Theatern u. Sammlungen.

Schülerkonzerte, die von den Schülern nachmittags, von den Freunden der Anſtalt abends beſucht wurden, fanden 1925/26 im ganzen acht ſtatt. Das erſte Konzert(das 34. der geſamten Reihe) bot Klaviertrios von Hill und Rob. Kahn. Im zweiten(35.) ſpielte Konzertmeiſter Lenzewski jetzt in Nürnberg) Violinſonaten von Biber, Bach, Mozart und Schubert. Ein drittes Konzert(36.) wurde von dem Hagen⸗Düſſeldorfer YVokalquartett mit Tiedern, Duetten und Brahms' Tiebeslieder⸗Zyklus beſtritten, während im nächſten(37.) Schubert in Tiedern und den großen Violinſonaten op. 162 und op. 137 zum Worte kam. Ein Schallplatten⸗ vortrag mit Begleitworten des Aſſeſſors Dr. Uſinger⸗Offenbach a. NI. ſchloß ſich als nächſte Yeranſtaltung(38.) an. Im 6. Konzert(39.) ſpielte Solocelliſt Vöße die beiden großen Sonaten op. 2 und op. 69 von Beethoven. Ein Arienabenò(40. Schülerkonzert) mit Arien aus modernen Opern(Puccini) brachte auch moderne Klavierſoli(Rachmaninoff). Im achten und letzten(41. Konzert) bot die Inſtrumentalklaſſe Orcheſtertrios in ſtärkerer Beſetzung, mit Konzert⸗ meiſter Hock⸗Frankfurt als Führer der Geigen. Die Klavierbegleitung in allen Konzerten beſorgte der Leiter der Schülerkonzerte, Prof. Dr. Schmidt.

Auch die Schillerſchule veranſtaltete am 23. Mai in unſerer Feſthalle ein Schüler⸗ konzert, an dem die Mittel⸗ und Oberklaſſen beider Anſtalten teilnahmen. Der Sänger Walter Sſturm aus Frankfurt a. M. trug die Müllerlieder von Franz Schubert vor, verbindende Worte ſprach unſer Oberprimaner Andreas Tucius. Die Geſangsdarbietungen waren durch inſtrumentale des Studienrats Dr. Riedel(Violine) und des Oberreallehrers Schieferſtein (Flügel) von der Schillerſchule umrahmt. Auch ſie brachten Stücke von Schubert zu Gehör.