Jahrgang 
1926
Einzelbild herunterladen

21

Die im vorhergehenden Jahre eingerichteten Vortragsübungen der Schüler wurden auch im laufenden abgehalten. In der erſten, am Schluſſe des Sommerhalbjahres, in der Schüler der Gymnaſialprimen, ſämtlicher Unterſekunden und Quarten auftraten, ſtand der Rhein im Mittelpunkt. Auch die umrahmenden muſikaliſchen Darbietungen waren auf dieſen Gedanken eingeſtellt. Die zweite vor den Weihnachtsferien brachte Gedichte von Mörike, Tiliencron und Meyer und in ihrem letzten Teil Weihnachtsgedichte. Den Vortrag hatten Schüler der Real⸗ primen, ſämtlicher Obertertien und Quinten übernommen. Die muſikaliſchen Darbietungen boten die Inſtrumentalklaſſen. Vor dem letzten Teil ſangen Schülerinnen der Realprimen und Oberſekunden drei Weihnachtslieder von Peter Cornelius. Die letzte Uebung iſt gegenwärtig in Vorbereitung. Sie ſoll die übrigen Klaſſen beſchäftigen. Die Leitung lag in Händen des Prof. Dr. Schmidt, den Aſſeſſor Lehn unterſtützte.

An Schulfeiern hatten wir im verfloſſenen Schuljahr außer den erwähnten eine Ver⸗ faſſungsfeier am 19. Aug., eine Feier zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen am 21. Nov. und die Entlaſſungsfeier der Abiturienten am 5. März. Bei der Verfaſſungsfeier ſprach Studienrat Bentz über die Bedeutung der Yerfaſſungen für das Staatsleben. Der VYortrag ging aus von der Frage der nationalen Feiertage und wies anſchließend auf die Notwendigkeit der Erziehung zum deutſchen Staatsbewußtſein hin. Im zweiten Teil wurde die Stellung des deutſchen YVolkes zur Weimarer Verfaſſung gekennzeichnet, wie ſie iſt und wie ſie ſein könnte. Den Schluß bildeten Ausführungen über Vaterland und Freiheit. In der Feier zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen erzählte Studienrat Prof. K. K. Schaum ſeine Kriegserlebniſſe während des Vormarſches von Temberg bis zur Jaſiolda, gab damit ein anſchauliches Bild von den Taten und Leiden unſerer Krieger im Weltkrieg und weckte in den Herzen der Schüler das Gefühl der Bewunderung und Dankbar⸗ keit allen denen gegenüber, die in dieſer Notzeit für unſer Volk das Teben einſetzten oder opferten. Die gemeinſame Entlaſſungsfeier der Abiturienten des Gymnaſiums und der Oberrealſchule verlief in üblicher Weiſe. Der Klaſſenführer der Realoberprima, Prof. Dr. Molz, hielt die Rede, in der er den Einfluß des Schriftlateins auf die franzöſiſche und engliſche Sprache behandelte und die Realabiturienten eindringlich auf das Studium der lateini⸗ ſchen Sprache hinwies.

Es fanden folgende Vorträge in der Schule ſtatt, die für die Schüler gehalten wurden oder zu denen ſie eingeladen waren: Am 9. Mai ſprach Pfarrer Dr. Schroeder von der Oſtaſien⸗Miſſion überJapan, Land und Teute, Kultur und Religion für die Schüler der Certien, Sekunden und Primen. Am 20. Mai erklärte ein thüringiſcher Glasbläſer den Schülern der Sexten, Quinten und OQuarten ſeine Kunſt. Am 25. Nov. trug der Vortrags⸗ künſtler Dr. Ceonharò Blaß, ehemaliger Amtsgenoſſe und rheinheſſiſcher Tandsmann, den Schülern der Obertertien bis Primen Balladen von Goethe, Schiller, Liliencron, Tienhard, Münchhauſen in muſterhafter Weiſe vor. Am 11. Dez. waren die Schüler der Mittel⸗ und Oberklaſſen zu dem vom Geſchichtsverein veranſtalteten Vortrag Dr. Richters überdie alt⸗ ſteinzeitliche Höhlenſiedelung bei Trais a. 8. Cumbda eingeladen, und am II. Febr. beſuchten ſie einen vom Kreisfürſorgeamt veranlaßten Vortrag Dr. Sells über die Gefahren der Tuber⸗ kuloſe, der im großen Hörſaal des Polytechnikums gehalten wurde.

Der Beſuch von Kunſtſtätten, theatraliſchen Vorführungen und techniſchen An⸗ lagen erfolgte mannigfach. Yon den beiden Oberprimen wurde eine Aufführung der NMeiſter⸗ ſinger Wagners im Frankfurter Opernhaus beſucht, von den drei Anterſekunden eine ſolche von Schillers Tell im Schauſpielhaus. Die 2a, nahm an einer Aufführung der Minna von Barn⸗ helm im Gießener Stadttheater teil. Schüler der Oberklaſſen beſuchten mehrfach die Konzerte des Kurorcheſters zu Baè⸗Nauheim. Die Spielgruppe der Vereinigung ehemaliger Auguſtiner⸗ ſchüler bot den Mittel⸗ und Anterklaſſen eine Wiederholung des am Feſtabend des Auguſtiner⸗ ſchultages aufgeführten Einakters in Darmſtädter MundartDer Kaktusfreund. Eine Kärntner Gruppe des Bereins für das Deutſchtum im Ausland veranſtaltete für die Anſtalt eine Nach⸗ mittagsvorſtellung, in der ſie Proben ihrer Volksgeſänge gab, und in der ihr Führer, der Kärntner Dichter Perkonig, begeiſternde Worte an unſere Schüler richtete. An einer öffentlichen Weihnachtsfeier der Schillerſchule nahmen unſere Schüler zahlreich teil. Die Darbietungen be⸗ lehrender Filme und Vorträge(Hermannslauf,Rhönfilm,Seefahrt iſt not) unterſtützten wir durch Empfehlung des Beſuchs. Anſere ſchöne gotiſche Tiebfrauenkirche, Muſeum und