katholischen Gottesdienst auf die St. Leonhards- und Liebfrauenkirche beschränkte, schienen die Stiftsschulen dem Untergange geweiht...
1547 aber nimmt sich der Rat der kümmerlich vegetierenden Stiftsschulen wieder an und gibt ihnen Deputierte bei, welche darauf sehen sollten, daß die Pfaffenschulen in wesentlichem Gang bleiben und die Kinder darin fleißig zur Lehre angehalten würden..
Wegen der nur noch geringen Zahl der Katholiken wurden aber die St. Leonhards- und Liebfrauenschule ge- schlossen. Heißt es doch in einem Schriftsatze, den der Rat seinem Vertreter auf dem Augsburger Reichstage 1566 mitgab, daß die Stiftsschulen von St. Leonhard und Liebfrauen„viel Jahre herr“ außer Betrieb waren.„
Alle katholischen Schüler und Schülerinnen wurden in der Kinderschule der Domstiftsschule im Arnsburgerhof vereinigt..;
Neben dieser Volksschule des Domstiftes bestand auch die für den Nachwuchs bestimmte Trivialstiftsschule wei- ter, doch sagt der gleiche Ratsbericht, daß„in der St. Bartholomäus-Stiftsschule nur wenig Jungen allein zum Chor und Pappisterei instituiert wurden.“
So überstand die Domstiftsschule in ihren beiden Abteilungen die für sie schwersten und für ihren Bestand ge- fährlichsten Zeiten, ja sie erlebte sogar vorübergehend einen Aufschwung. Auf Betreiben des eifrigen Stiftsdechanten Latomus übernahmen im März oder April 1566 zwei Jesuiten die Stiftsschule, die nach seinen Angaben beim Magistrat einmal„in Theologicis und sonst guten Künsten unsere jungen Stiftspersonenunterweisen, aber auch die Kinderschule dabei regieren und versehen mögen.“
Die Zahl der Stiftsschüler wuchs schnell auf 50, und die Konkurrenz der von den Jesuiten geleiteten St. Bartho- lomäusstiftsschule bewirkte eine Verordnung des Rats, daß auch im Städtischen Gymnasium bessere Ordnung gemacht und die Jugend fleißiger instituiert werde.
Der von den beiden Jesuiten durchgeführte Lehrplan war der der Trivialschule, von allem also lateinische Gramma- tik und Lektüre lateinischer Schriftsteller.
Leider wurden die Jesuiten 1567 von ihren Ordensobern wieder abberufen.
Daß die Domstiftsschule auch in den folgenden ernsten Zeiten, selbst des 30 jährigen Krieges, weiterbestand, er- sehen wir aus einem Visitationsreglement der vorgesetzten erzbischöflichen Behörde in Mainz für das Bartholomäus- stift vom Jahre 1655. In dem Artikel 14 desselben wird auf die Unterweisung der Jugend hingewiesen als die Grund- lage für das Wohl des einzelnen und des Staates, als die Grundlage, auf der das Heil und die Lauterkeit der Kirche beruht.
1749 ließ Kurfürst Friedrich Karl die Engl. Fräulein aus Fulda kommen und gab ihnen den Unterricht für die Mädchen, die inzwischen auch Aufnahme in die Kinderschule des Stiftes gefunden hatten. Die Domstiftsschule war nunmehr wieder nur für die Ausbildung von Knaben bestimmt.
1783 nahm Kurfürst und Erzbischof Joh. Fr. Karl von Erthal mit der Domstiftschule eine umfassende Reform vor, mit der er den letzten Scholastiker Molinari betraute.
Gegründet ursprünglich als geistliche Schule zur gesamten Ausbildung der geistlichen Stiftsherrn, die im Laufe der Zeiten durch die„Kinderschule“ für alle Kinder des Volkes erweitert wurde, erhielt die Domstiftsschule von ihm in klarer Trennung und Prägung den Doppelcharakter als höhere Schule und Volksschule, den sie im Mittelalter all- mählich erhalten hatte, der aber in den letzten zwei Jahrhunderten sich offenbar mehr oder weniger verwischt hatte. Neben die Volks-Stiftsschule trat die Real-Stiftsschule. Die Unterrichtsfächer der Realschule, die am 2. Januar 1783 eröffnet wurde, waren Religion, Deutsch, Französisch, Latein, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Schreiben. Das Bartholomäusstift mußte ein geräumiges Schullokal bereitstellen. Die Kapuziner hatten den französi- schen Lehrer, die Karmeliter die übrigen Lehrer zu stellen.
1790 begründete der gleiche Kurfürst ein aufblühendes katholisches Gymnasium, das nach ihm Fridericianum hieß.
So hatten Frankfurts Katholiken am Ende des 18. Jahrhunderts 3 blühende kirchlic he Knabenschulen:
1. die Volksschule des Domstifts, 2. die Realschule des Domstifts 3. das Gymnasium Fridericianum.
Da kam das Jahr 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluß, der der Stadt Frankfurt zwar das Recht gab, alle geistlichen Güter innerhalb der freien Reichsstadt einzuziehen, jedoch sie verpflichtete, die bestehenden katho- lischen Schulen zu erhalten.
Die Domstiftsschulen, und zwar die Volksschule, sowie die Realschule wurden nebst dem Gymnasium Friderici- anum nunmehr weltliche Schulen der katholischen Gemeinde, deren Unterhaltung der Stadt auf Grund des einge- zogenen Kirchenvermögens oblag.
1808 trennte die Fürstlich Primatische Spezialkommission die Realschule der ehemaligen Domstiftsschule von die-
ser ab und vereinigte das katholische Gymnasium mit der katholischen Realschule zu einer Doppelanstalt.
1810 wurde das Großherzogtum Frankfurt errichtet, und zwei Jahre später, 1812, wurde die katholische Doppel- anstalt nach 4jähriger Verbundenheit wieder getrennt: das katholische Gymnasium wurde mit dem lutheri- schen Gymnasium zu einer paritätischen Anstalt vereinigt..
Die katholische Realschule wurde wieder selbständig und wieder mit der ehemaligen Domschule ver- bunden, die beide jetzt den offiziellen Titel führen: Bürger- und Realschule der katholischen Gemeinde zu Frankfurt d. M.
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