Jahrgang 
1915
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Frieden, den die Welt nicht geben kann.... Droben im Lichte hat unser himmlischer Vater eine Wohnung bereitet, hat Heimat und Ruhe geschaffen allen denen, die von ihrer Wanderung durch dieses Erdentales Dunkel müde und matt sich nach ewiger Heimat und Ruhe sehnen.

Dort ruht jetzt auch Ihr lieber Sohn, unser Oberjäger Schuchardt, am 20. Dezember beim Sturm auf einen englischen Schützengraben(Gurkhagraben) vom mörderischen Blei getroffen. Seine Zeit war um. Er hat himmlischen Frieden gefunden. Regen und Schnee, Schnee und Regen fiel und fällt auf sein Grab, was irdisch an ihm war, vergeht, eines aber bleibt und wird für immer bleiben die Erinnerung an ihn.

Er war der Besten einer, gerad und offen, ohne Falsch, ein guter Kamerad, voll Mut und Tapferkeit

im Kampf mit dem Feind, ein Held auch im Todeskampf, Muster und Vorbild für jeden Soldaten. An persönlichem Lob hat es ihm nie gefehlt....

Martin Kraft(Abiturient 1913). Aus seinen Briefen:(13. Oktober).... Schön muß es sein, wenn unter den Klängen der Regimentskapelle im strömenden Kugelregen es heißen wirdSprung auf, Marsch! Aber auch Strapazen mancher Art wird es geben. Nun, wir werden sie schon mit Gott in Geduld zu ertragen und, wenn es gilt, zu sterben wissen. Betet nur recht viel und habt gar keine Angst...(5. Dezember). Um ĩ½ 5 war Abmarsch, und zwar ging es zum Sturm auf die Russen. Punkt 7 Uhr waren alle Regimenter an ihrem Bestimmungsorte eingetroffen, und jetzt wurde ausgeschwärmt, unsere Kompagnie als zweite Schützenlinie vor. Zunächst durch einen Wald. Aus dem Wald heraus, und schon fielen die ersten Schüsse, und die Leichtverwundeten krochen auf allen Vieren zurück. Noch 400 Meter, Seitengewehr aufgepflauzt und mit Hurra gings auf die Bande los, die teils in wilder Flucht davon eilte, teils sich gefangen gab. Jetzt gabs kein Halten mehr... Im Fluge eroberten wir 7 russische Geschütze, unsere Kompagnie 2 davon..(14. Dezember)... Also weiter die Russen gesucht, das Dorf umstellt. Beim Durchsuchen der Häuser fanden wir die Brüder. Schlaftrunken kamen sie heraus und streckten die Hände in die Höhe. Drollig sieht es aus, ihre Kuiee schlottern und alle Viere strecken sie...(28. Dezember, Beschreibung der Weihnachtsnacht).... Gegen 8 Uhr legten wir uns schlatfen, um 12 Uhr erwachte ich; welche herrlichen Laute tönten da an mein Ohr. Herausgekrochen aus dem Taubeuschlag; da standen mehrere Soldaten zusammen vor dem Hause ihres Kompanieführers und brachten ihm ein Weihnachts- ständchen. Ich stellte mich dazu und half noch ein bischen mitsingen... Den Morgen und Nachmittag brachten wir schlendrianmäßig zu. Wir wußten nicht recht, was wir tun sollten, wir dachten an die traute Heimat, die herrlichen Metten mit dem himmlichenGloria in excelsis Deo, das schöne Hochamt. Alles fehlte uns, keine einzige religiöse Feier. Das tat dem Herzen bitter weh...

Ueber seinen Tod schrieb dem Vater der Divisionspfarrer:... Ich besuchte ihn am 17. Februar in Rozankawizna in den Karpathen... Er hatte bei einem Gefechte auf den Höhen von Rozanka am 13. Februar einen Banchschuß erhalten... Ich gab ihm und allen am selben Abend die Generalabsolution, betete mit ihnen und tröstete sie. Am Morgen des 18. war sein Befinden nicht verschlechtert; er bat mich um ein Kissen.... Als ich nachmittags mit meinem Luftkissen wiederkam, war er sanft entschlafen. Er war friedlich wie im Schlammer... Ich werde in meinen Gebeten und bei der Feldmesse Ihres tapferen Sohnes stets gedenken.

Günther Walter(Abiturient 1912). Sein Vater schreibt:...... Am 24. Mai 1914 wurde er Leutnant im 116. Regiment und schon drei Monate danach endete seine mit so hoher Befriedigung und so ernstem Streben begonnene Laufbahn mit seinem Leben. Er wurde am 22. August in der Schlacht bei Anloy mit vielen anderen seiner Kameraden und Untergebenen verwundet; Schuß durch den linken Ellenbogen und Schuß durch die rechte Schulter mit Lungenverletzung. Er galt nur als leichtverwundet und wurde in ein im Schlosse Ochamps bei Libramont(Belgien) eingerichtetes Lazarett gebracht. Von hier aus ließ er uns noch am 22. August eine Karte über seine Verwundung schreiben, die möglichst beruhigend gehalten war. Aber als wir sie erhielten, war unser junger Held schon tot. Infolge hinzugetretener Herzschwäche war er in der Nacht vom 24. zum 25. August, unmittelbar nach seinem 21. Geburtstage, gestorben. Am 27. Angust hat man ihn in Libramont auf dem Ehreufriedhof in einem würdigen Einzelgrab beigesetzt, das gut gepflegt ist.... Er war, so hat man uns aus den beteiligten Kreisen nach seinem Tode wiederholt versichert,der Liebling des ganzen Oſtizierkorps seines Regiments, und wie sein ehrliches, noch recht kindliches, zutrauliches Wesen auch Fernerstehende für ihn einnahm, das mögen Sie aus dem beiliegenden Briefe eines katholischen Geistlichen in Luxemburg ersehen, bei dem mein Sohn einige Tage im Quartier gelegen hat. In diesem Biiefe heißt es:

Erlauben Sie einem Unbekannten, einige Worte an Sie zu richten, gelegentlich des Heldentodes Ihres Stiefsohnes, des Herrn Leutnant Walter. Ich beehre mich Ihnen nämlich mirzuteilen, daß Herr Walter am 10. und 11. August bei mir in Quartier im hiesigen Pfarrhause war... ich kann Ihnen versichern, daß Herr Walter sich während seines hiesigen Aufenthaltes durch sein freundliches und anspruchsloses Benchmen meine größte Hochachtung und meine vollste Sympathie erworben hatte..... Wir lebten einige Tage als Freunde zu-