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„solle seine Haut schonen“. Der Feldwebel habe ihm vor dem letzten Sturmangriff mitgeteilt, er werde zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen werden. Nach dem Sturmangriff waren nur noch 31 Mann von der Kompagnie am Leben, ein Feldwebel gefallen, der andere Feldwebel schwerverwundet.
Karl Fischer(Abiturient 1914). Aus einem Briefe:„.... Es war am heiligen Abend. Die Liebesgaben des Regiments waren neben einem brennenden Christbäumchen unter hohen Fichten aufgebaut. In die Klänge eines Weihnachtsliedes mischte sich immerwährender lauter Kanonendonner, Leuchtkugeln stiegen am Horizont auf und erhellten taghell die ganze Landschaft. Es war eine eigenartige, schöne, sehr stimmungsvolle Feier. Auf einmal brummte etwas: aha, ein Flieger! Zu sehen war er nicht. Wir werden mit einem Hagel von Pfeilen überschüttet, die grade vorbeigehende Infanteristen trafen und verwundeten. Der Flieger entfernt sich, kommt aber nach 5 Minuten wieder. Plötzlich zischt etwas, man weiß nicht, wohin man sich wenden soll, da kracht es schon, daß alles zittert. Es waren 4 Bomben, die der Kerl warf, ohne jedoch Schaden anzurichten. Kurz darauf fanden wir einen Pfeil mit einem Zettel, auf dem stand:„Ich komme morgen wieder“. Und er kam, aber das Zurückfliegen wurde ihm durch unsere gutgezielten Schüsse ausgestrichen. Er überschlug sich zweimal, und unten war er. Ein Offizier war sofort tot, den anderen„erlegten“ wir mit dem Karabiner, weil er auf uns
schoß. Die Folge war Anerkennung von der Division. Das macht Sstolz.... Seit der Zeit Regen, Sturm und nochmals Regen. Aber trotzdem Befinden Ia....—* Ueber seinen Tod schreibt ein Kamerad:„... Unser lieber Karli ist gestern Abend um 5° den Helden-
tod fürs Vaterland gestorben, still und schmerzlos, mit einem Friedenslächeln der ewigen Seligkeit auf den Lippen... Am Morgen besucht er mich, strahlend und fröhlich und liest mir Ihre Karte vor... Gegen 4 Uhr setzte wie gewöhnlich das feindliche Feuer ein und entwickelte sich nach und nach immer heftiger. Unsere gesamten Telephonisten wurden fortgeschickt, der Sanitäter und ich waren allein im Unterstand. Schuß auf Schuß kam dicht in unsere Nähe, ich tröste mich mit dem Gedanken, daß ich sein Geschütz noch schießen höre. Niemand kommt, der ganze Boden dröhnt, dazu eine seltsame Unruhe ließ mich nicht mehr im Bett bleiben, ich greife nach Rock und Stiefeln, und da ich vor Rauch nichts sehen kann, gehe ich zum Telephonunterstand. Durch Zufall höre ich hier, daß ein Schuß in einen Munitionswagen gegangen ist und Karli getötet habe. Ich wurde ohnmächtig, und als ich wieder erwachte, war ich wieder im Bett, und seine Kameraden, die ihn alle sehr lieb gehabt haben, bringen mir weinend seine Sachen. Von ihnen erst hörte ich nähere Einzelheiten. Danach hatte er, wie schon öfters, den Richtkanonier vertreten und war nach dessen Wiedererscheinen eben wieder auf seinen Platz gegangen, als er getroffen lautlos mit dem Gesicht auf den Sporn des Geschützes niederfiel. Eine kleine Wunde zwischen Hals und rechtem Ohr und ein winziges Loch in der Brust zeigen den Weg, den die Granatsplitter genommen haben. Entstellt war er nicht im geringsten, auch später nicht, als ich gegen 8 Uhr mit einem Kameraden ihn zudeckte. Heute morgen wurde er im Wagen nach Ripont gebracht; ich werde, sobald ich kann, sein Grab aufsuchen und Ihnen die Lage genau beschreiben. Er war mein bester, im Felde mein einziger Freund, und ich werde ihm die Treue wahren, solange ein Tropfen Blut in mir ist...“
Heinrich Schuchardt(Abiturient 1913). Aus seinen Briefen:„Durch Gottes große Güte bin ich heute noch kerngesund. Gestern hatten wir ein heißes Gefecht, bei dem Geschosse und Granaten sehr nahe um die Ohren pfiffen, rechts und links die Kameraden fielen. Die Franzosen sind mit annähernd 2 Armeckorps vor ungefähr 6—7 Kompagnien ausgerissen. Wir haben sehr viele Verluste; es sind keine aktiven Offiziere und Oberjäger mehr da. Wir marschieren immer weiter, bald müssen wir in Paris sein. Hier ist man der Ansicht, daß es nicht mehr sehr lange dauern wird. Seid nur zufrieden und getrost, mein Heiland wird mich so führen, wie er es für gut hält“.— Im furchtbarsten Kugelregen während des Gefechtes vom 3. September ging ihm immer der 7. Vers vom 91. Psalm durch den Kopf:„Ob tausend fallen zu deiner Seite, und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es dich doch nicht treffen“.—„5.45 vormittags Alarm. Besetzung der Bereitschafts- gräben. Gegen 8 Uhr Munition in den Graben gebracht. Dort geblieben. Die meisten Leute bis übers Knie durchs Wasser gewatet, stehen Tag und Nacht Wache, weil eine Sappe und ein Teil unseres Grabens von den Engländern genommen wurde, wobei wir 2 Maschinengewehre verloren. Den ganzen Tag Wache in Sappe A,
5 Schritt vom Feind. Nachts im hinteren Graben Wache“.—„Morgens Sturm, der alte Graben wiedergenommen und ein Teil eines englischen dazu, den ganzen Tag Wache im hinteren Graben. Verluste ungefähr 70 Mann. Der Kompagniechef ist gefallen“.—„7 Uhr Morgens im vorderen(eroberten indisch-englischen) Graben auf
Wache gezogen. Stark durch Artilleriefeuer belästigt. Mehrere Granaten ganz in meiner Nähe eingeschlagen, ohne mich zu verletzen. Gottes Güte“.
„Gottes Güte“ sind die letzten Worte, die er seinen Eltern geschrieben hat. Aus dem Briefe, den ein Offizierstellvertreter an sie gerichtet hat, entnehmen wir folgende Worte:„Weihnachten mit seinem hellen Lichterglanz und frohen Kerzengefunkel ist vergangen, aber die Gedanken singen und singen es weiter von jenem


