Jahrgang 
1911
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Wie bereits im vorigen Jahresbericht mitgeteilt worden ist, verließ uns zu Ostern 1910, um an die Leibnizschule zu Hannover überzugehen, Herr Oberlehrer Schuster, dessen Scheiden von seinen Mitarbeitern wie von seinen Schülern gleich sehr bedauert wurde. In der Progressionsfeier gab der Direktor diesen Em- pfindungen Ausdruck und dankte Herrn Oberlehrer Schuster von Herzen für die vielseitige Förderung und Anregung. die er den Schülern habe immer zu Teil werden lassen, für sein gütiges und freundliches Wesen und fur den Ernst, mit dem er sich besonders auch der sittlichen Weiterbildung seiner Schüler gewidmet habe. Darauf ergriff ein Vertreter des Vereins ehemaliger Lessing-Gymnasiasten, Herr Studiosus Otto Ludwig, das Wort und sprach unter Ueberreichung zweier Reliefs in herzlichen Worten den Dank der früheren Schüler aus. Der Oberprimaner Ernst Ravenstein überreichte sodann im Namen der Oberprima die Nachbildung eines Böcklin'schen Bildes. Wir hoffen, auch fernerhin mit Herrn Oberlehrer Schuster treu verbunden zu bleiben.

Da seine Stelle noch nicht hat besetzt werden können, so machte die Regelung des Religionsunterrichtes und des hebräischen Unterrichtes einige Schwierigkeiten. Von grossem Wert war es für uns, daß Herr Professor Dr. Hauschild, Oberlehrer am Goethe-Gymnasium, mit großer Bereitwilligkeit den hebräischen Unterricht übernahm. Wir sagen ihm für sein hilfsbereites Entgegenkommen und für seine erfolgreiche Arbeit an unsern Schülern in diesem Jahre den herzlichsten Dank.

Das Schuljahr begann am 4. April; die Zahl der Klassen betrug 10; die Oberprima war geteilt.

Herr Probekandidat Weber erteilte im Sommer 3 Stunden Latein in Untersekunda, 3 Stunden Deutsch, 2 Stunden Erdkunde und 3 Turnstunden in Quinta. Er verließ uns im September d. J.

Ostern war uns Herr Probekandidat Aumüller zugewiesen worden. Dieser erteilte im Laufe des Jahres teils deutschen Unterricht in Quarta, teils griechischen in Untertertia und Obertertia, Latein und Deutsch in Untertertia, Deutsch in Obertertia, zeitweise auch Latein in Untersekunda, Geschichte im Sommer in Quarta, in einem Wintervierteljahr in Obersekunda und schließlich im Wintersemester den Turnunterricht in Quinta.

Herr Probekandidat Dr. Bergfeld, der zu Michaelis 1910 seine Tätigkeit bei uns begann, erteilte deutschen Unterricht in Obertertia, lateinischen in Untertertia und erdkundlichen Unterricht in Quinta. Er wurde zu Anfang Januar 1911 beauftragt, am Kgl. Gymnasium zu Marburg eine Vertretung zu übernehmen.

Am 1. Juli 1910 gab Herr Rabbiner Dr. Lazarus zu unserm Bedauern nach mehrjähriger treuer und erfolgreicher Tätigkeit, für die wir ihm auch an dieser Stelle herzlich danken, den israelitischen Religions- unterricht an unsrer Anstalt wegen zu großer sonstiger Belastung auf. An seine Stelle trat Herr Rabbiner Dr. Salzberger.

Mit besonderem Dank ist es zu begrüßen, daß wie im vorigen so auch in diesem Jahre auf Veranlassung des Vereins für das Historische Museum Oberlehrer an hiesigen höheren Lehranstalten gruppenweise durch dessen reiche Schätze geführt wurden, die von den Herren Beamten des Museums und anderen Fachmännern erklärt wurden.

Am Mittwoch dem 18. Januar war Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler, Direktor des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums zu Kassel, in der Anstalt anwesend und wohnte dem Unterricht mehrerer Klassen bei.

Den Januar hindurch mußte Herr Professor Ankel aus Gesundheitsrücksichten den Unterricht aussetzen; ebenso der Direktor vom 9. bis 25. März. Während der Abwesenheit des Direktors führte die Direktorial- geschäfte Herr Prof. Dr. Pelissier; im übrigen fiel die Vertretung in beiden Fällen im wesentlichen Herrn Kandidaten Aumüller zu.

Im Dezember hielt der Direktor vor den Schülern der 4 oberen Klassen einige Vorträge mit Licht- bildern. Zunächst sprach er auf Grund eigener Anschauung von der Trümmerstätte von Priene; dann erläuterte er an 3 Abenden die wichtigsten Bauten des altchristlichen, romanischen und gotischen Stiles. Die philosophischen Unterweisungen war der Direktor bemüht in ähnlicher Weise durchzuführen wie im vorigen Jahre, mußte sie jedoch im letzten Vierteljahr aus äußeren Gründen aussetzen.

Im Februar hielt Herr Dr. med. Sachs vor den Abiturienten und einem Teil der Unterprimaner, soweit deren Eltern damit einverstanden waren, einen Vortrag über sittliche Fragen. Wir sind Herrn Dr. Sachs fuür seine freundliche Unterstützung in dieser wichtigen Frage sehr dankbar.

Auch diesmal haben nicht wenige der Osterabiturienten größere freie Arbeiten eingereicht. Einige von ihnen bezogen sich auf geschichtliche Gegenstände(Die kolonisierende und germanisierende Tätigkeit des bayrischen Stammes;Friedrichs des Großen Regententätigkeit;Bismarck und die Sozialpolitik;Die Persönlichkeit Moltkes); andere auf Physikalisches(Goethes optische Studien;Die Funkentelegraphie);