Jahrgang 
1911
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in einer Arbeit war ein erdkundliches Thema behandelt(»Die Mittel der Polarforschung), in einer anderen ein literarisches(Der Kampf ums Recht in Kleists Michael Kohlhaas, Goethes Götz und Ludwigs Erbförster), in einer ein philologisches(Ciceros Laelius und Paulsens Ethik), in einer ein kunstgeschichtliches Thema(Hans Thomas Leben und Lebenswerk).

Der stenographische Unterricht wurde in derselben Weise wie früher, nämlich durch Schüler, in 3 Gruppen nach dem System Stolze-Schrey erteilt. Die freiwillige Turnriege hielt regelmäßig am Freitag unter zahlreicher Beteiligung ihre Uebungen ab. Die Leitung übernahmen freiwillig mehrere Herren des Kollegiums im Wechsel.

2. Schulfeste.

Am 3. Juni begingen wir das Gedächtnis der am 19. Juli 1810 gestorbenen Königin Luise. Die Feier wurde eingeleitet durch den GesangWir treten zum Beten; darauf sprach der Direktor unter Heran- ziehung zahlreicher Briefstellen über das Leben und die Persönlichkeit der Königin. Die Deklamation von Gedichten Kleists, Körners, Rückerts und Dahns schloß sich an. Den Schluß bildeten die markigen Töne des einstimmig gesungenen Arndtschen LiedesDer Gott, der Eisen wachsen ließ.

Am 8. Juni fanden in gewohnter Weise die Schulausfluge statt. Die Oberprima hatte wieder Heidelberg als Ziel gewählt, die übrigen Klassen zogen in den Taunus, den Rheingau oder den Spessart.

Am 21. August fand unter der Leitung des Herrn Professors Michelis in der Kleeblattschen Bade- anstalt das Schwimmfest statt, das diesmal von herrlichem Wetter begleitet war. Es waren zahlreiche Preise gestiftet worden, u. a. aus den Mitteln der Baier-Stiftung und vom Verein ehemaliger Lessing-Gymnasiasten. Die Meisterschaft erwarb Hermann Schultze I. b. Bei einem Stafetten-Wettkampf, der von dem Ersten Frankfurter Schwimmklub am 4. September im Schleusenkanal bei Niederrad veranstaltet wurde, fiel einer von uns gestellten Mannschaft von 6 Schwimmern der zweite Preis zu.

Unsere Sedanfeier wurde diesmal durch ungünstige Witterung völlig vereitelt. Wir waren mit Musik jenseits des Maines angetreten, um in gewohnter Weise nach dem Rennplatz am Oberforsthaus zu marschieren, mußten aber des strömenden Regens wegen umkehren.

Bei den Wettspielen, die im Juni auf Anregung und auf dem Gelände der Internationalen Aus- stellung für Sport und Spiel stattfanden, gewann die Osterabteilung unserer Schlagballmannschaft den ersten Preis und damit den von der Ausstellung für die Spiele gestifteten Schild. Bei dem in einem Dreikampf bestehenden Wettturnen höherer Lehranstalten, das bei derselben Gelegenheit stattfand, errangen von der Oberabteilung die Primaner Karl Weinsheimer(I b) den 2 ten, Wilhelm Brandt(Ir a) den 3 ten, Rudolf Siegert(Ir a) den 4 ten Preis; von der Unterabteilung Giovanni Kayser(III1) den 4 ten, Karl Herber(II2) den 10 ten Preis. Der Hockey- Verein behauptete den Besitz des von der Hockey-Mannschaft des Woehler-Realgymnasiums gestifteten, in einem Schilde bestehenden Preises, den er zu Ende des Schuljahres 1909/10 erworben hatte, in zwei Wettspielen, die im November 1910 und März 1911 stattfanden.

Nach altem Brauch hätte in diesem Jahre wieder eine theatralisch-musikalische Aufführung stattfinden müssen; aus äußeren Gründen aber mußte sie ausfallen. Um die Schüler einigermaßen zu entschädigen, veran- staltete der Direktor im Verein mit den Herren Prof. Dr. Knögel, Prof. Michelis, Prof. Dr. Sprengel und Gym- nasiallehrer Reil am 17. September eine Turnfahrt der drei oberen Klassen nach der Saalburg und deren Umgebung, die mit einem geselligen Zusammensein in Dornholzhausen schloß.

Am Montag dem 19. Dezember fand die Weihnachtsfeier statt. Zu Chorgesängen und Deklama- tionen traten Vorträge des Schülerorchesters, dessen Leitung, nachdem Herr Ferd. Küchler einen Ruf an das Konservatorium in Basel angenommen hatte, Herr Ludwig Keiper, Lehrer am hiesigen Hoch'schen Konser- vatorium, übernommen hat. Wir sprechen Herrn Küchler noch einmal unsern aufrichtigsten Dank aus für die Verschönerung unsrer Schulfeste und die musikalische Förderung, die er unseren Schülern hat angedeihen lassen. Am Tage nach der Weihnachtsfeier, dem letzten Schultage, unternahmen die drei oberen Klassen unter Leitung der Herren Prof. Michelis, Prof. Dr. Schönemann und des Direktors einen Winterausflug in den Taunus. Wir fuhren nach Cronberg und gingen von da über Königstein und Eppstein nach Lorsbach, von wo wir wieder die Bahn benutzten.

Die diesjährige Kaisergeburtstagsfeier wurde eingeleitet durch den Hohenfriedberger Marsch, den unser Schulorchester spielte. Es folgten Deklamationen. Darauf hielt Herr Oberlehrer Manns die Festrede; er schilderte Joh. Jos. von Görres in seinem Kämpfen und Ringen für des Vaterlandes Freiheit und Einigkeit,