Jahrgang 
1904
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Gewissenhaftigkeit und Hingebung war er bestrebt, seiner Aufgabe nach jeder Richtung hin gerecht zu werden. Sein vielseitiges, gründliches Wissen und seine regen geistigen Interessen befähigten ihn, anregend und fördernd auf die ihm anvertraute Jugend einzuwirken. Nur mit lebhaftem Bedauern sehen wir den verehrten Amtsgenossen von uns scheiden, dem unsere Anstalt bleibenden Dank schuldet. Diesen Empfindungen gab der Unterzeichnete bei der Schlußfeier des Sommerhalbjahres Ausdruck. Er teilte zugleich mit, daß das Königliche Provinzial-Schul- kollegium Herrn Professor Dr. Cuers für die Gewissenhaftigkeit und Treue, mit der er sich in seiner lang- jährigen dienstlichen Tätigkeit den Pflichten seines Amtes unterzogen habe, seine Anerkennung und seinen Dank ausgesprochen habe.

Seine Majestät der Kaiser und König verlieh dem verdienten Manne anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand den Roten Adlerorden IV. Klasse.

Die durch den Abgang des Herrn Professor Dr. Cuers erledigte Oberlebrerstelle wurde Herrn Steiger übertragen, der schon mehrere Jahre hindurch als wissenschaftlicher Hilfslehrer der Anstalt treue und erfolg- reiche Dienste geleistet hatte. Über seine persönlichen Verhältnisse geben die folgenden Angaben Aufschluß:

Heinrich Steiger, geboren am 10. Juni 1870 zu Wiesbaden, besuchte das Königliche Gymnasium daselbst bis Ostern 1889 und studierte dann in München, Berlin und Marburg klassische Philologie und Geschichte. Am 25. Mai 1894 bestand er zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi. Ostern 1894 wurde er dem päda- gogischen Seminar am Königlichen Gymnasium zu Wiesbaden überwiesen, Ostern 1895 dem Königlichen Real- gymnasium ebendort zur Ablegung des Probejahres. Im Sommerhalbjahr 1896 war er am Königlichen Gymnasium zu Wiesbaden als wisseunschaftlicher Hilfslehrer tätig. Von Oktober 1896 bis dahin 1897 genügte er seiner militärischen Dienstpflicht. Oktober 1897 wurde er als Lehrer der drei ältesten Prinzen von Schaumburg-Lippe nach Bückeburg berufen. Zugleich wirkte er an dem dortigen Gymnasium Adolfinum als wissenschaftlicher Hilfslehrer. Ostern 1899 kehrte er nach Wiesbaden zurück und war dann bis Ostern 1900 wiederum wissenschaftlicher Hilfslehrer am Königlichen Gymnasium, auch unterrichtete er an der Höheren Knabenschule des Hofrats Faber. Ostern 1900 wurde er an das Lessing-Gymnasium als wissenschaftlicher Hilfslehrer berufen, Oktober 1903 als Oberlehrer augestellt.

Ein weiterer empfindlicher Verlust steht uns bevor. Auch der am längsten an der Anstalt wirkende und einer ihrer bewährtesten Lehrer, Herr Professor Dr. Trommershausen, wird mit dem Ende des laufenden Winterhalbjahres in den Ruhestand treten. Die anstrengende Unterrichtstätigkeit, besonders in den Oberklassen, hat mehr und mehr seine Kräfte erschöpft. Sie lastete um so drückender auf ihn, als er in steter Besorgnis sein mußte von der Wiederkehr eines ernstlichen Halsübels, das ihn vor Jahren befallen hatte. Der dadurch hervorgerufene nervöse Zustand wurde in der letzten Zeit noch gesteigert durch harte Schicksalsschläge: innerhalb einiger Monate wurden ihm zwei erwachsene Kinder durch den Tod entrissen, darunter ein früherer Schüler unserer Anstalt, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Eine Unterrichtserleichterung, die dem Schwer- geprüften seitens der Behörde bereitwilligst für das ganze Schuljahr gewährt wurde, übte allerdings einen vor- teilhaften Einfluß auf sein körperliches Befinden und seine Gemütsverfassung aus. Jedoch wurde durch die Beschwerden, die ihm selbst die verminderte Arbeitslast verursachte, die Uberzeugung in ihm befestigt, daß er der Erfüllung der Berufspflichten in ihrem vollen Umfange nicht mehr gewachsen sei. So müssen wir uns denn mit dem schmerzlichen Gedanken vertraut machen, auch diesen hochgeschätzten Amtgenossen, dessen einsichtiger und ergebnisreicher Mitarbeit wir so viel zu verdanken haben, aus unserer Mitte scheiden zu sehen.

Der Turnlehrer Herr Reil war tur die Zeit von Neujahr bis Ostern beurlaubt, um durch einen längeren Aufenthalt im Suden seine durch ein hartnäckiges Leiden geschwächte Gesundheit zu kräftigen. Seine Ver- tretung bereitete Schwierigkeiten. Einen Teil der Unterrichtsstunden übernahmen mit dankenswerter Bereitwillig- keit die Herren Oberlehrer Dr. Fischer, Michelis, Dr. Sprengel, sowie der wissenschaftliche Hilfslehrer Kasper. Für den Turnunterricht mehrerer Klassen aber und den Religionsunterricht der Quinta war die Heranziehung von Hilfskräften erforderlich. Den Herren Weinsheimer, Lehrer an der Souchayschule, Emmel und Traisbach, Lehrern an der Fürstenberger Mittelschule, die auf die Bitte des Unterzeichneten uns ihre freundliche Unterstützung liehen, sei auch an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen.

Der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Kasper wird uns zu unserem lebhaften Bedauern mit dem Ablauf des Schuljahres verlassen. Er folgt einem Rufe an das Kaiserin Friedrich-Gymnasium in Homburg v. d. Höhe. Wir danken ihm herzlich für den Eifer und die Treue, mit der er unserer Anstalt gedient hat, und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Von den erwähnten Erkrankungen einzelner Mitglieder des Lehrerkollegium abgesehen, war der Gesund- heitszustand bei Lehrern und Schülern während des abgelaufenen Schuljahres ein durchaus befriedigender.

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