III. Chronik.
1. Unterricht, Veränderungen im Lehrerkollegium.
Am 21. April wurde das Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht in der Aula eröffnet.
Die Zahl der Klassen betrug wie im vorausgehenden Jahre elf; geteilt waren der Überfüllung wegen die Ober- und die Untersekunda.
Für die katholische Religionslehre wurden von Ostern ab auf Veranlassung des Herrn Geheimen Regierungs- rates Dr. Paehler statt den früheren drei Abteilungen deren fünf eingerichtet. Wir versprechen uns von dieser Maßregel eine Förderung des wichtigen Lehrgegenstandes. Ermöglicht wurde sie durch das einsichtsvolle Ent- gegenkommen des Herrn Stadtpfarrers Geistlichen Rates Dr. Hilfrich. Wir fühlen uns dafür zu warmem Danke verpflichtet.
Der seit Ostern 1902 von der städtischen Schulbehörde eingeführte wahlfreie Unterricht in der israelitischen Religion wurde auch im abgelaufenen Schuljahr von der Mehrzahl der israelitischen Schüler besucht. Zu Beginn des Winterhalbjahres erfolgte auf der Oberstufe ein Wechsel der Lehrer, da Herr Rabbiner Dr. Seligmann durch die Vermehrung seiner Amtsgeschäfte sich genötigt sah, den bisher von ihm erteilten Unterricht an Herrn Rabbinatskandidaten Fuchs abzugeben.
Herr Kandidat Kasper blieb zu unserer Freude auch nach der Beendigung des Probejahres der Anstalt als wissenschaftlicher Hilfslehrer erbalten.
Für den an das Charlottenburger Realgymnasium berufenen Herrn Oberlehrer Dr. Meyer trat mit dem Beginne des Schuljahres der großherzoglich hessische Lehramtassessor Herr Dr. Flechsenhaar in das Lehrer- kollegium ein. Eine mehrjährige Wirksamkeit als Leiter der Höheren Bürgerschule zu Schlitz hatte ihm bereits Gelegenheit geboten, nicht nur auf dem Gebiete des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts mannig- fache Erfahrungen zu sammeln, sondern die unterrichtliche und erziehliche Aufgabe der Schule im ganzen näher kennen zu lernen.
Über seinen Lebensgang berichtet Herr Oberlehrer Dr. Flechsenhaar, wie folgt:
„Adam Flechsenhaar wurde am 5. April 1877 zu König(Großherzogtum Hessen) geboren. Er besuchte die Realschule zu Michelstadt und das Realgymnasium zu Darmstadt; an letzterer Anstalt bestand er Ostern 1895 die Reifeprüfung. Hierauf widmete er sich an der Technischen Hochschule zu Darmstadt und der Landesuniversität zu Gießen dem Studium der Mathematik und Physik. Im August 1898 legte er die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Sein Seminarjahr verbrachte er am Realgymnasium zu Darmstadt, ebenso einen Teil seines Probejahres, vorübergehend war er während des letzteren zur Vertretung erkrankter Lehrer an dem Gymnasium und der Oberrealschule zu Worms und an der Realschule zu Michelstadt beschäftigt. Auf Grund einer Abhandlung über„Multiplizität von Gleichungen“ erwarb er im Jahre 1899 zu Gießen den philosophischen Doktorgrad. Seine Ernennung zum Lehramtsassessor erfolgte am 1. Oktober 1900. Schon im April dieses Jahres war er mit der Leitung der neugegründeten Höheren Bürgerschule zu Schlitz(Oberhessen) betraut worden und verblieb in dieser Stelle bis zu seiner Berufung als Oberlehrer an das Lessing-Gymnasium zu Frankfurt a. M.“
Herr Professor Dr. Cuers, der für das vorhergehende Winterhalbjahr zur Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt gewesen war, konnte auch zu Ostern seinen Unterricht nicht wieder aufnehmen. Sein Gesundheitszustand hatte sich zwar gebessert, aber es stand doch zu befürchten, daß eine angestrengte Tätig- keit und vor allem die unvermeidlichen Aufregungen des Berufes das nervöse Leiden, wegen dessen er den Urlaub hatte nachsuchen müssen, in verstärktem Grade hervortreten lassen würden. Da auch für die Zukunft eine völlige Beseitigung dieses Leidens sich nicht erhoffen ließ, entschloß sich Herr Professor Dr. Cuers, wennvauch mit schwerem Herzen, dazu, seine Versetzung in den Ruhestand zum Ende des Sommerhalbjahres 2u benntragen Der Entschluß kostete ihn um so grössere Überwindung, als er aufs engste verwachsen war mit seinem Amte. lem er seit einer langen Reihe von Jahren die beste Kraft gewidmet hatte. Herr Professor Dr. Cuers begann seine Lehrtätigkeit bereits im Jahre 1867. Seine Berufung an das Städtische Gymnasium erfolgte im Jahre 1877
Er hat dann an diesem und seit 1897 an dem Lessing-Gymnasium im ganzen 26 Jahre gewirkt. Mit stets gleicher


