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II. Schulfeste.
Das Maifest wurde am 26. Mai in üblicher Weise begangen; bei freundlicher Witterung zogen die einzelnen
Klassen unter Führung ihrer Klasseplehrer nach dem Taunus, dem Spessart, der Bergstrasse und dem Rhein. Festliche Tage brachte unserer Stadt die Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers und Ihrer
Majestätder Kaiserinaus Anlass des II. Wettstreites deutscher Männergesangvereine. Auch unsere Schüler durften
dem Kaiserlichen Paare ihre Huldigung darbringen, indem sie an der Spalierbildung am Abend des 3. Juni teilnahmen.
Wie schon in den vorausgehenden Jahren, so wurde auch in diesem wiederum ein Wettschwimmen von Schülern aller Klassen abgehalten. Es fand am 16. August unter Leitung des Herrn Oberlehrer Michelis in der Kleeblattschen Badeanstalt statt. Von Freunden der Schule waren Preise gestiftet. Im Hauptschwimmen siegte von Stülpnagel II.
Zur Feier des Sedantages unternahmen die Schüler der oberen Klassen bis zur Untersekunda einschließlich, an Zahl etwa 100, unter der Führung der Herren Oberlehrer Dr. Knoegel, Michelis, Dr. Sprengel und Ankel, des Turnlehrers Herrn Reil und des Unterzeichneten am 1. und 2. September eine Turnfahrt nach dem Donnersberge und dem Nahetal, die vom herrlichsten Wetter begünstigt war. In früher Morgenstunde fuhren wir über Mainz und Alzey nach Kirchheimbolanden. Von dort führte der Marsch durch die anmutigen Anlagen des Schillerhains und weiter meist auf Waldwegen nach Dannenfels und der Villa Donnersberg, wo eine kurze Mittagsrast gehalten wurde. Nach dem Besuche des Ludwigsturms und anderer aussichtsreicher Punkte der mächtigen Gebirgskuppe ging es dann abwärts durch das Falkensteiner Tal nach Rockenhausen und Alsenz. In Alsenz und dem benachbarten Obermoschel fanden wir teils in den Gasthäusern teils in Bürgerquartieren freund- liche Aufnahme und ein gutes Unterkommen für die Nacht. Der Abend verlief in fröhlichem Zusammensein, bei dem wir auch manche der freundlichen Quartiergeber begrüßen durften. Am anderen Tage wanderten wir erst durch das Alsenztal abwärts und dann über die Altenbaumburg und den Rheingrafenstein nach Münster a. St. Weiterhin verlebten wir köstliche Stunden auf dem Lieblingssitze der beiden„Vorkämpfer deutscher Einheit und Größe“, der Ebernburg, an einer Stätte, wie sie kaum schöner für die Feier des vaterländischen Gedenktages sich finden ließ. Auf der Rückfahrt wurde von Bingerbrück bis Rüdesheim das Dampfschiff benutzt; dabei rief der Anblick des Niederwalddenkmals noch einmal die Erinnerung an die große Vergangenheit wach.
Die Schüler der mittleren und unteren Klassen unternahmen am 2. September unter Führung der Klassenlehrer Ausflüge in die nähere Umgebung der Stadt.
An dem Schlagballwettspiel und dem Wetturnen, die wie gewöhnlich zum Abschluß der sommerlichen Turnspiele von Herrn Turninspektor Weidenbusch veranstaltet wurden, nahmen unsere Schüler mit erfreulichem Erfolge teil. Beim Schlagballwettspiel fiel ihnen in beiden Abteilungen der 2. Preis zu. Beim Wetturnen, das am 16. September stattfand, trugen sie insgesamt 11 Preise davon. In der Abteilung der Schüler über 17 Jahren errangen Preise: von Stülpnagel I.(2. Pr.), Wellstein I.(3. Pr.), Zickel II(5. Pr.), Arnold 11(6. Pr.); in der zweiten Abteilung: von Möllendorff IIib(1. Pr.), Bode IIrb und Stein II2 b(5. Pr.), Hotz II b (10. Pr.), Boldt II2 a(14. Pr.), Bailly IIrb und Hermann Schäfer IIza(17. Pr.).
Eine Weihnachtsfeier fand am Abend des 22. Dezember in der Aula statt. Sie erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches von seiten der Eltern und Angehörigen unserer Schüler. Den stattlichen Christbaum hatte die Oberprima geschmückt. Der Chor sang Weihnachtslieder, Schüler der verschiedenen Klassen trugen Weihnachts- gedichte vor; die Oberprimaner Hilsdorf und Fischer versuchten sich in dem Vortrage zweier Weihnachtslieder von Cornelius; besondere Wirkung erzielten die Instrumentalvorträge von O. von Möllendorff I, Hoff II a. W. von Möllendorff IIrb, Bassermann IIa und Wolff II a.
Am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers hielt Herr Oberlehrer Dr. Schönemann die Festrede. Er gab einen Uberblick über die Jugendgeschichte und den Bildungsgang Neidhardts von Gneisenau und charakte- risierte dessen Bedeutung für die vaterländische Geschichte. Insbesondere hob er hervor, wie Gneisenau auch in den engen Verhältnissen und den untergeordneten Stellungen, in denen er nach seinem Übertritt in preußische Dienste zwanzig Jahre zurückgehalten wurde, nicht müde geworden sei, die reichen Gaben seines Geistes bewußter Arbeit auszubilden. Die heldenmütige und auch in technischem Sinne vorbildliche Vert zeige sein militärisches Organisationsvermögen schon entwickelt und lasse zugleich in ihm den Vertreter des neuen Geistes erkennen, der die Befreiung Deutschlands ermöglichte. Gneisenaus Mitwirkung in der Militär-Reorganisations- Kommission wurde kurz berührt und dann sein Verhältnis zu Blücher, vor allem sein Eingreifen am 16. Juni 1815 eingehender dargestellt. Die Chorlieder und Gedichte, die zum Vortrag gelangten, waren der Dichtung der Befreiungskriege entnommen. Iustrumentalvorträge steuerten Schüler der II und II, bei.
in ziel- eidigung Kolbergs


