Jahrgang 
1930
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In der Gegend um Siegen finden wir auch die Haubergwirtschaft. Ein ctwa 15jähriger Eichenwald wird abgeholzt. Die Baumrinde wird zu Lohe verarbeitet. Nach dem Roden wird dann Getreide gesät, das eine kümmerliche Ernte für 2 Jahre abgibt. Dann findet mehrjähriger Weidebetrieb statt, hierauf läßt man den Wald wieder wachsen. Im Hintergrund der Landschaft sahen wir jetzt über einem Talkessel eine graue Dunstwolke aufsteigen. Dort liegt Siegen.

Schnell bringt uns die Bahn näher, und dann fahren wir in die Bahnhofshalle cin. Wieder ist ein Stück Wegs unserer Studienfahrt zurückgelegt, und schnell suchen wir die Herberge auf, um nach kurzer Rast die Eisen-Industrie zu be-

sichtigen. G. Ssell UIIb.

b. Leitzwerke in Wetzlar.

Im schönen Weilburg hatten wir die Nacht verbracht. Noch ein Gang durch das Schloß und den angrenzenden Schloß- park, dann war es Zeit nach dem Bahnhof zu gehen und den Zug, der uns nach Wetzlar bringen sollte, zu besteigen. Die schöne Burg Braunfels hatten wir hinter uns gelassen, und nach einiger Zeit sahen wir es vor uns liegen, das ruhige Städtchen mit den meist zweistöckigen Häusern und dem Dom, der erhaben auf sie niederschaut.. Der nächste Zug nach Gießen geht in zwei Stunden, belehrte uns der Bahnbeamte. Also sofort auf nach den Leitz- werken. Im Eilmarsch ging es durch die Stadt. Als wir fast deren Ende erreicht hatten, sahen wir die mächtigen Fabrik- gebäude vor uns liegen.

Nachdem wir unser Gepäck in dem Verwaltungshause niedergelegt hatten, folgten wir, gespannt auf das Kommende, dem Führer. Es ging durch Gänge, über Treppen und Laufstege. Endlich hielt der Führer an, öffnete eine Tür und in dem- selben Augenblick schreckten wir zurück, denn ein ohrenbetäubendes Surren, Quietschen und Kreischen von Maschinen und Motoren kam, ja sprang uns entgegen. Dann ging es hinein in das Gewirr von Geräuschen und Maschinen. Man hätte meinen können, man wäre in die Hölle geraten. Dagegen waren wir nur in der Dreherei, in der die Metallteile für Mikroskope hergestellt wurden. Hier stand Drehbank an Drehbank; an jeder ein Arbeiter, der trotz des Hastens der Maschine ruhig in gleichmäßiger Bewegung seine Pflicht tat. Nur einige Minuten konnten wir dem Getriebe und den fleißigen Händen zuschauen, dann ging es weiter in den nächsten Arbeitsraum. Dieser war das Gegenteil des vorhergehen- den. Dort regste Tätigkeit in großem Lärm, hier ruhige Arbeit in grabesähnlicher Stille, die uns in ihrer abweisenden Kälte befremdete. Wir waren in der Werkstatt der Polierer und Lacker. Einige Erklärungen des Führers, und weiter ging es zu den Werkstätten, in denen die Linsen hergestellt werden. Hier konnte man beobachten, wie sich allmählich aus einem undurchsichtigen Glasblock durch stundenlanges Schleifen eine kristallklare Linse bildete. Jedoch nur kurze Zeit konnten wir uns an dem Anblick der interessanten Arbeit erfreuen, denn weiter wurden wir geführt durch andere weite Arbeitsräume, durch die Schreinerwerkstätten, durch Abteilungen mit Fräsmaschinen, und andere mit Werkzeugmaschinen. Ueberall rege Tätigkeit. Ein Gefühl der Scham überkam uns, da wir müßig in den Räumen herumspazierten und gafften, in denen alle Energien zur segensreichen Arbeit gelöst sind. Als wir nach beendigter Besichtigung wieder auf der Straße standen, kam es uns vor, als hätten wir einen Film geschen, mit dem WortArbeit überschrieben. Und als wir das von außen so friedlich und ruhig ausschende Gebäude betrachteten, konnten wir nicht fassen, daß es so viel Leben und sinn- reiche Tatkraft in sich birgt. E. Debus Ollb.

c. Die Sibylle im Bamberger Dom.

Wir hatten Bamberg geschen und erlebt: Die deutsche Stadt der Hügel, mit ihren ragenden Kirchen, den engen, trau- lichen Gäßchen und den verträumten Fischerhäuschen, umspült von den leise raunenden Wassern der Rednitz.

Mich zog es noch einmal zum Dom, in den geheimnisvollen Bann schöpferischen Wollens und Ringens, den alle seine Kunstwerke ausstrahlen. Die Gestalt der Elisabeth, der sogenannten Sibylle, machte besonderen Eindruck auf mich. Sie wurde geschaffen von cinem Unbekannten. Doch welch hohes künstlerisches Wollen belebt diese großen Züge! Welch machtvolle Persönlichkeit bricht sich da Bahn! Was sagt nur dieser unendlich inhaltsreiche Blick? Er scheint Zeiten und Welten zu überbrücken und einer hehren Weisheit kühn entgegen zu blitzen.

Das Bildwerk soll cinem Reimser Vorbild entnommen sein. Doch wieviel Eigenes muß der Künstler hineingelegt haben! Woraus erklärt sich anders die ungeheure Macht, die es ausübt?

Ein antiker Zug liegt wohl in den eindeutigen, wallenden Baltenwürfen im Gewande der Sibylle. Aber sie ist keine antike Plastik: Sie ist viel tiefer, viel ergreifender! Hier herrscht keine Harmonie zwischen Körper und Seele. Wo ist hier die ruhige, große Secle, die ganz der Schönheit des Körpers lebt?

Die Sibylle steht fest, wie aus dem Boden gewachsen. Doch ein einziger, von der erhobenen Linken verursachter Falten- wurf reißt den Blick in die Höhe: Vom Kopf, diesem hart und groß gemeißelten, von den Augen strahlt die geheimnis- volle Macht dieser Gestalt.

Scheint nicht dieser Blick all den steinernen Menschen des Doms einen besonderen Schimmer zu verleihen? Lebt nicht überall im Dämmer des Halbdunkels dieser großee, fragende Blick?

Ich glaube, das vorher matte Auge des Totenbischofs dort drüben flackert auf einmal lebendig, beseelt von suchendem Willen; das feurige Auge des Heldenjünglings blitzt und funkelt siegesgewisser! Aus all dem Stein und Tod ringsum bricht Leben, erwacht eine tiefe, sehnende Scele. Lebendiger Wille, seliges Entzücken strahlen aus diesen totgeglaubten Gestalten und weisen nach unbekannten Welten; und voran leuchtet, immer sleich geheimnisvoll und unergründlich der suchende Blick der Elisabeth, immer weiter, weiter.

Ich ahne ein Stück der reichen deutschen Seele. Der ewige Widerspruch der deutschen Natur findet mächtiger als irgendwo scinen Ausdruck in dem ewig fragenden, ungeklärten Blick der Sibylle.

Ihr Rätsel verfolgt mich durch die winkligen Straßen Bambergs und verleiht ihnen einen besonderen, deutschen Schimmer. d. Wie ich an Kaisergräbern Volkstum erlebte(ein Vergleich). Mlans Wadulla VUla, Wenige Monate vor unserer Studienfahrt hatte ich Gelegenheit, meine Ferien in Paris zu verbringen. Dort besuchte ich im Invalidendom das Grabmal Napolceons I.

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