sondern auch in ihren Hauptzügen nach ihrer geschichtlichen Entwicklung erklärt. Nach der Fahrt wurden die wich- tigsten Blätter der Spezialkarten ausgewertet in bezug auf Siedlungs-, Verkehrs-, Wirtschaftsverhältnisse, Bodenformen, Bewässerung, Namenskunde und geschichtliche Zeugen in der Landschaft.
Für statistische Auswertung des Industriegebietes boten Wirtschaftsstatistiken und das Statistische Jahr- buch reichen Stoff. In Arbeitsteilung hatten die Schüler die Statistiken nach verschiedenen Fragestellungen graphisch und rechnerisch auszuwerten und Vergleiche der Vor- und Nachkriegszeit anzustellen. Dabei wurden soziologische Pragen berührt, nachdem die Schüler wärend der Fahrt auf bestimmte Beobachtungen in der Industrielandschaft hingeleitet worden waren.
Technologische Bceobachtungen bei Besuchen mehrerer industriellen Anlagen wurden in Bild und Skizze festgehalten und in Verbindung mit chemischen und physikalischen Fragen geklärt. Durch eigene Erkundigungen in den Werken hatten die Schüler wichtiges Zahlenmaterial zu erfragen und unter anderem auch allgemein zugängliche Fest- stellungen über Belegschaft, Produktionsausmaß, Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu machen.
Verschiedenartige Wissensgcbicte treten auf Studienfahrten in Beziehung zueinander. Bei der erdkundlichen Betrachtung der Landschaft tauchen auch geschichtliche, besonders literarische und kunstgeschichtliche Fragen auf. Am Neuwieder Becken und auf dem Westerwald stießen wir mehrmals auf Zeugen der Römerherrschaft in Deutschland(Limeszone). Das gab Veranlassung, aus der Landschaft heraus Erklärung für geschichtliche Ereignisse zu suchen. Das Mittelalter wurde wach am Laacher Sec. Die Fahrt durch das Rhein- und Lahntal gab Gelegenheit zu geschichtlichen und kunst- geschichtlichen Fragen: Freiherr vom Stein, Goethes Wetzlarer Zeit, Verkehrswege im Mittelalter, der Rhein bei Koblenz in der deutschen Geschichte, was Burgen und Kirchen uns erzählen.
Im harmonischen Ausgleich von Arbeit und Erholung, Freiheit und Gebundenheit können Schülerfahrten ihren Bildungs- wert nicht verfehlen. Das Erlebnis erhebt ihn weit über alle sonstigen Unterrichtserfolge hinaus. Es war an unserer Schule möglich, mit geringsten Mitteln allen Schülern der Klassen die Teilnahme an Studienfahrten zu ermöglichen, und wir wünschen, daß wirkliche Studienfahrten sich zu einer Dauereinrichtung der Helmholtz-Oberrealschule ein- leben möchten.
5. Aus Schülerberichten über Studienfahrten. a. Gießen-— Siegen.(Eisenbahnfahrtbericht von der erdkundlichen Studienfahrt der UIIb.)
Gießen liegt an der Lahn und ist eine Hauptstation der Bahn Kassel— Frankfurt a. M. Durch seine Landesuniver- sität und seine Kliniken ist Gießen unter den hessischen Städten bedeutend. An verschiedenen Lagerhäusern in der Nähe der Bahn erkennen wir die wirtschaftliche Bedeutung Gießens.
Der Bahnhof, von dem wir abfahren, besitzt mehrere Bahnsteige, und wird auch von der sogenannten Kanonenbahn (Berlin— Koblenz— Metz) berührt. Diese Bahn war eine wichtige strategische Linie, die die kürzeste Verbindung zwischen Berlin und der Westgrenze herstellte. Wir fahren nun das Lahntal abwärts. Der Talboden besteht aus Schwemmland, das die Lahn in der Talaue absetzte. Längs des Flusses zichen sich Wiesen hin, dahinter folgt in höher gelegenen Teilen Ackerland. Weiter lahnabwärts liegen rechts im Hintergrund zwei Basaltkegel, die Ruinen Gleiberg und Altenburg. Das Tal wird enger und man kann auf der linken Seite nahe der Bahn eine gut ausgeprägte Lahnterrasse sehen. Das Lahntal lag im Nebel. Der klimatische Gegensatz zur Wetterau, die im Sonnenschein durchfahren wurde, erklärt sich daraus, daß kalte Winde von der Marburger Gegend ungchindert in das von feuchten Lahnwiesen durchzogene
Gießener Becken eindringen können.
In Wetzlar, wo wir umstiegen, um das Lahntal zu verlassen und das Dilltal hinaufzufahren, konnten wir die Buderus- werke mit ihren großen Hüttenanlagen und ihren Fördereinrichtungen beobachten. Bei den Buderuswerken erblickten wir zum ersten Mal Hochöfen, die wir in Siegen noch näher kennen lernen wollten. Auch die optische Industrie ist in Wetzlar durch die Leitzwerke vertreten. Sie besitzen Weltruf. Im Dilltal kamen wir an der Sophienhütte vorbei, einem Eisenwerk. Die Sophienhütte zeigte uns von der Bahn aus geschen etwas Neues, nämlich die Koheisenblöcke, die vom Hochofen heraus gleich im Sande zu Masseln gegossen werden. Sie lagen in langen Reihen aufgeschichtet auf dem Hofe der Hütte. 3.. Neben den alten Siedlungen des Dilltales wachsen jetzt die Neubauten der Industrie aus der Erde und bilden einen grotesken Gegensatz zu den alten Siedlungsformen. Die Berge des Dilltals bestehen aus Diabas- oder Grünstein, Schal- stein und Tonschiefer. Der Grünstein ist ein dunkeles, körniges bis dichtes Eruptivgestein aus Plagioklas und Augit und verschiedenen Eisenverbindungen. Er ist aber meistens zersetzt und ist dann rcich an grünen Substanzen, wie Vidirit und Kalkspat. In Sinn sehen wir vom Zug aus die größte Glockengießerei Westdeutschlands. Dann geht es weiter. Die Bauweise wird offener und verrät, daß die Dörfer neue Dorfreile an die alten Kerne fügten. 3
Die Siedlungen liegen auf hochwassersicheren Terrassen. Wir beobachten, daß bei den Häusern größere Wirtschaftsgebäude fehlen. Die Bewohner treiben teils Ackerbau, aber der größte Teil sucht Erwerb im Bergbau oder in der Industrie.
Nach einer etwa halbstündigen Fahrt kommt Herborn. Es liegt 105 m ü. d. M. Auch hier ist die Industrie vertreten, hauptsächlich durch Eisen-, Holzwaren- und Lederwarenherstellung.
Herborn hat ein Schloß und besaß früher auch eine Universität. Heute dient das Gebäude dem evangelischen Prediger-
seminar.
Nachdem wir MNiedersche der Oranier, auftauchen. In der Umgebung Dillenbu len des Eisenerzes her und beruht auf Eisenoxyd. Hinter Haiger fahren wir durch den Tunnel devone Schiefer, die in verschiedenen Lagen v dorf fallen die vielen Rodungen auf. Der Wa
werken gerodet.
Id durchfahren hatten, sahen wir im Hintergrund das Schloß von Dillenburg, das Stammschloß rgs fallen uns die vom Roteisenstein rot gefärbten Bäche auf. Die Farbe rührt von der Wäsche der Wasserscheide zwischen Dill und Sieg. Die Gesteinsarten sind meist
orkommen. Wir befinden uns jetzt in einer Höhe von 340 m. Nahe Ruders- ld wurde früher wegen des starken Holzkohlenverbrauchs in den Hütten-—
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