Einige Zeit dauert es noch, bis alle wach sind. Dann beginnt eine Spritzerei und Planscherei:„Die Morgenwäsche“. Schuhbürsten, Kämme und Nägelreiniger werden entliehen. In 20 Minuten ist alles fertig, außer dem Kaffee. Gruppenweise werden kleine Spaziergänge unternommen, durchs Dorf, an die Anlegestelle der Rheinboote oder auf die Moole hinaus. Einige bleiben im Tagesraum und schreiben einen Bericht des vergangenen Tages, andere Postkartengrüße nach Hause. Zu Fuß und in Auto oder Eisenbahn geht es am Tage dann weiter. Wir sehen anmutige Landschaften, alte Städte, freundliche Dörfer, Burgen, Klöster und Kirchen.
Alles aber und das war das Schöne und der besondere Reiz unserer Fahrt, sahen wir gemeinsam. Wir bewunderten, wir erlebten alles zusammen.
Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit hatten wir heiße Tage. Manchmal war es so heiß, daß beim Laufen das Ge- päck uns beschwerlich wurde. Hier halfen wir uns wieder gegenseitig. Hatte sich jemand den Fuß vertreten: Ein anderer nahm selbstverständlich den Tornister des verletzten Kameraden, obwohl ihn sein eigener Rucksack ganz an- ständig drückte. Andere stützten den Betreffenden, denn jedem hätte ja etwas Aehnliches passieren können.
Als die Kriegsbücher im vergangenen Jahr erschienen, lasen wir sie mit Begeisterung. Wir lasen von gegenseitiger Hilfs- bereitschaft und Aufopferung hr den Kameraden. So war es auch bei uns auf der Fahrt, allerdings in viel geringerem Umfang.
Hatte jemand Hunger und sein Aff' war leer, so bekam er etwas von einem Kameraden. Konnte einer mit aller Gewalt sein Mittagessen nicht verputzen, so war immer jemand da, der sich aufopferte und den Teller leer machte. So verlief unsere ganze Fahrt ohne störende Zwischenfälle und immer wieder sahen wir Neues gemeinsam.
Das Verhältnis blieb bis in die Schule hinein. Wie oft hört man jetzt noch sagen:„Weißt du noch, wie es damals so fein war?“
Wir alle sind dankbar denen, die es finanziell und technisch ermöglichten, daß wir in diesen 8 Tagen einen der schönsten Teile unseres Vaterlandes sehen und kennenlernen durften und freuen uns jetzt schon auf die nächste Fahrt, die wir
demnächst als Unterprimaner machen sollen.
VII. Ferienordnung für das Schuljahr 1930/31.
Wilhelm Scheper OIIb.
Bezeichnung der Ferien
Schluß des Unterrichts
Wiederbeginn des Unterrichts
Osterferien 1930 Pfingstferien. Sommerferien Herbstferien. Weihnachtsferien.
Mittwoch, 9. April Freitag, 6. Juni
Freitag, 18. Juli
Freitag, 5. Oktober Sonnabend, 20. Dezember
Mittwoch, 25. April Dienstag, 17. Juni Donnerstag, 21. August Mittwoch, 15. Oktober Donnerstag, 8. Januar
Osterferien 1931 Dienstag, 51. März
Frankfurt a. M., 1. Mai 1930. Dr. BRUNO EGGERI, Oberstudiendirektor.
HAUSERPRESSE FRANKFEURTAM MAIN 1930


