Verfassung schon am 11. August 1010 Gesetzeskraft erhielt, bekam das Reich wieder festen Boden unter die Füßte und Ordnung und Geset- konnten in Deutschland wieder ihren Einzug halten. In diesem Sinne kann man den 11. August den Geburtstag des neuen Deutschlands nennen. Jedem wahren Patrioten er- wächst die Aufgabe, auf der Grundlage der Verfassung an dem schweren Werke des deutschen Aufstiegs mitzuarbeiten. Als leuchtendes Vorbild kann ihm dabei Hindenburg dienen, der, trotzdem er in monarchi- scher Tradition ergraut war, sich in treuer Pflichterfüllung auch dem neuen Staate zur Verfügung ge- stellt hat.
Der zweite Teil der Rede war der vorbildlichen Vaterlandsliebe P. L. Jahns gewidmet, dessen 150. Geburtstag das deutsche Volk am 11. August feiert. Als der„Turnvater“ lebt er im Gedächtnis der Nach- welt fort. Aber seine volle Bedeutung liegt darin nicht beschlossen. Durch sein„deutsches Volkstum“ ge- hört er vielmehr zu den grofien Volkserzichern und steht als solcher unmittelbar neben Fichte. In diescnn Werke hat er den praktischen Versuch unternommen, das gesamte Gebiet der Volkserziehung darzustellen. Zeine Gröfie liegt nicht in der geschlossenen Systematik— darin ist ihm Fichte überlegen— sondern in der durchschlagenden Wucht einzelner Gedanken und in der selbstlosen und starken Persönlichkeit, die hinter dem Werke steht und mit prophetischer Begeisterung Wege zur Erneuerung des gesamten Volks- lebens weist.
17. 8. Rheinfahrt der ganzen Schule unter Beteiligung der Eltern bis Boppard. Dort gab das Schülerorchester im Kurhaus ein Konzert, das von der Bevölkerung gut besucht war. Trotz des nicht sehr günstigen Wetters verlief der Tag in fröhlichster Stimmung.
4. 9. Elternversammlung. Nach musikalischen Darbietungen berichteten unter Vorfüh- rung von Lichthildern Wibbing und Höchst(O II) über die Fahrt nach Marburg, Giefer, K. A. Weber und G. Müller Ol über die Thüringen- und Weimarfahrt. Der Abend steigerte sich zu schallender Heiterkeit, als am Schlusse die Beteiligten, besonders die Lehrer in wohlgelun- genen Karrikaturen auf der Leinwand erschienen.
15. 9. Das Sommerfest in Wilhelmsbad verlief bei herrlichem Wetter und starker Be- teiligung zu allgemeiner Befriedigung. Die O III führte unter Leitung von K. A. Weber die Parodie cines Ritterspiels auf. Sportliche Wettkämpfe wurden auf einer nahen Wiese ausgetra- gen. Der Abend vereinigte die Cäste und die Schüler der oberen Klassen zu einem ausgiebigen Tanz im Saal zu den Klängen der eigenen Jazzmusik. Von den Musikanten verdienen Müller und K. Schulz OI besondere Erwähnung.
Z. 11. Die Schubertfeier brachte den Höhepunkt des Musikjahres mit der Aufführung des 1. Satzes aus der Unvollendeten. Studienrat Dr. Huth zeichnete in lebendigen Ausführungen Schubert. besonders als Meister des deutschen Liedes.
19. 12. Weihnachtsfeier.
22. 1. Gedenkstunde für Lessing in den Oberklassen.
Am 18. und 19. 2., sowie vom 25. 2. bis 2. 5. mußtte der Unterricht wegen der großten Kälte ausfallen. Da die Reifeprüfung in diese Woche gelegt wurde, war der Zeitverlust nicht so schmerzlich.
4. 5. Volkstrauertag. Sabel UI- sprach das Gedicht von St. George, Einem jungen Füh- rer im ersten Weltkriege. Studienassessor Dr. Gruber hielt die Gedenkrede.
Er führte im Geiste die Schulgemeinde an die Gräber der im letzten Kriege gefallenen zwei Mil- lionen deutscher Männer, stellte ihr die Größe der von ihnen dem deutschen Volk gebrachten Opfer vor Augen und leitete daraus die Verpflichtungen ab, die sich für uns Ueberlebende und Nachgeborene ihnen gegenüber ergeben..
Er zeigte schließlich, daß jeder Deutsche, auch die heranwachsende Jugend, imstande ist, dafür zu sorgen, daß das Blut so vieler Menschen nicht vergeblich geflossen ist.
13. 3. Werbeabend für den Verein für das Deutschtum im Ausland. Studienrat Dr. Schmidtborn sprach über eigene Reiseeindrücke im tropischen Zentralamerika. Der fesselnde Bericht wurde durch ganz hervorragende eigene Lichtbilder erläutert.
22. 5. Feierliche Entlassung der Abiturienten. Ab. Schädel sprach den Dank der Schei- denden aus, indem er ausführte, was das humanistische Gymnasium dem jungen Menschen von heute, auch gerade dem, der einen technischen Beruf ergreife, zu geben habe. Im Namen der Eltern dankte S. Magnifizenz der Rektor der Universität Frankfurt, Herr Geheimat Prof. Dr. Heimberger der Schule für ihre Arbeit. Auf Grund reichster Erfahrungen, als Wissen- schaftler wie als Universitätslehrer, bekannte er sich zu den uniübertrefflichen Werten der humanistischen Bildung. Wir sind ihm zu ganz besonderem Dank verpflichtet, daß er in diesen Zeiten, in denen immer noch manche, wenn auch nicht so viele wie vor 10 Jahren, das Gymnasium zum alten Eisen werfen möchten, ein so starkes Bekenntnis zu unserer Schule abgelegt hat und wir dürfen wohl hoffen. daß das Wort dieses führenden Juristen und akade-
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