In Erfurt waren wir dann plötzlich wieder in die Zeit der Gotik zurüc versetzt. Dom und Severikirche boten ähnlich wie in Naumburg Anlaft zu kunstgeschichtlichen Studien. Eine Wanderung über Ruhla nach Eisenach zeigte uns schöne Gegenden des Thüringerwaldes. Mit dem Besuch der Wartburg, wurde die Fahrt abgeschlossen..(Giefer. O la.)
Nürnbergfahrt der kunstgesch. A. G.
Den ganzen Sommer über waren wir jede Woche 2 Stunden zusammengekommen, um unseren großen deutschen Meister Dürer kennen zu lernen. Und nun, um sein Bild zu vervollständigen, sollten wir die Stadt sehen, in der er gelebt und geschaffen hat. Nürnberg.— Am Nachmittag nach unsrer Ankunft gingen wir zunächst an den mittelalterlichen Befestigungen der Stadt entlang westwärts nach der Burg, um uns von dort einen Ueberblick auf die Stadt zu verschaffen. Es fiel uns sogleich der eigenartige Schattenriß der beiden Hauptkirchen, S. Sebald und S. Lorenz auf. Das Dach scheint nach Westen zu eingesunken. In Wirklichkeit wurde der Chor erhöht wie bei einer Hallenkirche, während das Langhaus
die Form einer dreischiffigen Basilika behielt.— Wir sehen uns auf dem Schloß noch die Folterkammer an und staunen, wie grausam der Mensch sein kann.— Von der Burg herunter kommen wir zum Dürer-
haus, einem stattlichen Fachwerkbau. In dem Haus selbst eine fast zu reichliche Ausstellung der graphi- schen Arbeiten Dürers. Doch die übrige Einrichtung hilft uns, den Meister in seinem fleim uns vorzu- stellen.— An dem Markt mit seinem„Schönen Brunnen“ und der spätgotischen Frauenkirche vorbei über eine reizende Pegnitzbrücke gelangen wir zur Kirche S. Lorenz.— Im Chor hängt der„englische Gruß“ von Yeit Stofi. Ein runder Rosenkranz, auf dem Mariae Freuden in einzelhen Bildern dargestellt sind. In der Mitte überlebensgroß die Verkündigung. Das Ganze wirkt fast etwas barock und paftt nicht ganz zu der hochstrebenden Kirche. Ganz anders dagegen das Sakramentshäuschen von Adam Kraft, ein wunder- volles Spiel der Spätgotik. An der Säule wächt es empor, wie das Efeu an der Eiche, den Blick unwill- kürlich mit sich hinaufziehend. Nicht begnügt es sich bis zur Decke heraufzuschießen wie ein Spring- brunnen, sondern sich der Wölbung anschließend löst es sich in einer spielerischen Ranke auf. Das Ganze ist getragen von drei knicenden Gestalten, dem Meister mit seinen beiden Gesellen.— Allmählich füllt die Dämmerung die weiten Hallen. Nur hinten im Chor brennt ein Licht. Wir sehen es nicht, nur seinen Widerschein auf den Gesichtern der dunklen Gestalten im Chorgestühl. Nun hebt die Orgel an. Frst klagend und fragend, dann freudiger, doch noch zagend, und mit froher starker Gewißheit endend. Bach.
Am nächsten Vormittag besuchen wir die Dürerausstellung. Unter den Originalen ist hervorzuheben das feine Selbstbildnis aus der Pinakothek, das mit der Jahreszahl 1500 gezeichnet ist. Das Rosenkranz- fest, ein Bild von leuchtenden Farben, durchzogen von Freude und Jubel. Leider ist es sehr stark und stümpferhaft übermalt.— Madonna mit der Birne, die zarte Mutter mit dem prächtigen Buben. Die betende Madonna, in starken Farben. Und wie sie alle noch heißen die innigen Madonnenbilder. Dort ist auch das Allerheiligenbild, mit seinem klaren abgewogenen Aufbau. In den Nebenräumen sind Studien und Zeichnungen, die uns einen Begriff geben von der fleißigen Arbeit des Meisters. Am bekanntesten unter ihnen sind wohl die betenden Hände, eine Studie für den Hellerschen Altar.— Auch die Nürnberger Madonna sehen wir, eine Lindenholzplastik aus dem Anfang des 16ten Jahrhunderts. Das Stück, dessen Schöpfer unbekannt ist, gehörte wohl zu einer Kreuzigungsgruppe. Am Nachmittag gehen wir zunächst zur Kirche St. Sebald. Sie hat denselben merkwürdigen Auf- und Grundriß wie die Lorenzkirche. In der Nitte des Chores steht das Sebaldusgrab, eine Arbeit des Erzgießers Peter Vischer. An dem Grab sind viele hübsche Einzelhieiten, die ganz dem Geist der Renaissance entsprechen. Doch das Ganze gewährt kein befriedigendes Bild infolge des Abschlusses durch 3 Stufenpyramiden, die nicht der Gotik entspre- chen. die doch die Grundform des Grabes ausmacht. An der Nordwand des Ostchores die Mitteltafel des Tucheraltars von Hans von Kulmbach, einem Schüler Dürers, stark unter dem Einfluß der Renaissance. lim Wesichor ein Altarwerk aus vordürerischer Zeit.— Auf dem Spitalmarkt sehen wir einen mittel- alterlichen Tanz der Böttcherzunft. Der ganze Tan⸗ bewegt sich um den Zunftmeister, der in der Mitte des Platzes auf einem Faß steht. Ein hübsches Bild. das noch durch seine Umgebung, die hochgiebeligen Häuser und eine alte Kirche, gewinnt. Am nächsten Morgen, Sonntag, gehen wir an den Kreuzwegstationen Adam Krafts, deren Entfernungen ein frommer Pilger im heiligen Land abgemessen haben soll, vorbei nach dem Johannesfriedhof. Dort ist das Grab Dürers. Eine einfache Steinplatte mit einer Metalltafel, darauf die Inschrift, die sein Freund Pirkheimer ihm setzte. So hatte unsre Nürnbergfahrt einen würdigen Abschlufß gefunden. Unser Führer war Herr Dr. Brannstein, der Leiter unsrer kunstgeschichtlichen Ar- beitsgemeinschaft. Ein besonderes Glüdk war es, daß Herr Dr. Gebhardt, der bekannte Spinozaforscher und Kenner der deutschen Geistesgeschichte, uns begleitete und unsern Führer ablöste und ergänzte.
(Cl. Weiler, UI.)
An der städtischen Frühstücksspeisung nahmen durchschnittlich 60 Schüler teil. Schüler teil..
Dank der Erholungsfürsorge des städtischen Jugendamtes und der Zentrale für private Fürsorge konnte wieder mehreren Schülern ein billiger vierwöchiger Erholungsurlaub ge- währt werden.
Als Schularzt nahm auch in diesem Jahr ehrenamtlich Herr Dr. Münch die regel- mäſtigen und auch besondere Untersuchungen der Schüler vor. Für seine stets bereite und freundliche Arbeit im Dienste der Schule sei ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt. Die Jugendsichtungsstelle der Stadt unter Herrn Medizinalrat Dr. Fürstenheim leistete uns in
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