Jahrgang 
1929
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Hier sehen wir im rechten Bühnenbogen Elisabeth im Gespräch mit ihrer Schwiegermutter. Im linken Seitenbogen ist Ludwig in Unterredung mit Konrad über seine Gemahlin. In einem dritten Auf- tritt auf der Hauptbühne sind Plisabeth, Ludwig und Konrad vereinigt. Der Landgraf will nach Italien ziehen. Er nimmt Abschied von der geliebten Gattin und stellt sie unter die Obhut des strengen Beichtvaters.

2. Akt: Schwere Zeiten heben für die Fürstin an. Eine Hungersnot bricht über das Land. Mit der Not wächst die Empörung. Warum hilft Elisabeth nicht? Eine Szene im Hauptbogen gibt uns Aufschluf. Elisabeth kämpft mit Konrad einen bitteren Kampf. Der Priester will Vernunft walten, sie die Liebe ge- bieten lassen. Vor der Burg tobt die hungrige Masse, von Raspe selbst in ihren niedrigsten Instinkten aufgepeitscht. Da entsetzt prallen die Rebellen zurück. Die Fürstin steht vor ihnen. Dièe Liebe hat über den Gehorsam gesiegt. Unter die HIungernden wird Brot verteilt. Die Vorratskammern werden geöffnet. Ein jeder erhält.

Im folgenden 2. Zwischenspiel läftt sich Ludwig von seinem Kanzler Bericht erstatten. Hier ver- nimmt er von dem Tun und Handeln Elisabeths. Der Landgraf ist tief erregt. Er sieht, Elisabeth hat auf einen Hlöheren gehört und Ludwig fügt sich seinem Gotte. Unterdessen tritt in festlichem Schmud Elisabeth ein. IIerzlich ist die Begrüßung der beiden Gatten. Plötzlich zieht Elisabeth etwas aus des Land- grafen Wamstasche. Ein jäher Aufschrei Elisabeths Händen entgleitet ein weiſtes Linnen und darauf ist ein schwarzes Kreuz. In stillem, furchtbarem Weh sinkt sie zu des Gatten Füßen. der aber bleibt fest und geht.

Im 5. Akt schauen wir dem feierlichen Abschied der Kreuzfahrer zu. Auf des Landgrafen Wunsch wird die Passionsgeschichte Christi kurz von einigen Personen der IHofgesellschaft dargestellt. Trompeten- stöfie mahnen die Ritter an ihre Pflicht. Die Abschiedsstunde hat geschlagen.

Nachspiel: Die Angehörigen der Kreuzfahrer rufen Gott um Schutz und Beistand an. Nochmals öffnet sich das lauptportal der Bühne und herab kommt Elisabeth. Allen fürstlichen Schmuck hat sie abgelegt. Ludwig ist tot. Für Elisabeth eröffnet sich nun ein neues Leben rastloser Liebestätigkeit und Aufopferung für ihre armen Brüder und Schwestern. Alles Irdische tief unter sich lassend, steigt sie mit ihnen zu der strahlenden flöhe des Kreuzes empor.(Höchst. OIIb.)

Thüringenfahrt der Ol.

Unsre diesjährige Studienfahrt war sehr vielseitig. Daft sie trotzdem nicht anstrengend war, lag an ihrem geschickten Aufbau. Der Besuch der Schillerfestspielwoche war eingerahmt von dem Besuch des nordöstlichen und des nordwestlichen Teiles Thüringens. Geographische, kultur- und kunstgeschichtliche interessen kamen gleichzeitig zu ihrem Recht.

In Jena begannen wir mit unsren Studien: Vom Dache der Jugendherberge(sie ist mustergültig!) aus orientierten wir uns in der Landschaft, vom Bismarckturme schauten wir mit dem Fernrohr zu den Schlachtfeldern Napoleons, und in der Universität studierten wir die Anfänge des Expressio- nismus an IodlersKuszug der Freiwilligen. Ein langer Spaziergang durch die Stadt erinnerte häufig durch Denkmäler und Jahrestafeln an deutsche Geistesgrößten, die hier gelebt hatten.

Das Saaletal zwischen Jena und Naumburg wurde bei klarem Wetter von der Kunitzburg aus bewundert und zwei Stationen weiter die drei Schlösser Dornburg besucht.

In Naumburg führte uns der Morgenspaziergang durch die äuftere und innere Stadt zum Dome. Wenn diesem auch der ganze Vormittag gewidmet war, so muften wir uns doch damit begnügen, lediglich einen Eindruck mitzunehmen, der allerdings durch die ausgezeichnete Führung des Herrn Stu- dienrats Linhs gewaltig wurde. Wenn man nur eine geschichtliche Erklärung von dem spätromanischen Bauwerk, dem Lettner im Innern und den Stifterfiguren im Westchor erwartet hatte, so wurde man angenehm enttäuscht. Das rein Künstlerische kam so sehr bei der Würdigung zu seinem Recht, daß wohl jeden eine kleine Ahnung überlief, was überhaupt Kunst bedeutet, und werUte nur einen Augenblick mit Verständnis betrachtet hat, mußte begreifen, weshalb man diese Naumburger Stifterfiguren die Hoch- blüte der mittelalterlichen Plastik genannt hat.

Der Weg nach Weimar führte über die Rudelsburg und Schulpforta.

Weimar konnten wir erleben, weil wir darin lebten: Wir wohnten in Privatquartieren, trafen untereinander Verabredungen und kauften uns das Abendbrot selbst ein. So fiel der innere Zwang und die Unruhe, die man bei Besichtigungen so unangenehm verspürt, weg und trug wohl hauptsächlich dazu bei, uns demGeiste Weimars nahe zu bringen. Es gibt wohl kaum eine zweite Stadt, die den Geist eines ihrer großten Toten noch nach drei Menschenaltern so sehr atmet, wie Weimar. Ueberall hin beglei- tete uns Goethes Andenken. Wer Coethe liebt, mufte sich hier wohlfühlen. Auch wir fühlten uns wohl auf den Spaziergängen an der IIl. beim Kaffeetrinken auf Schulkosten in Tiefurt und in den Filz- pantoffeln in Belvedere. Hlier draußten unterhielt Goethe die Hofgesellschaft und konstruierte Freilicht- bühnen, Irrgärten und einTischlein-deck-dich, im Weimarer-Wohnhaus saß er im stillen Arbeitszimmer, kramte in seiner Bibliothek oder machte Versuche im Laboratorium. Wir staunten über seine Vielseitig- keit und gewannen die Erkenntnis, daß ein fähiger Mensch in seinem Leben unglaublich viel leisten kann. Schillers Sterbezimmer erweckte wehmütige Gefühle. Der Besuch von Bibliothek, Schloft, Wittumspalais, Prellergalerie und dergl. war jedem freigestellt. Abends trafen wir uns im Theater. Die Festwoche endete mit einem Fackelzug aller Teilnehmer und mit der Aufforderung, diese grofte Zeit des deutschen Geistes- lebens, dessen Mittelpunkt Weimar war, nicht zu vergessen.

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