Jahrgang 
1895
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III. Chronik der Schule.

1. Schulzeit und Unterbrechung des Unterrichts. Gesundheitszustand.

Das Schuljahr wurde Montag, den 2. April, eröffnet und wird Sonnabend, den 6. April, geschlossen. Abgesehen von den Ferien, die in die herkömmlichen Zeiten fielen, erlitt der regelmäſsige Unterrichtsgang auch in diesem Jahre bemerkenswerte gröſsere Störungen durch Erkrankung und Beurlaubung von Lehrern. Nach den Sommerferien muſste Lehrer Schultheis seinen Unterricht wegen Krankheit 4 Wochen lang aussetzen, und. sein Gesundheitszustand machte auch nachher bis zum Herbste noch teilweise Vertretung nötig. Im Winter war Lehrer Jünemann durch Krankheit fast das ganze Halbjahr an Er- füllung seiner Berufspflichten verhindert, und Oberlehrer Dr. Werner muſste aus dem gleichen Grunde vom 6. November bis zum Ende des Quartals vertreten werden. Auch der zur teilweisen Vertretung des technischen Lehrers Jünemann der Anstalt überwiesene Hilfslehrer Angersbach konnte seit dem 18. Februar die übernommenen Turnstunden in- folge eines Unfalls nicht weiter erteilen.

Beurlaubt waren Prof. Wolff in seiner Eigenschaft als Mitglied der Limes- kommission 2 Monate, Oberlehrer Degenhardt und Lehrer Sauer je 4 Wochen wegen Einberufung zu einer militärischen Dienstleistung.

Ausgesetzt wurde der Unterricht ganz am 2. Mai, weil an diesem Tage die 19. Hauptversammlung des Provinzialvereins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten in unserer Aula abgehalten wurde, und am 17. Mai wegen Teilnahme einer groſsen Anzahl Lehrer an dem hier tagenden evangelisch-sozialen Kongresse. Auſserdem wurde den Schülern an mehreren Nachmittagen im Winter zur Förderung des Schlittschuhlaufens freigegeben.

Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen nicht ungünstig. Leider hatten wir aber den Tod zweier braver Schüler zu beklagen, des Quartaners Julius Sichel, der am 10. Januar nach kurzem Kranksein einer Blutvergiftung erlag, und des Sextaners Paul Rasch, der am 21. Februar nach längeren Leiden an einer Nach- krankheit der Diphtheritis starb. Die Schule verlor an beiden Knaben recht begabte und fleiſsige Schüler, die sich durch ihr ganzes Wesen die volle Zufriedenheit ihrer Lehrer und die warme Zuneigung ihrer Kameraden erworben hatten. Ihre Klassen gaben ihnen

das letzte Geleit. 3*