Jahrgang 
1895
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2. Veränderungen im Lehrerkollegium.

Während der Osterferien wurde Oberlehrer Dr. Linz an das Gymnasium zu Ratibor versetzt. An seine Stelle kam aus Ratibor Oberlehrer Dr. Werner.* Die Ver- tretung des Oberlehrers Degenhardt übernahm im Juni der schon früher einmal an unserer Schule beschäftigte Hilfslehrer Angersbach. Für August und September wurde zur Vertretung des Prof. Wolff Hilfslehrer Dietz der Anstalt überwiesen. Mit Schlufs des Sommerhalbjahrs schieden lnach Ableistung ihres Probejahrs aus dem Lehrkörper aus die Kandidaten Armbröster, Fuckel und Schnädter. Die Turnstunden des er- krankten technischen Lehrers Jünemann errteilte im Winter anfangs Hilfslehrer Angersbach, dann Kandidat Temme.

Mit Ende des Schuljahres wird Prof. Dr. Langsdorf unsere Anstalt verlassen, um einer Berufung als Direktor an das Königliche Gymnasium in Dillenburg zu folgen. Wir sehen ihn mit lebhaftem Bedauern aus dem Verbande des Kollegs scheiden, denn wir verlieren an ihm einen Kollegen, der seit Gründung unserer Schule ihr in Treue seine Krâfte gewidmet hat und durch seine trefflichen Eigenschaften als Mensch und als Lehrer sich bei seinen Amtsgenossen und Schülern allgemeine Achtung und Liebe zu erwerben

gewuſst hat. 3. Schulfeste und Ahnliches.

Das sogenannte Maifest wurde am 31. Mai von sämtlichen Klassen durch Ausflüge in die Umgegend gefeiert.

Die vaterländischen Gedenktage, der 15. Juni, der 18. Oktober, der 9. und der 22. März wurden in herkömmlicher Weise mit Andacht und Vorträgen begangen. Am Sedantage hielt Dr. Handwerck einen Vortrag in der Aula über den deutschen Kultur- einfluſs auf Frankreich. Zur Vorfeier des Geburtsfestes Sr. MajestâÄt des Kaisers wurde am 26. Januar in der festlich geschmückten Aula ein Schulakt mit Gesang und Deklamation abgehalten. In der Festrede behandelte Oberlehrer Degenhardt die Entwicklung des deutschen Turnwesens in diesem Jahrhundert.

Am 1. und 2. März fand in der Aula eine theatralische Aufführung von Schülern der Anstalt unter gütiger Mitwirkung der Damen Fräulein Therese und Auguste Wolf, der Schwestern eines unserer mitwirkenden Schüler, statt, bei welcher Philotas von Lessing, le diplomate par Scribe und ein Schwank von Hans Sachs, der Teufel mit dem

* Dr. Wihelm Werner, geboren am 14. August 1858 zu Sandershausen bei Cassel, katholischer Konfession, wurde vorgebildet auf dem Gymnasium zu Fulda, das er Ostern 1879 mit dem Zeugnis der Reife verließ, um aut der Universität Marburg Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren. Daselbst bestand er am 6. Juli 1883 das Examen pro facultate docendi und erwarb sich ebendaselbst am 18. April 1886 die philosophische Doktorwürde. Sein Probejahr absolvierte er von Michaelis 1883 bis Michaelis 1884 am Königl. Gymnasium zu Ratibor und wirkte darauf von Michaelis 1884 bis Ostern 1894 als ordentlicher Lehrer resp. Oberlehrer an derselben Anstalt. Im Druck ist von ihm erschienen:Beiträge zur Theorie der Bewegung eines materiellen Punktes auf Rotationsflächen mit spezieller Anwendung auf das Rotationsparaboloid. Programm 1886. Ratibor.