Jahrgang 
1915
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Schuldienſt entſtanden waren, oder um Privatſtellungen anzunehmen. Bis Weihnachten 1914 ver⸗ blieb bei uns Frl. Wilhelmine Blume, die bis Ende November ebenfalls unentgeltlich aus⸗ geholfen hatte und erſt ſeit dem 1. Dezember gegen Vergütung verwendet war. Zur Weihnachts⸗ zeit ſiedelte ſie nach Leipzig über. Am 1. Dezember erhielt auch Frl. Lina Lehr, die bis dahin ebenfalls unentgeltlich gearbeitet hatte, eine der Zahl ihrer Unterrichtsſtunden angemeſſene Vergütung. Daß uns Profeſſor Dr. Kunz ſeine bewährte Kraft dauernd gewidmet hat, dürfen wir als einen Segen für unſere Schule betrachten. Ihm, wie allen, die uns ſo uneigennützig in dieſer ſchweren Zeit ihre Hilfsbereitſchaft bewieſen haben, ſagen wir hiermit herzlichen Dank.

Nachdem Oberlehrer Mangold zur Fahne einberufen war, wurde uns mit Beginn des Winterhalbjahres Frl. Karola Weber als Erſatz zugewieſen. Nach dem Abgang des Pro⸗ feſſors Dr. Helmsdörfer und des Frl. Blume wurde Frl. Thereſe Reutermit 11 Wochen⸗ ſtunden an unſerer Schule verwendet.

An die endgültig angeſtellten und voll verwendeten Mitglieder des Lehrkörpers mußten in der Kriegszeit erhöhte Anforderungen geſtellt werden. Für Prof. Praetorius und Aſſeſſor Müller haben wir ja nur teilweiſe Erſatz erhalten, desgleichen für Prof. Dr. Helmsdörfer und Oberlehrer Mangold. Der Ausfall dieſer vier Oberlehrer machte, da für ſie akademiſch ge⸗ bildete Lehrkräfte als Erſatz nicht verfügbar waren, manche Schiebungen in der Unterrichtsvertei⸗ lung ſowie die Vereinigung von Parallelklaſſen(namentlich im mathematiſchen und naturkund⸗ lichen Unterricht) notwendig. Die Stelle des Geſanglehrers iſt bis jetzt unbeſetzt geblieben, und die Geſangsſtunden mußten durch andere Unterrichtsſtunden erſetzt werden, die zumeiſt den Klaſſenvorſtänden zugefallen ſind.

Beſichtigungen, Beſuche, Schulfeſte und Prüfungen. Geh. Oberſchulrat Block be⸗

ehrte die Schule am 11. und 16. Dezember 1914 mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unter⸗ richte verſchiedener Klaſſen bei. Im Turnen wurden einige Klaſſen am 12. und 17. Februar 1915 von Herrn Schulrat Schmuck beſichtigt. Am 22. Mai 1914 beſuchte uns Poofeſſor Dr. Lazlo Matolcſy aus Raab, der im Auftrage der Königl. Ungariſchen Regierung eine Studienreiſe nach Deutſchland unternommen hatte..

Unſeres Landesherrn Geburtsfeſt feierten wir in den einzelnen Klaſſen. Zur Vorfeier des Geburtstages unſeres Kaiſers vereinigten ſich Seminar, Studienanſtalt und die fünf älteſten Jahrgänge der Schule am 26. Januar zu einer Feſtandacht in unſerer Turn⸗ halle. Der Feſtredner, Prof. Kunkel, fand ergreifende Worte zur Würdigung unſeres ge⸗ liebten Kaiſers und ſeiner Haltung und Wirkſamkeit in der großen und ſchweren Zeit.

Die diesjährige Fachprüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchen⸗ ſchulen, zu welcher ſich alle 18 Schülerinnen der oberſten Seminarklaſſe gemeldet hatten, begann am 7. Januar. Das Thema der pädagogiſchen Hausarbeit, welches an dieſem Tage geſtellt wurde, lautete:Auf Rouſſeaus Spuren an heimatkundlichem Unterricht. Die Lehrproben wurden am 1. März abgehalten. Von der mündlichen Prüfung, die am 2. März ſtattfand, waren 12 Semi⸗ nariſtinnen ganz befreit. Alle 18 Prüflinge erhielten das Zeugnis der Befähigung für das Lehr⸗ amt an höheren Mädchenſchulen.

Für die wiſſenſchaftliche Abſchlußprüfung meldeten ſich alle 25 Schülerinnen der 2. Seminarklaſſe. Sie erhielten ſämtlich die Zulaſſung. Die ſchriftliche Prüfung fand am 2., 3., 4. und 5. Februar 1915 ſtatt. Von der mündlichen Prüfung, die am 23. Februar abge⸗ halten wurde, waren 14 Schülerinnen ganz befreit. Sämtliche Prüflinge haben beſtanden. Einen Preis erhielten Luiſe Felſing und Ruth Schäfer. In beiden Prüfungen führte Herr Geh. Oberſchulrat Block den Vorſitz.

Kriegsfürſorge. In den erſten Mobilmachungstagen forderten wir in den hieſigen Blättern unſere älteren Schülerinnen auf,in dieſen ernſten und arbeitsreichen Tagen ihre jungen Kräfte in den Dienſt des Vaterlandes zu ſtellen. Faſt alle in Betracht kommenden Zöglinge folgten freudig dieſem Aufruf und meldeten ſich bei der hieſigenFrauenhilfe oderJugendhilfe. Sie fanden Verwendung bei der Verpflegung der durchkommenden Truppen auf den Bahnhöfen, bei Einbringung der Ernte, im Botendienſte als Radfahrerinnen, in Kinderhorten. Auch die aus⸗ wärtigen Schülerinnen taten an ihren Heimatorten, ſoviel ihnen möglich war. Nach Ablauf der Sommerferien begann der Unterricht. Auf Grund behördlicher Anordnung wurden einzelne Schü⸗ lerinnen ganz oder zeitweiſe vom Unterricht befreit, wenn ſie den Nachweis erbrachten, daß ſie