— 16—
regelmäßig mit Kriegsfürſorgearbeiten beſchäftigt ſeien. Das Angebot an freiwilligen Hilfskräften erwies ſich indeſſen als ſo beträchtlich, daß nur wenig Schülerinnen am regelmäßigen Schulbeſuch verhindert wurden. Für den Botendienſt der„Frauenhilfe“ wurden Schichten gebildet, die ſich im Dienſt ablöſten, ſodaß für die einzelnen Schülerinnen nur einmal wöchentlich der Unterricht ausfiel. Von den Mitgliedern der oberſten Seminarklaſſe hatten ſich einige als Hilfslehrerinnen hieſigen und auswärtigen Schulleitern zur Verfügung geſtellt. Indeſſen blieben nur zwei dieſer Seminariſtinnen länger als einen Monat im Schuldienſt beſchäftigt.
Alsbald nach Ablauf der Sommerferien wurden unter möglichſter Beſchränkung des übrigen Nachmittagsunterrichts für vier Nachmittage der Woche je 2—3 Handarbeitsſtunden ein⸗ gerichtet. Die Teilnahme hieran war freiwillig. Die einzelnen Klaſſengruppen wechſelten an den ver⸗ ſchiedenen Tagen ab. Dieſe freiwillig ſtark beſuchten Stunden dienten der Anfertigung von Verband⸗ zeug und Ausſtattungsgegenſtänden für hieſige und auswärtige Lazarette und für Lazarett⸗ züge, aber auch von warmen Kleidungsſtücken für unſer tapferes Heer. Mit Geduld, Geſchick und Verſtändnis gingen unſere Handarbeitslehrerinnen, von einigen wiſſenſchaftlichen Lehrerinnen treu⸗ lich unterſtützt, ans Werk. Für die Beſchaffung von Stoff ſorgte ein Aufruf an die Eltern un⸗ ſerer Schülerinnen, der einen ungemein reichen Ertrag an Leinenzeug u. a. Dingen ergab, und die Sammlung freiwilliger Geldbeiträge. In glänzendſtem Lichte zeigte ſich die Opferwillig⸗ keit des Elternhauſes in der Unmenge von Spenden für unſere Weihnachtſendungen ins Feld. An 16 verſchiedene Truppenteile in Weſt und Oſt konnte die Schule Weihnachts⸗ gaben verſenden. Sie waren in 40 Kiſten verpackt. Deutlicher als der Dank, den wir hier den Eltern unſerer Schülerinnen und dieſen ſelbſt ſowie unſeren lieben Amtsgenoſſinnen zollen, ſprechen die wahrhaft rührenden Beweiſe der Dankbarkeit, die von Seiten der beſchenkten Truppenteile und von einzelnen Soldaten der Schule und den Schülerinnen inzwiſchen zugegangen ſind. Tiefer denn je haben wir in dieſem Winter emp⸗ funden, daß Geben ſeliger iſt als Nehmen. Für die Armen unſerer Stadt wurde im Spät⸗ herbſt 1914 eine Sammlung veranſtaltet, deren Ergebnis wir an die Sammelſtelle in der Hermannsſtraße ablieferten. Freiwillige Spenden von Lehrerinnen, Schülerinnen und deren Eltern ſetzten uns in den Stand, für eine Anzahl von Kindern bedürftiger Familien in unſerem Schulgebäude eine kleine Weihnachtsbeſcherung zu veranſtalten und die Kleinen mit warmen Kleidungsſtücken auszuſtatten, welche einige Lehrerinnen und ältere Schülerinnen an⸗ gefertigt hatten. Schon vorher hatten manche Kinder ihre im Schulunterricht genähten Kinderhemdchen der hieſigen Krippe geſchenkt. Seit Neujahr 1915 iſt die freiwillige Näh⸗ und Strickarbeit auf zwei Nachmittage beſchränkt, da unſere Stoffſammlung naturgemäß allmählich knapp geworden iſt. Immerhin gedenken wir mit unſerer gemeinnützigen Arbeit getreulich fort⸗ zufahren und nehmen weitere Zuwendungen für dieſen Zweck gern und dankbar entgegen. Bis Neujahr 1915*) haben wir Folgendes an Lazarette und an Truppenteile geliefert:
Bettücher 56 St. Halsbinden 228 St. Kiſſenbezüge 155„ Deckbettbezüge 18„ Handtücher 405„ Taſchentücher 845„ Mundtücher 369„ Wundbinden 1667„ Halstücher 260„ Waſchlappen 1522„ Hemden 196„ Socken und Strümpfe 740 Paar Unterhoſen 53„ Kniewärmer 55„ Unterjacken 37„ Gamaſchen 1„ Bettunterlagen 61, Beinlängen 2*5, Spreuliſſen 1483„ Inſtrumententücher 234 St. Ohrenwärmer 423„ Spreukiſſenbezüge 305„ Topflappen 105„ Schlummerrollen 50„ Fußſchlüpfer 10 Paar Schlummerrollenbezüge 129„ Pulswärmer 476„ Tiſchdecken 2*„
*) Seitdem ſind u. v. a. etwa 30 Wolldecken angefertigt und zahlreiche Wollhandſchuhe ge⸗ ſtrickt worden. 1


