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ſeins nahe geweſen iſt, weiß, wie ſeine Seele von dem einzigen Gedanken erfüllt war, vor dem Feinde ſeinen Mann zu ſtehen. Als lieber Amtsgenoſſe, der durch ſein beſcheidenes Weſen leicht die Herzen gewann, als kenntnisreicher, vielverſprechender Lehrer, als treuer und gütiger Förderer der ihm anvertrauten Jugend lebt er fort in unſerm Gedächtnis.
Reallehrer Nehrbaß wurde als Landſturmmann im Auguſt und im Anfang September im hieſigen Wachtdienſt verwendet, am 4. September aber aus Geſundheitsrückſichten beurlaubt, ſodaß er ſeither ſeinen Unterricht hat erteilen können.
Die Lehramtsreferendare Dr. Stotz und Finkenwirth traten ſofort nach Ausbruch des Krieges als Kriegsfreiwillige in das hieſige Feldartillerie⸗-Regiment Nr. 61 ein und wurden in die Erſatzbatterien dieſes Truppenteils eingereiht, die auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz im Kampfe ſtehen. Von ihnen haben wir gute Nachricht. Oberlehrer MNangold wurde am 7. Oktober 1914 als Erſatzreſerviſt eingezogen und nach vollendeter Ausbildung im Januar 1915 auf dem weſt⸗ lichen Kriegsſchauplatz der 10. Kompagnie des Landwehr⸗Infanterie⸗Regiments Nr. 116 zugeteilt. Eine echte deutſche Soldatennatur iſt er friſch und mutig, voll mannhafter Begeiſterung für die gute Sache hinausgezogen. Schon am 12. Februar 1915 traf ihn in der Champagne das tödliche Geſchoß. Er fand bei Somme⸗Py ſeine letzte Ruheſtätte. Viel hat die Schule in ihm verloren: einen Lehrer von reichſter Bildung des Verſtandes und Gemüts und von ungemeiner Lehrbegabung, aber auch einen prächtigen, lieben Menſchen, dem wir alle, Lehrer und Schülerinnen, in Liebe zu⸗ getan waren. Die Erinnerung an ihn ſoll uns heilig ſein und bleiben. Unſeren lieben noch im Felde ſtehenden Amtsbrüdern wünſchen wir aus tiefſtem Herzen Gottes Schutz und eine glückliche Heimkehr.
Oberlehrer Schuchmann widmete ſich in den erſten Kriegswochen ausſchließlich dem Dienſte des Heſſ. Landesvereins vom Roten Kreuz, nahm dann aber ſeinen Unterricht wieder auf.
Am 16. September erkrankte unſer Geſanglehrer, Hofkonzertmeiſter Wenzel Petr. Er ſollte nicht mehr in ſeine geliebte Schule zurückkehren. Am 5. November 1914 erlöſte ihn der Tod von ſeinem Leiden. Die Beiſetzung erfolgte am 7. November. Im Namen aller Amtsgenoſſen und Amtsgenoſſinnen legte der Direktor einen Kranz an dem Grabe nieder. Der Verewigte war ein echter, feinfühliger Künſtler, von idealem Streben beſeelt, dabei tief beſcheiden, zu Freund⸗ ſchaftsdienſten ſtets bereit, ein Mann, dem niemand gram ſein konnte, deſſen die Amtsgenoſſen wie die Schülerinnen in Liebe gedenken werden. An unſerer Schule war er ſeit Herbſt 1891 tätig. Frl. Fuchs ſah ſich durch Krankheit genötigt, vom 26. September ihren Unterricht aus⸗ zuſetzen und im Anſchluß an die Herbſtferien einen vierzehntägigen Urlaub zu erbitten. In ihren Handarbeitsunterricht teilten ſich nach den Herbſtferien Frl. Malſy, Frl. Paula Bauer und Frl. Lina Darmſtädter. Für dieſe ihre freiwillige und unentgeltliche Hilfeleiſtung ſei ihnen hier herzlichſt gedankt.
Am 10. November 1914 erkrankte Profeſſor Dr. Helmsdörfer. Bald darauf erſuchte er die Behörde um Verſetzung in den Ruheſtand, da ſein Geſundheitszuſtand den Wiedereintritt in den alten Pflichtenkreis nicht zu geſtatten ſchien. Seinem Geſuche wurde entſprochen: Mit Wirkung vom 16. Dezember wurde er unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipp des Großmütigen in den Ruheſtand verſetzt. 22 Jahre hat Profeſſor Dr. Helmsdörfer unſerer Schule ſeine beſte Kraft gewidmet. Gediegenes Wiſſen, außerordentliche Lehrbegabung, eine verſtändige, zielſichere Lehrweiſe, die auch in ſeinen letzten Dienſtjahren nichts von ihrer köſtlichen Friſche verlor, zeichneten ihn aus. Er wußte ſeine Schülerinnen im Unterricht ſtets zu feſſeln, ſie zu folgerichtigem Denken und zum natürlichen und verſtändigen Ausdruck ihrer Gedanken in Wort und Schrift zu erziehen. Die Lehrerinnen, die aus ſeiner Schule hervorgegangen ſind, wiſſen zu ſchätzen, was ſie dem Unterricht des trefflichen Lehrers verdanken. Seine charaktervolle, eigenſtändige Perſönlichkeit ſichert ihm auch die Achtung und Verehrung ſeiner Amtsgenoſſen. Möge ihm ein ſchöner Lebensabend beſchieden ſein!
Nach Ausbruch des Krieges ſtellten ſich uns zunächſt, wie wir dankbarſt hiermit bezeugen, zahlreiche freiwillige Lehrkräfte zur Verfügung. Von ihnen mußte Dr. Vetter nach 14 tägiger hieſiger Tätigkeit auf ſeinen Poſten im Auslande(die deutſche Schule in Bukareſt) zurückkehren. Auch Frl. Eliſabeth Hasper, Frl. Emilie Haas, Frl. Liſel Follenius, Frl. Elſe Lang und Frl. Eliſabeth Knell verließen uns während oder nach Ablauf des Sommerhalbjahres wieder, um Lücken auszufüllen, die infolge der Einberufung zahlreicher Lehrer im öffentlichen


