Jahrgang 
1907
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Großherzogs Geburtstag beging die Schule festlich am 25. November; Herr Ober- lehrer Professor Dr. Bekker hielt die Festrede und sprach über das Hoftheater in Darmstadt, welches, wie oben erwähnt, nach seinem Umbau am 17. September eingeweiht worden war.

Während der Weihnachtsferien wurde der Lehrplan für Handarbeiten einer gründlichen Durch- sicht unterzogen und namentlich diejenigen feineren Arbeiten entfernt, welche gesunden Augen schädlich sein können. Da die Woche nur zweimal und zwar je ¾ Stunden Handarbeitsunter- richt in jeder Klasse gegeben wird, hoffen wir, daß, nachdem die zu fertigenden Arbeiten von der Medizinalabteilung Großh. Ministeriums geprüft und als einwandfrei für gesunde Augen erklärt worden sind, nur in wirklich dringenden Fällen um Dispensation von diesem wichtigen Fach nachgesucht wird, welche auf ein ärztliches Zeugnis hin erteilt werden kann. Da die Wünsche um vollständige Umformung dieses Unterrichts so sehr von einander abweichen, daß sie sich in vielen Punkten widersprechen, konnten wir uns zur Zeit nicht entschließen, von Arbeiten abzusehen, die wohl aus einem Teile der besser gestellten Familien verschwunden sind, wie z. B. Stricken. Bei einer Nachfrage über das Stricken ergab sich z. B., daß in kaum 4% aller Familien diese Kunst nicht mehr ausgeübt wird.

Was den Turnunterricht, das Lawn-Tennis und die Bewegungsspiele anbelangt, so bitten wir die verehrten Eltern darauf zu sehen, daß die Mädchen in Kleidungen erscheinen, welche eine freie Bewegung durchaus gestatten.

Kaisers Geburtstag wurde am 27. Januar festlich durch Gesänge und Vorträge der Schülerinnen begangen, wobei die Dichter der Befreiungskriege besondere Berücksichtigung fanden und Herr Oberlehrer Dr. Bergmann die verbindenden Erklärungen übernommen hatte.

Am 1. Februar beteiligte sich das Lehrerkollegium an dem Begräbnisse Sr. Exzellenz des Herrn Staatsministers Dr. Rothe, der am 20. Januar gestorben war; der Unterricht fiel deshalb teilweise aus.

Die schriftliche Prüfung des Seminars fand vom 19.22. Februar statt, die Lehrproben wurden am 19. März gehalten, im Wandtafelzeichnen und Turnen wurde am 20. März geprüft, am 21. März fand die mündliche Prüfung im Beisein des Herrn Geheimerats Dr. Eisen- huth statt.

Aus der ersten Klasse des Seminars wurden sämtliche 17 Schülerinnen zu der Prüfung zu- gelassen, außerdem nahm eine Dame von auswärts, Frl. Maria Karch, an der Prüfung teil.

Von den Geprüften bestanden:

2 mit der Note I sehr gut, 7 mit der Note II gut, 9 mit der Note III genügend,

und zwar: Frl. Barbara Elisabetha Ensgraber aus Darmstadt, Frl. Wilhelmine Nau aus Darmstadt, Elisabetha Frick 3 5 Maria Raabe Hanau, Clara Grebert 8 Bertha Rinderspacher Niederramstadt, Dora jacobsohn 1 12 Martha Roßler Oießen, Sophie John 1 5 Henriette Sondheimer Darmstadt, Clara Kuhl 1 Emma Stumpf Griesheim b. D., Magdalene Lade Katharina Wickmann Darmstadt, Elisabethe Lincke 5 5, Paula Wiener 9 Ella Menges Worms, Maria Karch Ludwigshafen.

Am 1. März 1906 schlossen die Neuanmeldungen für die 3. Klasse des Seminars; 50 Schülerinnen konnten für die beiden Klassen 3 a und 3 b Aufnahme finden.

Nach einem Beschluß des Kuratoriums sollen in Zukunft nicht mehr als 25 Schülerinnen in eine Seminarklasse aufgenommen werden. Der Zudrang ist so groß, daß wir von Ostern 1906 an fünf, von Ostern 1907 wahrscheinlich sechs(l ab, 2ab, 3 ab) Seminarklassen führen.

Am 8. März 1906 starb die frühere Lehrerin Fräulein B. Römer, an deren Hinscheiden das Kollegium innigen Anteil nahm.

Am 1. April übernahm die Stadt Darmstadt die aus vier Klassen(XVII) bestehende Reinecksche Schule, die der Direktion der Viktoriaschule unterstellt wurde.(s. S. 8).

Am 2. April fanden in Anlehnung an die Enthüllung des Bismarck- Denkmals Klassenfeiern in der Schule zu Ehren des Begründers des deutschen Reiches statt.