Jahrgang 
1907
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Die Entlassung der Ostern 1905 austretenden Schülerinnen erfolgte am 3. Apbril, wobei Herr Oberlehrer Lic. Herrmann ernste Worte des Abschieds sprach und der Unter zeichnete die Prämien aus der Ritsert-, Lichthammer- und Schulrat Dr. Wagner-Stiftung austeilte.

In die Ferien fiel ein freudiges Ereignis. Am 18. April feierte der Senior unserer Lehrer- schaft, Herr Ph. Hartmann, sein 50 jähriges Dienstjubiläum. Eine Abordnung des Kollegiums überreichte unserem liebenswürdigen Amtsgenossen unter herzlichen Glückwünschen als freund- liches Andenken einen Regulator. Se. Königl. Hoheit hatten dem jubilar zu diesem Tage die Krone zum Ritterkreuz II. Klasse des Philippsordens verliehen, welche Auszeichnung Herr Ge- heimerat Dr. Eisenhuth in Begleitung des Vertreters der städtischen Behörden, Herrn Bürgermeister Dr. Glässing, persönlich überreichte.

Am 16. Juni 1906 folgte eine schön verlaufene Feier im Parkhotel für die 3 Jubilare, Herrn Lehrer Hartmann, Herrn Oberlehrer Peters und Herrn Lehrer Oswald, die kurz hintereinander ihr 50 jähriges Dienstjubiläum begehen konnten.

Am 4. April schloß der Unterricht nach der 2. Stunde. Die Anmeldungen für das neue Schul- jahr 1906/7 wurden an diesem Tage in der Viktoriaschule von 101 Uhr entgegengenommen.

1906/07.

Der Unterricht im neuen Schuljahre begann am 22. April 1906 in den 30 Klassen der Viktoriaschule und des Seminars. Hiervon waren 2 Klassen neu errichtet, Sem. 3b und Klasse VIIc. Im Schulhause in der Heinrichstraße befanden sich die 5 Klassen VIc, VIIc, VIIIb, IXb und Xb. Der Anfangsbestand der Schülerinnen in Schule und Seminar belief sich auf 902 (Vorjahr 863), s. Statistik S. 21. Da es nicht gelang, akademisch gebildete Lehrer zu gewinnen, mußten die Herren, die bisher in den Oberklassen der Schule beschäftigt waren, fast ausschließ- lich in das Seminar gezogen werden, sodaß in der Schule überhaupt nur noch 44 Wochen- stunden von akademisch gebildeten Lehrkräften erteilt wurden, was für die Dauer wohl kaum angehen dürfte. Neu angestellt wurden für die Schule provisorisch die Schulverwalterin Frl. Waldnere) und Frl. Seyd'), letztere als Zeichenlehrerin. Die Aufnahmeprüfung für die 3. Klasse des Seminars fand am 25. April statt, diejenige für die Schule vom 23.27. April. In die beiden Unterklassen des Seminars 3a und 3 b wurden nach dem oben erwähnten Beschlusse des Ku ratoriums nur je 25 Schülerinnen aufgenommen.

Am 21. Mai erkrankte die Lehrerin Frl. Reh und mußte für Juni und Juli um Urlaub nachsuchen, doch konnte sie bis zu den Sommerferien, 30. Juni 1906, von den Lehrenden der Schule vertreten werden, ebenso die Lehrerin Frl. Kraft vom 18.30. Juni. Herr Rabbiner Dr. Selver, der schon längere Zeit erkrankt war, mußte leider seinen Unterricht an der Schule ganz aufgeben, und, da erst nach einiger Zeit ein Stellvertreter für die Oberklassen und das Seminar gefunden werden konnte, blieben die israelitischen Schülerinnen dieser Klassen vom 25. Juni bis 9. Oktober ohne Religionsunterricht. Vom 9. Oktober ab war Herr Rabbiner Dr. Salfeld von Mainz so freundlich, diese Stunden zu übernehmen. Während der Sommerferien wurden 16 Schulsäle geweißt. Der Direktor war gesundheitshalber vom 1. August bis 28. September be- urlaubt; während dieser Zeit wurde er von Herrn Oberlehrer Professor Dr. Röll vertreten, der dann selbst vom 7.13. Oktober beurlaubt war.

6) Lebenslauf: Hulda Waldner, geboren am 2. Mai 1880 zu Wasselnheim i. Elsaß, besuchte ein halbes Jahr die dortige Schule, von 1888 an die Volksschule in Worms, von 1891 bis Herbst 1896 die Höhere Mädchen- schule daselbst, trat dann in Kl. I der Viktoriaschule zu Darmstadt über und bestand 1900 das Staatsexamen an dem damit verbundenen Seminar. Ein und ein halbes Jahr hielt sie sich als Erzieherin in Paris auf, wo sie das französische Examen imVerein deutscher Lehrerinnen in Frankreich bestand, war dann ein halbes Jahr Schülerin der Kgl. Kunstgewerbeschule in München. Von Ostern 1902 bis 1904 war sie Schulverwalterin in Griesheim. Dann brachte sie ein Jahr in England zu. Von Ostern 1905 an war sie in Worms als Schulverwalterin tätig. Ostern 1906 wurde sie in gleicher Eigenschaft an die Viktoriaschule berufen.

) Lebenslauf: Maria Seyd, geboren am 2. August 1871 zu Erbach i. O., besuchte nach Absolvierung der Hôheren Mädchenschule zu Bensheim die erste Klasse der Viktoriaschule zu Darmstadt bis Ostern 1887. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie vorzugsweise durch dreijährigen Besuch der Kgl. Zeichenakademie zu Hanau. Später bereitete sie sich teils durch UÜbungs- und Vortragskurse an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, teils privatim auf den Lehrberuf vor und bestand, nachdem sie Ostern 1901 in den Vorbereitungskurs für Zeichenlehrerinnen an der Kunstschule zu Cassel eingetreten war, dort im Juni desselben Jahres die Staats- prüfung für Zeichenlehrerinnen an Höheren Mädchenschulen. Ostern 1902 wurde sie an der Höheren Mädchen- schule zu Mainz provisorisch und im Mai 1904 definitiv als Zeichenlehrerin angestellt. Von Oktober 1905 bis 1. April 1906 war sie zu ihrer künstlerischen Weiterbildung nach München beurlaubt. Seit Ostern 1906 ist sie als Zeichenlehrerin an der Viktoriaschule provisorisch angestellt.