Jahrgang 
1903
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Mit Beginn des Sommerhalbjahres 1901 trat an Stelle der bisherigen Handarbeits- lehrerin, Frau Rapp, welcher der Handarbeitsunterricht an der Städtischen Mädchen- schule III übertragen worden war, Fräulein Sophie Diehl¹) und zwar zunächst in Klasse Va und Vb.

Im Mai konnten Fräulein Müller und Fräulein von Zabern, die im Frühjahr 1876 am I1. April bezw. 15. Mai als Lehrerinnen in die Schule eingetreten waren, den Tag ihrer 25 jährigen Wirksamkeit an unserer Schule, herzlich beglückwünscht von Kollegen und Schülerinnen, begehen.

Am 20. Mai 1901 trat an Stelle des nach Worms versetzten Herrn Kaplans Schàäfer Herr Kaplan Dr. Schneider als Religionslehrer ein.

Am 26. Juni hielt Herr Förmes vor dem hiesigen Turnlehrerverein mit Klasse III eine Probelektion im Turnsaal ab, an die sich eine Besprechung unter Leitung des Herrn Turninspektors Schmuck anschloß.

Wegen Erkrankung mußten im Sommer für längere Zeit Herr Ramge und Fräulein Fuchs von den Kollegen vertreten werden.

Am 27. August beehrte uns Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth mit seinem Besuch und wohnte, wie auch am 23. Oktober 1901, dem Unterricht in Schul- und Seminar- klassen bei.

In den Herbstferien entriß uns am 25. September der Tod eine liebe Schülerin, Amalie Karg, tief betrauert von Lehrern und Schülerinnen. Auch das Lehrerkollegium sollte bald einen schmerzlichen Verlust erleiden. Herr Kollege Geiß, dessen Gesundheits- zustand seit längerer Zeit zu Befürchtungen Anlaß gegeben, sah sich gezwungen, zu Anfang des Winterhalbjahres einen längeren Urlaub zu nehmen, aus dem er nicht wieder zu uns zurückkehren sollte. Seinen Unterricht in Schule und Seminar übernahm zunächst Herr Fuchs, für den vom 7. Oktober 1901 ab Herr Ritz) den Unterricht in den Schul- klassen als Klassenvorstand von IVa erteilte. Für Fräulein Nöllner, welche seit Herbst 1872 den Handarbeitsunterricht an der Viktoriaschule in den Oberklassen erteilte, über- nahmen Fräâulein Diehl und Fräulein Fuchs vom 7. Oktober 1901 ab diesen wichtigen Unterricht. Fräulein Nöllner, die fast 30 Jahre segensreich an der Schule gewirkt, sah sich leider gezwungen, ihre anstrengende Tätigkeit aufzugeben. Bei ihrem Scheiden zeigte sich, wie groß die Anhänglichkeit der Kinder an die geliebte scheidende Lehrerin, wie grob aber auch ihre Anhänglichkeit an die Schule war. Als sie, mit Wirkung vom 16. Oktober, in den wohlverdienten Ruhestand trat, konnte ihr der Unterzeichnete im Auftrage des Ministeriums die ihr von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog verliehene silberne Medaille des Ludewigs-Ordens überreichen und mit den herzlichsten Glückwünschen nochmals den Dank der Schule aussprechen. Wir alle wünschen von Herzen unserer lieben scheidenden Kollegin sorglose Tage der Ruhe nach den Jahren anstrengender, segensreicher Arbeit und Mühe. Großherzogs Geburtstag, an dem der Direktor die Fest- rede über die Geschichte der Burg Frankenstein hielt, brachte unseren beiden Kollegen Hartmann und Förmes eine wohlverdiente Auszeichnung. Se. Königl. Hoheit der Groß- herzog geruhte denselben das Ritterkreuz II. Klasse des Philippsordens zu verleihen, eine Auszeichnung, über deren Ehre sich Kollegen wie Schülerinnen in gleicher Weise freuten.

¹) Lebenslauf: Sophie Diehl, Tochter des Pfarrers Heinrich Diehl, ist am 8. Januar 1863 zu Schotten in Ober-Hessen geboren und besuchte vom Jahre 1871 ab die hiesige Viktoriaschule. Nachdem sie von 18811883 die hiesige Aliceschule für Frauenbildung und Erwerb, einschliesslich des Kursus zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen, besucht hatte, verbrachte sie zu ihrer Weiterausbildung ein Jahr in der französischen Schweiz, worauf sie 18861837 in Gießen am Institut Dickoré als Lehrerin der französischen Sprache und Handarbeit tätig war. Im Sommerhalbjahr 1887 leitete sie vertretungsweise die Aliceschule zu Worms. Während sie hier in Darmstadt 1 ½ Jahr in Privatstellung war, kam sie 1888 als Industrielehrerin an die Stadt-Mädchenschule III und wurde 1890 von Grossh. Kreisschulkommission Bingen mit der Abhaltung eines Kursus für Handarbeitslehrerinnen dortselbst beauftragt. Im Frühjahr 1901 an die Stadt-Mädchenschule I versetzt, wurden ihr zugleich vier Stunden wöchentlich an der .Viktoriaschule übertragen, und im Herbst 1901 wurde sie als Nachfolgerin von Fräulein Nöllner ganz an die Viktoriaschule versetzt. 5

²) Lebenslauf: Karl August Ritz, geboren 1865 zu Ullershausen, Kreis Lauterbach, besuchte das Realprogymnasium zu Fulda und dann von 188386 das Lehrerseminar zu Friedberg. Im Frühjahr 1886 wurde er zum Schulverwalter in Hungen ernannt und im Herbst desselben Jahres in gleicher Eigenschaft an die Stadt-Mädchenschule Il nach Darmstadt versetzt, bestand 1888 die Staatsprüfung und gelangte 1805 zur definitiven Anstellung. Nachdem er seit 1890 an der hiesigen Mittelschule für Mädchen tätig gewesen war, wurde ihm durch Dekret Grossh. Ministeriums vom 7. Oktober 1901 mit Wirkung vom Beginne des Wintersemesters an zur Vertretung des wegen Krankheit beurlaubten Lehrers Geiß die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der Viktoriaschule übertragen.