A. Schulbericht der viktoriaschule und des Lehrerinnenseminars über die Schuljahre 1901/02 und 1902/03.
190 02.
Die Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen im Jahre 1901 fand an folgenden Tagen statt: die schriftliche Prüfung vom 11.—14. Februar, die Prüfung im Turnen und Zeichnen am 23. Februar, die Lehrproben wurden am 26. Februar, die mündliche Prüfung am 13. und 14. März abgehalten. Gemeldet hatten sich 24 Schülerinnen der ersten Seminarklasse, welche sämtlich die Prüfung bestanden und zwar 5 mit der Note 1=sehr gut, 16 mit der Note 2= gut, 3 mit der Note 3= ge- nügend. Mit den Funktionen des Regierungskommissärs war durch Verordnung Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 20. Februar 1901 der Direktor betraut. Am 25. Februar 1901 wurden die Anmeldungen für Klasse X-V entgegengenommen; das Schuljahr schlob am 27. März 1901, nachdem am 22. März die Aufnahmeprüfung für das Seminar stattgefunden hatte.
Das Schuljahr 1901/02 begann am 15. April mit den Anmeldungen für Schule und Seminar, der Unterricht Dienstag, den 16. April, 7 ½, bezw. 8 ½ Uhr.
Die Schülerinnenzahl hatte wiederum eine bedeutende Steigerung erfahren, doch konnten dieselben in den vorhandenen 3 Seminar- und 20 Schulklassen untergebracht werden. Die Anfangszahl betrug im ganzen 761(Vorjahr 729); während des Schuljahres traten 49(Vorjahr 46) ein, 141(Vorjahr 148), einschließlich der am Schlusse Ausgetretenen, aus, sodaß 660(Vorjahr 620) am Schlusse verblieben. Neu aufgenommen wurden 145 (Vorjahr 155). Von Ostern 1001 ab treten die Schülerinnen des Lehrerinnenseminars zu Mainz nicht mehr in unsere zweite Klasse über, da dort seit Ostern 1901 eine zweite und seit Ostern 1902 eine erste Klasse besteht, sodaß wir nunmehr durch diese neu- gegründete Schwesteranstalt entlastet werden. Im Interesse der Schülerinnen selbst, namentlich aber derjenigen der Schulklassen, in welchen die Unterrichtsübungen der Seminaristinnen abgehalten werden, liegt es, daßb die Anzahl der Schüͤlerinnen der Seminar- klassen sich nicht über 20, höchstens 25 Schülerinnen in der Klasse erhebt. In anderen Seminarien ist eine Maximalzahl festgesetzt, so in Frankfurt a. M.(19). Am 17. April starb ein langjähriges Mitglied des Kuratoriums, Herr Justizrat Schödler, nachdem ihm am I1. Mai 1900 ein anderes Mitglied des Kuratoriums, Herr Geheimer Schulrat Kuhl, im Tode vorangegangen war. Außerdem schied Herr Professor Friedrich aus dem Kura- torium aus. Direktor und Mitglieder des Kollegiums gaben den beiden Entschlafenen das letzte Geleite. Wir bewahren den drei Herren, die ihre Kräſte lange Zeit den Be- ratungen des Kuratoriums gewidmet, ein dankbares Andenken. Gegenwärtig setzt sich das Kuratorium aus folgenden Herren zusammen:
Herrn Oberbürgermeister Morneweg, als Vorsitzenden, „ justizrat Gallus, „ Direktor Dr. Landmann, „ Direktor Dr. Mangold, „ Dr. Nöllner.


