Jahrgang 
1882
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Auch in dem abgelaufenen Schuljahre feierte die Anſtalt zur Erinnerung an ihr 61jähriges Beſtehen ein fröhliches Waldfeſt. Dankbar wurde des edlen Stifters gedacht, der ſelbſt taubſtumm, zuerſt ſeinen taubſtummen Brüdern und den Taubſtummen der Umgegend ein treuer und eifriger Lehrer wurde, dann hieſige Anſtalt gründete, in der ſchon viele Hunderte von Unmündigen zu Menſchen herangebildet wurden.

Das Andenken der Gerechten bleibet im Segen rufen wir ſtets auf's Neue, wenn wir ſein Werk verehrend betrachten. Möge ſein Andenken nie erlöſchen! Im Auguſt legte Hilfslehrer Löw II. ſein Wiederholungsexamen in Uſingen ab, während Marenbach in Dillenburg ſich zu demſelben ſtellte. Beide haben beſtanden.

Das Examen für ord. Taubſtummenlehrer der Provinz Heſſen⸗Naſſau wurde im verfloſſenen October in Frankfurt a. M. und zwar in der dortigen Taubſtummen⸗Anſtalt abgehalten.

Die Prüfungscommiſſion beſtand aus den Herren Provinzialſchulrath Kretſ chel aus Caſſel, Oberlehrer Vatter aus Frankfurt a. M., Dirigent Wehrheim aus Camberg und Taubſtum⸗ menlehrer Zeller aus Homberg.

Es hatten ſich zu dem Eramen gemeldet die Herren: Hilfslehrer Berge aus Homberg, Bleher aus Frankfurt a. M. und Jäger aus Camberg. Sänmmtliche Examinanden beſtanden. Die im Auguſt ausgeführten Reiſen mit den älteren Zöglingen hatten folgende Ziele:

Der erſte Ausflug führte in die Patent- und Muſterſchutz⸗Ausſtellung in Frankfurt a. M. Leider war es nicht möglich, all das Gute und Schöne derſelben ſo betrachten und genießen zu können, wie es nothwendig geweſen wäre. Doch brachte dieſer Ausflug immerhin großen Gewinn und reichen Stoff für Unterhaltungen und ſchriftliche Arbeiten. Einen tiefen Eindruck machte eben⸗ falls die Beſichtigung des Panorama's:Die Schlacht von Sedan, und war der hiernach folgende Beſuch des Palmengarten's wieder geeignet, die Ermüdeten zu erfriſchen und nach dem Gewühle der Ausſtellung und den tiefen Eindrücken, die das Schlachtenbild auf die Kinderſeelen gemacht hatte, an den Naturſchönheiten ſich zu erbauen und wieder zu ſammeln.

An dieſe Reiſe ſchloß ſich ein Ausflug, ein ganz ſtrammer Marſch, nach der ſchönen Ruine Burgſchwalbach, woſelbſt uns eine herrliche Ausſicht für die Beſchwerlichkeiten des Marſches lohnte und der freundliche Reſtaurateur dem Magen zu ſeinem Rechte verhalf.

Die Herbſtprüfung wurde als Claſſenprüfung abgehalten und zwar am 23. September. Das Winterſemeſter nahm dann am 24. October wieder ſeinen Anfang.

Am 1. Weihnachtstage wurde die Chriſtbeſcherung in üblicher Weiſe abgehalten und zwar von Herrn Jäger geleitet. Es wurde manches nöthige Kleidungsſtück beſchert und hierdurch manchen Eltern eine ſchwere Sorge vom Herzen genommen, beſonders ſolchen Eltern, denen die Sorge für eins oder mehrere taubſtumme Kinder mitunter ſchwere Stunden bereitet.

An dieſer Stelle ſei es mir vergönnt, verſchiedenen Wohlthätern und Gönnern den

Dank der Anſtalt auszuſprechen.

Der erſte Dank gilt dem Herrn Baron von Spieß⸗Büllesheim, dem langjährigen Vor⸗ ſitzenden desVereins zur Beförderung des Taubſt.⸗Unterrichtes ꝛc..

Für ſeine Leitung und Unterſtützung, für ſeine ſtets offene Hand da, wo der Verein nicht mehr helfen konnte, folgt ihm unſer Dank; und unſere Wünſche für ein ſtetes Wohlergehen und ungetrübtes Glück in der Ferne werden nie verſtummen.

Herzlicher Dank ſei auch dem bekannten Unbekannten geſagt, der am 2. Februar ſtets die Zöglinge mit Bretzeln beſchenkte, ſowie dem freundlichen Geber, der demVereine ꝛc. 30 zur Verwendung übergab und für ein bedürftiges Kind ein Paar Schuhe auf den Weihnachtstiſch ſchenkte.