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Darauf lud derselbe die vor dem Hause Versammelten ein zur Teilnahme an der Schulfeier in der Turnhalle.
Dieselbe begann mit dem Lied:„Mit dem Herrn fang' alles
an“, von Grobe; darauf sprach
der Obersekundaner Anton Heinstadt den folgenden, von Herrn Dr. Reinhard Strecker ge-
dichteten
Es ist für uns ein weihevoller Tag.
Ein neues Heim soll unsre Arbeit finden.
Sei uns gegrüsst, du stattliches Gebäude! Mit dankerfülltem Herzen nehmen wir
Als schönes sichtbarliches Zeichen dich
Für unsrer Schule glückliches Gedeihen.
Das alte Haus ist uns zu eng geworden
Und wird nun andern seine Dienste tun.
Es reifte mancher jugendliche Geist
Auch unter seinem kleinern Dach heran, Und stets wird die Erinnrung an ihm haften An eine lange, ems'ge Tätigkeit.
Wir sagen ihm von dieser Stelle aus Gerührten Sinnes noch ein Lebewohl.
Das neue aber, das wir nun betreten,
ls gebe unsrer Arbeit frischen Schwung.
So hell und klar, wie da der Sonnenschein Durch unsre Fenster freundlich lächeln kann, So dringe auch des Geistes Klarheit fröblich In gern empflngliche Gemüter ein.
Es kann der Fleissigste noch besser schaffen, Wenn ihm die Werkstatt recht behaglich ist- Und doppelt dankbar ist für Luft und Licht Das junge Bäumchen, das aufstrebend sie Zum starken Wachstum doppelt nötig hat. s soll im neuen Hause ja die Jugend
Die besten Stunden ihrer Zeit verleben.
Das Dasein bringt des Schweren schon genug. Sei drum die Jugend wenigstens so licht, Als immer es der Ernst der Welt gestattet. Es möge recht die Arbeit ihr geraten,
Und führt der erste Sprung nicht gleich an's Ziel, So möge sie Geduld dahin geleiten.
Es gibt nun einmal ohne Kampf und Mühe Von ihren Schätzen die Natur nichts her. Zuweilen sind des Wissens Wurzeln bitter, Doch tröste uns die süss verheissne Frucht.
Wir blicken aus der Schule in das Leben, Das lockend, gleich den feinen blauen Linien Der fernen Berge uns herüber winkt.
Es werden aus den Knaben Männer werden, Ind deren Leben ruhet auf dem Grunde, Den ihre Schule ihnen hat gelegt.
Es kommt von ihr das Geisteskapital,
Mit dem sie im Berufe schaffen werden,
Und den einst zu erfüllen ist die erste Bedingung, froh zu werden dieses Daseins.
Doch unser höchstes Ziel sei das noch nicht. Nicht wie des Meeres ungezählte Tropfen Wirr durcheinander, hier bald hin, bald dort,
Mit einigen einleitenden Worten Gedichte übergegangen:
Prolog.
1.„Theodor“, von Ferdinand Avenarius,
2. Der alte Hans, von Eduard Ferrand,
.Aus der Kindheit, von Friedrich Hebbel,„ Der sterbende General, von A. v. Droste-Hülshoff„ 4 Auf dem Felde der Ehre, von Jakob Löwenberg, 9 5
Soll Mensch dem Menschen kalt vorübereilen, Ein jeder seines Treibens nur gewahr.
Friih soll er lernen, seinen Nachbar achten Und der Gesellschaft Pflicht und Recht erkennen. Das Schicksal aller seiner Volksgenossen,
Dem Manne werd' es wie sein eigen Schicksal. Er nehme teil am allgemeinen Leben.
lr wird das eigene damit bereichern.
Wie der gesunde Arm dem starken Heere
Des Vaterlandes seine Dienste tut,
So möge unser Denken, unser Fühlen
Auch dessen geist'ge Gitter einst vermehren. Daran die Freude und dazu die Kraft,
Das ist's, was unsre Schule geben möchte.
Vielleicht sind grade wir zu unsrer Zeit,
Wo in den grossen Städten sich der Geist
Von Tag zu Tage ausdehnt und verfeinert, Am kleinern Ort zu Wichtigem berufen,— Die schroffen Gegensätze zu versöhnen,
Die unser deutsches Leben tief zerklüften.
Des Geistes Reichtum ströme auf das Land! Es sei des Landes liebliche Natur
Und seiner freien Luft gesunder Odem
Der Jungborn wieder unsrer Geistesspannkraft!
Die Pfade, die wir hier zu gehn beginnen, Sie führen herrlich, führen hoch hinauf.
O möchten viele sie zu Ende gehen!
Rings immer weiter werden sich die Lande Dem froh erstaunten Auge sonnig auftun. Der enge Kreis des eignen kleinen Ich Wird sich zu einer Ewigkeit erweitern. Denn wer das Reich der Kunst, der Wissenschaft Betreten hat, wird den Zusammenhang
Der ganzen Menschheit, aller ihrer Arbeit, In ehrfurchtsvoller Dankbarkeit empfinden. Er sieht die Quellen seines Geisteslebens Aus unberechenbaren Fernen fliessen,
In der Geschichte Strom vertieft, geläutert. Er sieht das eigne Tun als brauchbar Stück Im weitverzweigten Streben seiner Mitwelt. Er sieht die Frucht des ehrlichen Bemühens zZum Samen wieder für die Zukunft werden, Und ahnen lernt er: was wir Gutes tun, Wird weiter wirken in Unendlichkeiten.
Mag wenig manchem und gering erscheinen, Was jeder Einzelne zur Arbeit stellt:
Es baut aus vielem Einzelnen und Kleinen Sich schliesslich auf die ganze grosse Welt.
des Direktors wurde dann zum Vortrag der folgenden
vorgetr. von Wilhelm Wenzel(IIla), Kurt Schmitt(IV), „ Helmut Buchholtz(V), Friedrich Wegel(IIb), Rudolf Ohly(IIIa),


