Jahrgang 
1879
Einzelbild herunterladen

12

Erſterer erhielt durch Allerhöchſtes Dekret vom 11. September 1878, Letzterer durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 23. September 1878 ſeine Anſtellung am hieſigen Gymnaſium.

Wenige Wochen nach dem Beginne des Winter⸗Semeſters erfolgte plötzlich ein ganz unerwarteter Lehrerwechſel; durch höchſtes Dekret vom 1. November ward der Gymnaſiallehrer Friedrich Trefz, der Ende Oktobers die erledigte Stelle eines Hauptlehrers an der ſtädtiſchen höheren Mädchenſchule zu München erlangt hatte, auf ſein Nachſuchen aus dem Dienſte entlaſſen und am 5. November der pro⸗ viſoriſche Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Wimpfen Hermann Jäger mit der Verwaltung der in Erledigung gekommenen Stelle beauftragt. Letzterer trat am 11. November 1878 ſeine dienſtlichen Funktionen an dem hieſigen Gymnaſium an.

Den von der Anſtalt abgegangenen Herren Lehrern ſprechen wir den gebührenden Dank für die gewiſſenhafte Erfüllung ihrer Pflichten aus und wünſchen ihnen, daß ihre Thätigkeit in den neuen Wir⸗ kungskreiſen von den glücklichſten Erfolgen begleitet ſein möge.

Hiier laſſen wir die Perſonalien der Herren Dr. KRemmer, Laſerre, Dr. Hoſſmann und Jäger folgen:

Geboren den 4. December 1855 zu Alsfeld, beſuchte ich, Karl Kemmer, zuerſt die Stadtſchule, dann die Realſchule II. Ordnung meiner Vaterſtadt, worauf ich in das Polytechnikum zu Darmſtadt eintrat. Nach daſelbſt im Sommer 1874 abſolvirtem Maturitätsexamen ging ich zur Landesuniverſität Gießen über, um mich dem Studium der Mathematik zu widmen, und unterzog mich in Rückſicht hierauf im Herbſt 1875 einer ergänzenden Prüfung am Groß⸗ herzoglichen Gymnaſium zu Darmſtadt. Neben Mathematik habe ich beſonders Vorleſungen über Phyſik, Mineralogie und Geologie, Philoſophie und Pädagogik gehört, auch mit Chemie und Botanik mich beſchäftigt. Am Schluß des Winter⸗ Semeſters 1877/78 beſtand ich in Gießen die Lehramtsprüfung in Mathematik, Phyſik, Mineralogie und den philoſophiſchen Disciplinen. Durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 23. April 1878 wurde mir die Verwaltung einer Lehrerſtelle am Großherzoglichen Gymnaſium zu Büdingen übertragen, und am 26. September 1878 erfolgte meine Verſetzung an die Großherzogliche Realſchule I. Ordnung zu Darmſtadt. Im Juli 1878 reichte ich eine Inaugural⸗Diſſertation, welche den Titel führt: Kriterien der Realität für die Schnittpunkte von Linien zweiter Ordnung bei der philoſophiſchen Fakultät der Hochſchule zu Gießen ein und erlangte auf Grund dieſer Diſſertation die philoſophiſche Doktorwürde.

Konrad Laſerre, geboren am 9. März 1849 in Meiningen, beſuchte 1860 bis 1869 das Gymnaſium daſelbſt und ſpäter die Univerſitäten Jena und Leipzig, um klaſſiſche Philologie zu ſtudiren, und beſtand in Leipzig zu Pfingſten 1874 die Prüfung für die Candidaten des Gymnaſiallehramtes. Im Herbſte 1874 nahm derſelbe eine Stelle an der ſtädtiſchen Realſchule zu Groß⸗Umſtadt an, wurdo, als dieſe Schule den Charakter einer Staats⸗Anſtalt erhielt, im Juli 1877 definitiv angeſtellt und im Herbſte 1877 an das Großherzogliche Gymnaſium zu Büdingen verſetzt.

Hermann Karl Hoffmann, geboren am 20. Oktober 1853 zu Gießen, beſuchte daſelbſt das Gymnaſium und ſtudirte zu Gießen und Leipzig klaſſiſche Philologie und beſtand im Herbſte 1876 zu Gießen die Prüfung für die Candidaten des Gymnaſiallehramtes. Nachdem er darauf größere Reiſen in das Ausland gemacht hatte, war er ein Jahr lang als ordentliches Mit⸗ glied des Großherzoglichen pädagogiſchen Seminars am Gymnaſium zu Gießen thätig und wurde dann durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 23. September 1878 proviſoriſch an dem Großherzoglichen Gymnaſium zu Büdingen angeſtellt.

Hermann Jäger, Sohn des Regiſtrators W. Jäger zu Darmſtadt, wurde daſelbſt geboren am 13. Mai 1856 Den erſten Unterricht genoß derſelbe in einem Privat⸗Inſtitute zu Darmſtadt; darauf trat er Herbſt 1866 in das dortige Gymnaſium ein und abſolvirte Herbſt 1873 das Maturitäts⸗Examen an derſelben Anſtalt. Um Architektur zu ſtudiren, beſuchte derſelbe alsdann das Polytechnikum in Darmſtadt, wurde jedoch bald durch ein Augenleiden an der Fortſetzung dieſes Studiums gehindert. Er wandte ſich nun dem Studium der Naturwiſſenſchaften zu, beſuchte von Herbſt 1875 bis Herbſt 1876 die Univerſität Berlin, von Herbſt 1876 an die Univerſität Gießen und beſtand im Winter 1877/78 das Examen für das Gymnaſial⸗ und Realſchullehramt in dem Fache der Naturwiſſenſchaften. Am 23. April 1878 wurde ihm die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Wimpfen am Berg übertragen, von wo derſelbe am 10. November abberufen wurde, um die Verwaltung einer Lehrerſtelle am Großherzoglichen Gymnaſium zu Büdingen zu übernehmen.

Durch Allerhöchſte Dekrete vom 11. September 1878 erhielten die Gymnaſiallehrer Dr. Hermann Frommann und Dr. Heinrich Weyerhäuſer definitive Gehaltszulagen.

Außer dem oben erwähnten Todesfall haben wir leider noch einen andern zu beklagen; am 26. November nämlich ſtarb an einer Lungen⸗Entzündung der Gymnaſialrechner Philipp Heinrich Fix. Dem zahlreichen und ehrenvollen Leichenbegängniß des Dahingeſchiedenen wohnten auch die Lehrer und die Schüler des Gymnaſiums bei. Fix hat die hieſige Gymnaſialkaſſe vom 24. Februar 1846 bis zum 26. November 1878 mit der größten Gewiſſenhaftigkeit und Pünktlichkeit verwaltet. Auch genoß er den wohlbegründeten Ruf, ein pflichttreuer, geſchickter und fleißiger Mädchenlehrer zu ſein. Ueber ſeine erſprießliche Thätigkeit als Hilfslehrer am hieſigen Gymnaſium während der Jahre 1839 bis 1877 haben wir im Programme 1878 S. 11 berichtet.

Die erledigte Stelle eines Rechners der hieſigen Gymnaſialkaſſe wurde durch hohe Ver⸗ fügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 2. December 1878 dem Großherzoglichen Gymnaſiallehrer Herrn Ludwig Fink zu Büdingen proviſoriſch übertragen.