Jahrgang 
1881
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Marburg beschäftigt, von der vorgesetzten Behörde betraut. Mit Schluss des Semesters wird uns derselbe wieder verlassen, um eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Neuwied zu übernehmen. Dr. Hunrath verstand es, in kurzer Zeit scine Schüler in erfreulicher Weise zu fördern, dass vir ihn ungern scheiden sehen. Vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium ist von Ostern 1881 ab als 5. ordentlicher Lehrer Herr Dr. Wilken, bisher Dirigent einer Real-Lehranstalt zu Dehnen- horst im Grossherzogtum Oldenburg, berufen worden.

Dr. L. Wilken, geboren am 14. Lugust 1845 zu Westerbur in Ostfriesland, besuchte nach Absolvierung des Gymnasiums zu Aurich die Universitüt zu Göttingen, um Theologie und Pbilosophie zu studieren, und promo- vierte im Jahre 1869 mit der Abhandlung:Der transscendentale Jdealismus von Immanuel Kant, kritisch erlu tert aus dem transscendental-ethischen Realiemus. Darauf war er mehrare Jahré hehrer an der Sehülerschen Realschule zu Hamburg und sodunn an der Keimschen höheren Töchterschule zu Worms. Xach Absolvierung des bExamens pro facultate docendi zu Struassburg i. h. wurde er wissenschaftlicher Iüffslehrer zu Uagenau, Slunn Rektor der Latein- und Volksschule zu P'sens: zuletzt war er 4 ½ Jahre Dirigent der Reallehranstalt zu Delmen- horst. Jnzwischen hatte sich derselbe zu Giessen anch philologischen Studien gexidmet. Gedruekt zind von Ur. Wilken erschienen: I, Kritische Darstellung des Verhültnisses, in dem nach Kant Theologie und LPhilosophie zu einander stehen, in Ililgenfeldts Zeitschrift für wissenschaftliche Theologis. 2, Uber die biblischen Begriffeiottes- Sohn undMenschensohn, im Ollenburger Schulblatt. 3. Dar Xpostel l'antus. ERin religionsgeschichtliches Cha- rukterbild, in der protestantischen Kirehenzeitung.

Am Donuerstag, den 17. Juni, nachmit waunderten Lehrer und Schüler nach dem so

12s, schön gelegenen Hlölzbachtrisch, einem unmutigen'lützchen mnitten im Waldesgrün, um sich an Spielen und Gesängen zu erfreuen.

Der zweite September, der Jahrestag der Schlacht von Sedan, Kurde durch eine Festrede des ordentlichen Lehrers Ilerrn Esau und durch Deklamationen in der Schule gefeiert. Am Nach- mittage unternalunen Lehrer und Schüler, begleitet von vielen Preunden der Anstalt, einen zemein- samen Spaziergung nach dem sogenannten Knochentrisch. um Sich dureh Ciésang und Spiele zu ergötzen. Bei eintretender Dunkelheit wurde in gcordnetenn Zuge der Rückweg nach der Stadt ungetreten.

Sumstag, den 5. Februar d. J., fand unter der regsten Beteiligung der Einwohnerschaft in dem von Ilerrn Balbach dahier bercitwilligst überlassenen Snale eine musikalisch-deklamatorische Abend- unterhaltung, ausgeführt von den Schülern der IAnstalt, statt. Der Ertrag ist zur Ausschmückung der Aula des neuen Realschulgebändes, insbesondere zur Anschaffung eines Harmoniums, bestimmt.

Auch durf nieht mit dem Ausdruecke des grössten Dankes unerwähnt bleiben, dass Ilerr Oberlehrer Dr. Mertz:Zwei Geburtstagsreden zur Verherrlichung unseres Kaisers veröffentlicht nat, deren Ertrag nach Abzug der Unkosten für lerstellung des Druckes ebenfalls zur Ausstattung der Aula des neuen Schulhauses dienen soll.

Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Knisers und Königs wurde am Dienstag, den 22. März, vormittags 10 ½ Uhr, dureh Vortrüge patriotischer(tedichte und Lieder, sowie durech eine Festrede des ordentlichen Lehrers Ierrn llarkk in der Schule gefeiert.

LZum Ostertermin 1881 wurden zur Reifepräfung die beiden Obersceundaner Wilhelm Wehn und Carl Jäger zugelassen, welche vom 2226 Februar die schriftlichen Arbeiten anfertigten. Die mündliche Prüfung wird unter Vorsitz des mit der Stellvertretung des König- lichen Kommissarius beauftragten Rektors am Mittwoch, den 30. März, stattfinden. Uber die Auf- gaben zu den schriftlichen l'rüfungsarbeiten, sowie über den Ausfall der mündliehen Prüfung wird das nüchste Progrumm berichten.