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gefangen nehmen in seinen mächtigen Bann, sollte dich nicht spornen, durch Anspannung deiner geistigen und sittlichen Kräfte das Erbe der Väter zu wahren und zu mehren, der Väter wert?!
„Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,
Der froh von ihren Thaten, ihrer Grösse
Den Hörer unterhält und still sich freuend
Ans Ende dieser schönen Reihe sich
Geschlossen sieht!“
Doch ist der Kern unseres Volkstums durch das Ausgeführte noch nicht erschöpft. Denn jeder ist nicht nur ein Kind Gottes und ein Glied seiner Volksgemeinschaft, sondern auch ein Geschöpf der Natur. Somit liegen die Aufgaben seiner Lebensarbeit, die Quellen seiner Kraft und seines Glückes und daher die Ziele unserer Erziehungsthätigkeit neben der innigen Gottesliebe und der hingebenden Vaterlands- und Bruderliebe auch in der geläuterten Naturliebe.— 1
„Naturam si sequemur ducem, nunquam aberrabimus, Wenn wir der Natur als Führerin folgen, werden wir niemals abirren“, diese weise Lehre des Altertums muss in unserer Schule in die That umgemünzt werden. 3
„Die Himmel rühmen des Ew'gen Ehre Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament!“
Die sinnige Beobachtung von Leben und Weben in der Natur, die Aufspürung ihrer Gesetze, Kräfte und deren Nutzbarmachung, das liebevolle Sichversenken in ihren unentweihten Frieden, die Geist und Herz gleichermassen verjüngende Zauberkraft der Naturlust, die zu Gott dem Schöpfer alles Seienden mächtig emporziehende Naturandacht, alle diese wahres Glück vermittelnden Gedanken und Gefühle zu wecken und zu hegen, wird eine freudige Thätigkeit unserer Schule sein und bleiben. 3
Eine treue Schwester und hilfreiche Genossin aber bei dieser geistigen, ethischen und ästhetischen Erziehung unserer Jugend ist die Liebe zur Kunst. Jede wahre Kunst steht auf dem Boden der Natur, ihrem mütterlichen Grunde, und ist eine Manifestation, eine Offen- barung, des Schönen, dessen Urbilder bei Gott allein sind. Die Pflege der redenden wie der bildenden Künste hat einen bedeutsamen erzieherischen Wert, da ihr gemeinsames Element, die Darstellung des Schönen, eben nur erreicht wird durch das Streben nach Ordnung, Symmetrie und Bestimmtheit, die in ihrer Anwendung auf das Menschenleben geistige, ethische und ästhetische Begriffe und Forderungen sind. Die schwellenden Töne der Musik, die rhythmischen Laute der Poesie, die ruhigen Formen der Architektur, die lebendigen Gebilde der Plastik und Malerei im Dienste der Reinheit und Schönheit, sie fesseln Auge und Ohr und sprechen reinigend und läuternd, erhebend und erbauend zum Menschengeiste und Menschenherzen.
„Durch das Morgenthor des Schönen führt der Weg der Wahrheit und der Liebe zu dem stillen Glück reiner Freuden.“
Doch unser Sorgen und Mühen wäre Stückwerk, wenn über dem Geist der Leib, über dem Inhalt das Gefäss vernachlässigt würde, denn beide sind von Gott.„Curandum est, ut sit mens sana in corpore sano, Gesunde Seele in gesundem Leibe, das sei deine Sorge!“ Die liebevolle Aufopferung der Eltern gilt auch dem leiblichen Gedeihen des Kindes und die Gehülfin der Eltern, die Schule, wird mit ihnen das Amt der körperlichen Obhut und Für- sorge teilen, auf dass ein Geschlecht heranwächst, das die hoffnungsfrohe Gewäühr bietet für die Zukunft unseres deutschen Volkes.


