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Damit sind aber die hehren Ziele der Bildung gegeben, die ein echtes Gymnasium erstreben muss. Was die Griechen als Inbegriff der Menschenwürde in dem geflügelten Worte der Kalok'agathie zusammenfassten, jener Harmonie von Körper und Geist, von Schön und Gut, von seelischer Biederkeit und körperlicher Tüchtigkeit, das muss in noch höherem Masse für ein deutsches Gymnasium Ehrensache sein.
Geistige Schulung, religiöse Erhebung, sittliche Läuterung, vaterländische Begeisterung, ästhetische Veredelung und körperliche Wehrhaftmachung sind die Grundpfeiler des wohnlichen Baues, in welchem die uns anvertraute Jugend erzogen werdensoll, Gott und den Menschen ein Wohlgefallen..
Und Du, mein lieber Sohn?! Einer Mutter gleich heisst die Schule Dich in ihrem Heim herzlich willkommen und bietet Dir die kostbarsten Gaben: vernimmst Du ihren Will- kommengruss und würdigst Du die reichen Geschenke ihrer Liebe?
Nach dem ehernen Gesetz von Leistung und Gegenleistung empfängst Du keinen Lohn ohne Arbeit.
Kennst Du den Segen der Arbeit? Sie stählt Kärper und Geist, bewahrt Dich vor dem Bösen, gewährt Dir innere Befriedigung, giebt Deinem Leben Ziel und Inhalt.
Kennst Du die Pflicht der Arbeit? Sie entspringt der Dankbarkeit gegen Deine Eltern, die oftmals darben und das Nötigste sich vom Munde absparen, um Dir eine bessere Erziehung und höhere Bildung zu geben. Darfst Du durch Müssiggang und Trägheit ihre Hoffnungen knicken und ihre Liebe ins Herz treffen? Sie entspringt der schuldigen Verehrung gegen Deine Lehrer, die Vater- und Mutterstelle an Dir ver- treten und nur Deine Wohlfahrt im Auge haben. Darfst Du ihr redliches Sorgen und Mühen beleidigen und kränken? Sie entspringt Deiner Verpflichtung gegen den Staat und die menschliche Gesellschaft, die unverjährbare Anrechte auf Deine Kraft haben und ihre Hoffnungen auf sie setzen. Darfst Du Deine Mitgliedschaft ver- neinen und Deine Verpflichtungen durch Wortbruch lösen? Sie entspringt endlich der Ver- antwortung vor Deinem Gewissen, d. h. Gott, der ein Pfund Dir anvertraut, auf dass Du es eifrig nutzest und damit wucherst. Darfst Du Dein Pfund ungenutzt vergraben und mit leeren Händen vor Deinen Richter hintreten, um Rechenschaft abzulegen von Deinen Werken?
Klares Pflichtbewusstsein, lebendiges Pflichtgefühl undstetige Pflichterfüllung seien Deine erste Gegengabel
Deine zweite sei der Gehorsam!
Gehorsam schuldet das Kind seinen Eltern: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es Dir wohl ergehe und Du lange lebest auf Erden. Gehorsam schuldet der Bürger dem Staate: wenn dieser in Not, giebt er selbst sein Leben hin, getreu wie das Gesetz es befahl. Und die Schule, eine Verbindung und Trägerin von elterlicher und staatlicher Gewalt, sollte des Gehorsams ihrer Schüler entraten können? Gehorsam der Kinder gegen die Eltern ist ein Fundament der Familie, Gehorsam der Bürger gegen die Staatsgewalt eine Existenz- bedingung des Staates, Gehorsam der Schüler gegen die Autorität der Schule und die bindende Kraft ihrer Gesetze und Anordnungen die Voraussetzung für ihr Bestehen und Gedeihen. Darfst Du ein unbotmässiger Sohn, ein unbotmässiger Schüler sein und später ein unbotmässiger Bürger werden? Drum übe Dich bei Zeiten in der Standestugend des Ge- horsams, denke an ihre Verpflichtung, denke an die Folgen ihrer Verabsäumung!


