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helfen werde. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde iiber den 6stündigen Vormittagsunter- richt und die neuen Versetzungsbestimmungen gesprochen, die gegen früher wesentlich ver- schärft sind. Der Vorsitzende schloß nach zweistündiger Dauer die anregend verlaufene Sitzung mit dem Ausdruck des Dankes an die Vertreter der Elternschaft.
Verschiedenes.
1. Als Herr Bürgermeister Dr. Kayser Anfang Juni 1027 aus seinem Amte schied, wür- digte der Leiter der Anstalt in einem Dankschreiben seine großen Verdienste um die Grün- dung und den Ausbau der Ernst-Ludwig-Schule. Wenn die Schule im Jahre 1930 auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken kann, wird sich Gelegenheit bieten, auf die Geschichte der Anstalt und ihre Förderer näher einzugehen.
2 Die Hausmeisterin Frau Elise Franke, die auf Privatdienstvertrag an der Schule angestellt ist, nimmt am 51. März 1928 Abschied von uns. Wenn sie auch noch nicht die Alters- grenze von 65 Jahren erreicht hat, tritt sie doch in den Ruhestand, um einem Wunsche der oberen Schulbehörde zu folgen, die in der Amtsgehilfenstelle einen Versorgungsanwärter unter- bringen will. Durch die Gewährung eines auskömmlichen Gnadengehalts ist sie für die Zu- kunft sichergestellt. Frau Franke versieht ihren Dienst seit der Griindung der Schule. Am 1. Mai 1905 wurde ihr von der Stadtverwaltung die Stelle einer Schuldienerin an der neu er- öffneten städtischen höheren Bürgerschule übertragen. Die Wahl des Kuratoriums war bei der Besetzung der Stelle auf sie gefallen. weil die höhere Bürgerschule, die aus einer privaten Mäd- chenschule hervorgegangen ist, im Anfang hauptsächlich von Mädchen besucht war; nur in die Sexta wurden von Ostern 1005 ab auch Knaben aufgenommen. Außerdem erschien Frau Franke für den Dienst besonders geeignet, da sie gemeinsam mit ihrem früh verstorbenen Mann in den Jahren 1808— 1905 die Arbeiten des Schuldieners an der Volksschule wahrgenommen hatte. Sie wurde an der damals schwach besuchten höheren Bürgerschule mit einem Jahresgehalt von 600 M. angestellt. Ihre Bezüge im Ruhestand werden etwa das Doppelte betragen. Mutig und unverdrossen nahm sie aber damals mit ihren 2 kleinen Mädchen den Kampf des Lebens auf. In den 25 Dienstjahren, auf die sie jetzt zurickschaut, hat sie die ganze Entwick- lung der Schule miterlebt. Mit ihrer Uebersiedelung in den Neubau im Jahre 1908 ist sie im Laufe der Zeit völlig mit der Anstalt verwachsen. Die Schüler, deren Namen sie alle kennt, geben ihrer Anhänglichkeit durch die Anrede.Tante“ Ausdruck und werden es sich nicht nehmen lassen, ihr beim Abschied noch eine besondere Freude zu bereiten.— In ihrer dienst- lichen Tätigkeit fand sie stets die größte Anerkennung ihrer Vorgesetzten. Eine besondere Aeufterung des Herrn Direktor Zimmer liegt nicht vor. Herr Direktor Reuter schrieb in seinem Bericht:„Sie versieht ihren Dienst zur Zufriedenheit aller Beteiligten und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Achtung. Sie ist unermüdlich tätig und allezeit dienstwillig und freundlich.“ Und der Unterzeichnete:„Sie geht den ganzen Tag pünktlich und gewissen- haft ihren Obliegenheiten nach und verwaltet das ihr anvertraute Gut mit Umsicht und Treue.“ Ihr Pflichteifer und ihre Dienstbereitschaft wurden auch gern von den Mitgliedern des Lehrkörpers anerkannt, die ihr beim Abschied ein ansehnliches Geldgeschenk überreichten.
5. Herr Studienrat Gustav Waldt hielt nach Weihnachten vor Eltern und Freunden der Anstalt drei kunstwissenschaftliche Vorträge. für die er sich folgende Themen ausgewählt hatte: 1. Die Ausdrucksfomen bei Giotto und Franz Marc, 2. Grünewalds Kreuzigung und die Gestalt des Johannes bei Dürer und Klinger. 5. Die Verkündigung bei Fra Angelico und Grünewald. Der Redner behandelte die Stoffe nach Umfang und Tiefe, wie er sie im Unterricht darbietet, um den Eltern einen Ausschnitt aus seinem Kunstunter- richt vor Augen zu führen. Die beiden letzten Vorträge wurden wirksam durch auf die Leinwand geworfene Bilder unterstitzt. Dabei konnte das neue Epidiaskop seine gute Wir- kung und vielseitige Verwendbarkeit erweisen.
4. Geschenke: Die Eltern der abgehenden Abiturienten haben namhafte Beträge für den Bau der Schulbühne gestiftet: IIerr Hotelier Armin Hanke RM. 100.—. Herr General- direktor Dr. Köster RM. 100.—, außerdem RM. 100.— für Lehrmittel in Physik und Chemie. Die Bad-Nauheimer Volksbank stellte uns RM. 50.— zur Verfügung. um unbemittelten Kin- dern die Anschaffung von Büchern und Heften zu erleichtern. Herr Dr. Knieriem übergab uns einige Werke geographischen Inhalts für die Biücherei. Allen Spendern sei auch an dieser Stelle noch einmal bestens gedankt.


