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üben und sie zum klaren Ausdruck ihrer Empfindungen und Gedanken anleiten, ohne indes engherzig alle kindertiümlichen und dem Volksmund entstammenden Wendungen auszumer- zen, wenn wir sie ins Freie hinausführen und jeden das Leben und Weben der Natur ge- nießen und ergriinden lassen, wenn wir sie die Geschichte ihres Landes an den stummen ZIeugen der Vergangenheit ablesen lernen, dann bilden wir denkende Menschen und erzeugen jene feinsinnige fleimatliebe, die das geschichtliche Werden in dem Wechsel der Formen be- greift und in der langen. von Irrgängen unterbrochenen Entwicklung doch das Streben nach Höherem. Vollkommnerem. nach der Durchsetzung von Wertideen erschaut.
Das weite deutsche Land mit seinen landschaftlichen Reizen. seinen alten Burgen und Kirchen, seinen Sammelpunkten von Kunst und Bildung. seinen großien Verkehrszentren und mit seinen verschiedenen Stämmen der Jugend durch eigenes Erleben näher vertraut zu machen und im Unterricht die Erkenntnisse und Beobachtungen nach verschiedenen Ge- sichtspunkten zu verarbeiten, das bleibt das Hauptziel des Klassenaustausches. Daneben birgt eine längere Reise aber noch viele Bildungsmöglichkeiten. die gar nicht im einzelnen zu er- messen sind. Manche Eindricke werden tief haften, andere rasch in Vergessenheit geraten. Da wird ein Samenkorn in die Seele gelegt, das vielleicht erst spät Frichte trägt. dort wird einem jungen Menschen eine Anregung zur Wahl seines späteren Lebensberufes gegeben. Man redet heute viel von der Erziehung zum internationalen Vertrauen: sie tut gewiß not: aber die deutschen Menschen miissen auch mehr dazu erzogen werden, daß sie gegenseitig Vertrauen empfinden und von den wechselseitigen ehrlichen Absichten überzeugt sind. Der Volksverständigung wird dann die Völkerverständigung schon folgen. Mit unserm Schüler- austausch vwollen wir in bescheidenem Maße den Gedanken der Volksgemeinschaft verwirk- lichen helfen, die durch den Willen zum Verstehen von Mensch. zu Mensch bedingt wird. Die Schüler gewinnen Einblicke in günstigere und härtere Lebensbedingungen. Es werden Ver- bindungen zwischen Angehörigen ver Schiedener Stämme und ver schiedener Stände hergestellt. Dank diesen neuen Beziehungen vervollkommnet sich die jugendliche Seele: echte Bildung. Güte. Liebe helfen die Unter schiede überbrücken. Den Eltern unserer Schule müssen wir die Anerkennung aussprechen. daß sie nicht nach der Herkunft der Kinder fragten, sie nahmen alle mit offenen Armen auf und sorgten mütterlich für sie. Die Kinder. die ich aus eigener Beobachtung näher kennen lernte, Waren angenehm und treu in ihrem Wesen. manierlich und hilfsbereit im Umgang und stets eifrig im Lernen und Entdecken.
Mit dem Aufenthalt in neuer Umgebung ist immer etwas Erfrischendes und Belebendes verbunden., doch ist das nur eine erfreuliche Nebenwirkung des Austausches. Wesentlich ist der geistige Ertrag der Studienreise. Die Anschauung und Beobachtung. die durch weise Aus- Mabl geschicet geſeitet werden, müssen zu neuen Gedankenkomplexen führen und den gei- stigen Besitz klären und bereichern. Die lInterrichtsart beim Klassenaustausch könnte man treffend mit der Bezeichnung„Arbeitsschule auf Reisen“ umschreiben.
Die reichen Ergebnisse. die unsere Unterprima von ihrem Aufenthalt in Dresden mit nach Hause brachte. und die günstigen Erfahrungen, die auf beiden Seiten gemacht wurden. wer- den uns veranlassen. in den nächsten lahren bemüht zu sein. einen Klassenaustausch auch mit andern großen und kleinen Städten in die Wege zu leiten. Dresden wird für uns immer ein gern besuchter Platz bleiben: die freundschaftlichen Bande, die uns von nun an mit der Dürerschule verknüpfen, sollen zum Segen der uns anvertrauten Jugend immer fester und inniger werden.
Den höheren Schulen, die sich noch iüber nähere Einzelheiten unseres Schüleraustausches unterrichten wollen, stehen wir gern mit Auskünften zur Verfügung. Die wertvollen geisti- gen und seelischen Kräfte, die im lebensnahen Unterricht des Klassenaustausches entbunden werden, wiegen den Verlust reichlich auf, der durch den Ausfall der planmäßigen Stunden entsteht. Die Zustimmung, die unser Unternehmen bei der hohen Schulbehörde gefunden hat. möge auch andere Anstalten ermuntern, die Durchführbarkeit eines Austausches zu erw ägen. Wir sind überzeugt, daß sie bei sorgfältiger Vorbereitung und mit opferbereiten Führern denselben Erfolg buchen werden. den wr erzielt haben.
Ueber die Einzelheiten der Unterrichtsfahrt der Unterprima nach Dres- den gibt der folgende Bericht des Herrn Studienrat Waldt erschöpfende Auskunft: Unser Reiseplan war folgender: Abreise: Sonntag, den 28. August. abends 9.11 Uhr.


