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leistete er an der Augustinerschule zu Friedberg ab. Nachdem er am 1. Oktober 1911 zum Lehr- amtsassessor ernannt worden war, nahm er auf ein Jahr Urlaub vom Staatsdienst, um am chemischen Laboratorium der Universität Gießen eine wissenschaftliche Arbeit in Angriff zu nehmen. Am 15. Februar 1913 wurde ihm auf Grund seiner Dissertation:„Verhalten einiger Salze zu und in Acetonitril“ und eines mündlichen Examens die Doktorwürde von der philosophischen Fakultät der Universität Gießen verliehen.
Auf Anregung des Ministeriums des Inneren, Abteilung für Schulangelegenheiten ist die Ernst-Ludwig-Schule seit dem 15. Oktober 1912 in einen Zeitschriftenaustauschverkehr mit der Augustiner- und Schillerschule zu Friedberg, der Realschule zu Butzbach, den höheren Bürger- schulen zu Nidda, Schotten und Vilbel getreten. Wir konnten aus 2 Gründen die Zirkulation periodisch erscheinender Zeitschriften befürworten: 1. wird für jede der beteiligten Anstalten die Ausgabe verringert, 2. kann jedem Mitglied eines solchen Zweckverbandes durch entsprechende Vermehrung der gemeinschaftſich gehaltenen Zeitschriften eine größere Möglichkeit geboten werden, Neuerscheinungen und Berichte aller Art auf allen pädagogischen Gebieten kennen zu lernen. Um das Zustandekommen dieses Austauschverkehrs hat sich Herr Realschuldirektor Dr. Schnell zu Butzbach in dankenswerter Weise sehr bemüht. Hoffen wir, daß diese Einrichtung von Dauer ist und den beteiligten Anstalten nur Nutzen und Segen bringt.
Der Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde in den einzelnen Klassen durch Ansprachen seitens der Klassenlehrer in entsprechender Weise gefeiert.
Am 19. Dezember 1912 wurden von Herrn Professor Brüning aus Gießen Untersuchungen über Rückgratverkrümmungen bei Schülern der Ernst-Ludwig-Schule angestellt.
Laut Ministerial-Verfügung vom 21. Dezember 1912 wurde dem Oberlehrer Dr. Strecker der zum Zwecke wissenschaftlicher Arbeit erbetene Urlaub bewillligt.
Die schriftlichen Arbeiten der fakultativen Abschlußprüfung begannen am 20. Januar; die mündliche Prüfung fand am 7. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Block statt. Von den 11 Prüflingen haben 10 die Prüfung bestanden.
Herr Dr. Burchhardt, Generalsekretär des deutschen Bundes evangelischer Blaukreuz- verbände, hielt am 21. Februar 1913 vor den 3 oberen Klassen einen Vortrag über die Alkoholfrage. Auch an dieser Stelle sei genanntem Herrn noch einmal für die Liebenswürdigkeit und den sittlichen Ernst gedankt, mit dem er für die Sache der Enthaltsamkeit und Mäßigkeit auf die Schüler wirkte.
Bei der öffentlichen Schulfeier anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers hatten wir die Freude, einen großen Kreis von Eltern der Schüler und Freunden der Schule als Gäste begrüßen zu dürfen. Nachdem im Anschluß an den Huldigungsmarsch aus„Sigurd jorsalfar“ von E. Crieg ein Schülerfestspiel 1813,„ das Volk steht auf“ von Renate Pfannschmidt-Beutner zur Aufführung gebracht war, folgte die Festrede des Lehramtsassessors Grün:„Toleranz“. Mit dem Gesang„Heil dir im Siegerkranz“ fand die schöne Feier ihren Abschluß.
Im Monat Januar konnten 1 die Nachmittagsstunden zum Rodeln freigegeben Der Gesundheitszustand der Lehrer(die oben erwähnten Fälle ausgenommen) und der Schüler war im verflossenen Schuljahr durchaus günstig.
Die Bücherausgaben aus den Klassenbibliotheken finden allwöchentlich durch den Klassen-— führer statt. Unsere Schülerbibliothek hat auch im letzten Jahre eine wesentliche Bereicherung erfahren. Die Auswahl der Bücher kann den Schülern so freigelassen werden, daß sie die Bibliothek mit Lust benutzen. Die gemeinsame Lektüre der entliehenen Bücher im Familienkreise ist durchaus gestattet: sie sei sogar als ein Mittel, das Band zwischen Schule und Haus fester zu knüpfen, hiermit ganz besonders empfohlen. Wir raten auch den Eltern, sich mit ihren Kindern häufig über ihre Lektüre zu unterhalten und sich von ihnen vorlesen zu lassen. Ein solches Hand in Handgehen der Eltern mit der Schule wird es uns auch möglich machen, im Kampfe gegen die Schundliteratur, die in verderblichster Weise die unschuldige und so empfãng- liche Kinderseele zum unermeßlichen Schaden des Volkes vergiftet und den Erfolg der sorg- fältigsten Erziehung in Gefahr bringt, segensreich zu wirken. Wir wollen vor allem dafür sorgen, daß das Kind nur Gutes liest und bestrebt ist, dasselbe Buch recht oft wiederzulesen. Und da es wichtig ist, daß das Kind nicht nur aufs Bücherleihen angewiesen ist, sondern nach und nach eine eigene Bibliothek erwirbt, was bei den zahlreichen heute vorhandenen Sammlungen guter billiger Bücher in jeder Familie möglich ist, so haben wir auch diesmal in gewohnter
werden.


