Jahrgang 
1913
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Am Sedantage wurde unter Aussetzung des ÜUnterrichts eine der Bedeutung des Tages entsprechende Schulfeier veranlaßt. Die üblichen Klassengänge mußten wegen der unbeständigen Witterung an diesem Tage unterbleiben.

Die Wiederimpfung der 12 jährigen Kinder fand am 3. September, die Nachschau am 10. September statt.

Am 5. September fand die Prämiierung der Topfgewächse statt, die im Laufe des Sommers von Schülern und Schülerinnen gepflegt worden waren. Wie in dem vorigen Jahre hatte uns auch diesmal die Großh. Kurverwaltung aus ihren reichen Beständen die gewünschte Anzahl Pfleglinge und viele schöne Blattpflanzen als Preise zur Verteilung an Schulkinder zur Verfügung gestellt. Auch der hiesige Kur- und Verschönerungsverein förderte unsere Bestrebungen durch Bewilligung eines namhaften Geldbetrages. Für diese Schenkungen sagen wir auch an dieser Stelle den gütigen Gebern geziemenden Dank.

Laut Ministerial-Verfügung vom 10. September 1912 wurde der Lehramtsreferendar Dr. Wilh. Lindenstruth zur Ableistung seines 2. Vorbereitungsdienstjahres mit Beginn des Winterhalbjahres 1912/13 der Ernst-Ludwig-Schule überwiesen.

Wilhelm Lindenstruth, evangelischer Konfession, wurde am 16. Februar 1885 zu Beuern im Kreise Gießen geboren. Er besuchte das Realgymnasium zu Gießen und bestand 1905 die Reifeprüfung. Hierauf widmete er sich dem Studium der Geschichte und der deutschen und englischen Sprachwissenschaft und besuchte zu diesem Zwecke die Universitäten Marburg und Gießen. Am 19. März 1910 bestand er das mündliche Doktorexamen in mittlerer und neuerer Geschichte, Deutsch und Englisch und im Sommer desselben Jahres die Prüfung für das höhere Lehramt in Geschichte, Deutsch und Englisch in allen 3 Fächern erwarb er sich die Lehr- befähigung für die 1. Stufe. Vom 1. Oktober 1910 bis zum 30. September 1911 genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 zu Gießen. Er wurde darauf vom Großh. Ministerium des Inneren, Abteilung für Schulangelegenheiten dem pädagogischen Seminar an der neu errichteten Liebigs-Oberrealschule in Darmstadt zuge- wiesen, dem er bis zum 25. September 1912 angehörte.

Auf Nachsuchen stellten wir der Direktion des hiesigen Gas- und Wasserwerks für die in der Zeit vom 13. bis 17. September stattgefundene Wanderaustellung der Centrale für Gas- verwertung unsere Turnhalle zur Verfügung. Für den Ausfall des Turnunterrichts an diesen Tagen wurden die Schülerinnen der 3 oberen Klassen durch einen belehrenden Vortrag:Das Kochen mit Gas entschädigt.

Am 17. September 1912, dem Geburtstage Ihrer K. Hoheit der Großherzogin, fiel der Unterricht aus.

Während der erbstferien bat Herr Pfarrer Hemmes zu einer Reise ins Ausland um einen 5 wöchentlichen Urlaub, der ihm vom Ministerium gewährt wurde. Dadurch fielen wöchentlich 3 Religionsstunden aus.

Von ausländischen Schulmännern konnten wir im Juni den Kaiserl. Russ. Staatsrat Herrn Nikolai Wladimirowitsch Juschkow, Oberlehrer der Geschichte und Geographie am Gouvernements- Gymnasium zu Nishny- Nowgorod, den Herrn C. Radulescu-Motru, Professeur àl' université de Bukarest(Roumanie), Mme. Zénéide Safonow, Directrice du Gymnase Nicolas pour jeunes filles, Russie Orel und im September die Herren Hugh Jackson, Brampton, Cumberland und Leif Jones, Kensington, begrüßen. Sie nahmen von dem Betriebe des deutschen, fremdsprachlichen und geographischen Unterrichts Einsicht.

Durch Ministerial-Verfügung vom 1. Oktober 1012 wurde der Lehramtsreferendar Adolf Lutz zum Lehramtsassessor ernannt. Nachdem ihm die Schulabteilung einen längeren Urlaub bewilligt hatte, verließ er unsere Anstalt, um einem ehrenvollen Rufe als wissenschaftlicher Hilfs- lehrer an die private höhere Mädchenschule zu Cleve zu folgen.

Laut Ministerial-Verfügung vom 4. Oktober 1912 wurde der Lehramtsassessor Adam Schier als Volontair an die Ernst-Ludwig-Schule zugelassen.

Adam Schier, geboren am 23. Februar 1884 zu Bad-Nauheim, katholischer Konfession, besuchte das Gymnasium zu Friedberg, wo er Ostern 1004 die Reifeprüfung bestand. Er studierte Mathematik und Naturwissenschaften an den Universitäten Freiburg i. B. und Gießen und bestand dort im Sommer 1008 das Examen für das höhere Lehramt. Das 1. Vorbereitungsjahr verbrachte er am Realgymnasium zu Darmstadt. Von Oktober 1909 bis Oktober 1910 genügte er seiner Militärpflicht beim Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 Darmstadt. Das 2. Vorbereitungsjahr